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Schwerpunkt: Inside Ajax – Das Web wird interaktiv


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verfasst von: Roland Kissling  20|3|2006

 
 
Herkömmliches HTML ist statisch und langsam. Ajax ermöglicht interaktive und benutzerfreundliche Anwendungen – und die volle Kontrolle über das Benutzer-Interface. Wir zeigen Ihnen Beispiele und Integrationsmöglichkeiten.

 

© Archiv

Das Web wird langsam erwachsen – die Mehrzahl der Menschen hat die neue Kulturtechnik nun erlernt und findet immer adäquatere Ausdrucksformen dafür. Der Trend geht nun klar in Richtung Usability: Applikation müssen funktionieren, und User-freundlich aufgebaut sein. Dort, wo Web-Entwicklung passiert, hat man das weitgehend erkannt, vor allem im englischsprachigen Bereich. Dies sieht man auch daran, dass in modernen Web-Agenturen und –Departments Designer und Programmierer mittlerweile immer öfter sehr eng zusammenarbeiten.

HTML, die Ursprungssprache des Internet, ist für benutzerfreundliche Seiten aus technischer Hinsicht aber nur bedingt geeignet. Sie ist nämlich - ausgehend von der reinen Vernetzung von Textinhalten – sehr stark Dokumenten-zentriert gewachsen. Funktionen für Design und Layout wurden erst im Nachhinein eingebaut. Beim „traditionellen“ Web besteht ein Client-Server-Cyklus: der Webserver liefert stets die gesamte Webseite an den Browser zurück und wartet dann auf neue Anforderungen. Komplexe Formulare und interaktive Anwendungen sind daher nur sehr aufwendig zu entwickeln, und der User muss häufig auf das vollständige Aufbauen der neuen Seite warten.

Ajax (Asynchronous JavaScript and XML) ist Teil des Phänomens Web 2.0 – was üblicherweise als Mischung von User-orientierten Web-Plattformen und neuen, interaktiven Web-Technologien verstanden wird. Von der Grundfunktion her wachsen hier Internet und Desktop-Applikationen zusammen: Am Desktop ist es nämlich schon seit langem üblich, dass Applikationen eine Eventschleife besitzen, und das System selbst Events erzeugen kann. Formulare und Steuerelemente reagieren sofort und sind einfach zu implementieren. Genau dies macht nun auch Ajax im Web: Die Browser-Eventschleife wird dabei so ausgebaut, dass auch Server-seitige Funktionen eingebaut werden können. Designer und Entwickler erhalten dadurch wesentlich mehr Freiheiten und können ihre Applikationen benutzerfreundlicher gestalten.

AJAX GEHT IN DIE BREITE
Noch sind bei Ajax in erster Linie die Early-Adopter am Zug. Paradebeispiel für die Nutzung der neuen Technologie sind Webmail-Dienste wie ZB Gmail von Google, die schnell und komfortabel wie ein E-Mail Client am Computer bedient werden können. Auch immer mehr Online-Shops wie ZB jener von Apple nutzen Ajax zum automatischen Aktualisieren des Warenkorbs bzw. für Berechnungen von Preisen und Lieferzeiten. Die Social Foto-Sharing Plattform Flickr wiederum setzt sie zur einfachen Einfügung von Kommentaren in Fotos ein. Immer mehr Unternehmen verwenden Ajax aber auch für einfache Verbesserungen der Web-Funktionalitäten. Die Wiener Web-Company wollzelle*) etwa hat für die Casinos Austria International einen weltweiten Filial-Fragebogen auf Basis von Ajax gestaltet. „Man hat es zuvor mit allen möglichen Varianten probiert, von Word über Excel bis hin zu einer Web-Version im Vorjahr – mit mäßigem Erfolg“, so wollzelle-Gründer Thomas Pamminger. Heuer wurde der Fragebogen für die weltweiten Niederlassungen auf Basis von Ajax entwickelt. Man baute User-freundliche Erweiterungen wie automatisch aufklappende Zusatz-Menüs und Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung der Daten ein. Das Ergebnis: „Die User haben das Angebot heuer hervorragend aufgenommen“, so Pamminger.

FÜLLE VON MÖGLICHKEITEN
Grundsätzliche Möglichkeiten durch Ajax sind etwa Teil-Aktualisierungen der Seite ohne vollständiges Neuladen, oder leistungsstarke Steuerelemente. So können ZB schon während des Tippens Ergebnisse eingeblendet werden, oder nach einer erfolglosen Suche im Hintergrund automatisch weitere Suchen ausgeführt werden. Die serverseitige Validierung von Formulardaten kann direkt bei der Eingabe erfolgen, was ZB ein Autocompleting ermöglicht. Listen- oder Formular-Elemente können ein- oder ausgeblendet werden, was wieder ein Nachladen von Listen-Ergebnissen erst beim Scrollen ermöglicht. Der Web-Besucher hat so immer nur den Inhalt einer einzigen Seite vor sich. Auch Drag & Drop-Funktionen, die Anzeige von Upload-Ergebnissen, Slider, Inplace-Editoren, bzw. einfache Umgehung von Browser-Bugs werden durch Ajax möglich. Lediglich eines hat sich noch nicht vollständig ergeben: die Ajax-Symbolik im Webbrowser. Eingebürgert haben sich etwa animierte Grafiken, die anzeigen, dass gerade eine Anfrage läuft. Aber auch animierte Balken und ähnliches werden derzeit noch verwendet.


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