
Kommentar: Die endlose Vista-Verschiebung
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| verfasst von: Roland Kissling | 2|6|2006 | |
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| Microsoft wird also auch den zum fünften Mal verschobenen Starttermin von Vista (Home-Versionen) im Jänner 2007 nicht halten können. Aber was sind diesmal schon einige Wochen - gegen einige Jahre spannender Ankündigungen, Rückzieher und fliegender Schweine? |
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Gartner dürfte recht behalten: Die Marktforscher prophezeiten bereits vor Jahren eine dramatische Verschiebung von Vista, zuletzt schätzten sie die grundsätzliche Verfügbarkeit auf das zweite Quartal 2007. Nun hat Microsoft-Chef Steve Ballmer erneut eine mögliche Verspätung der Consumer-Varianten angedeutet. Es könne "durchaus sein, dass es noch ein wenig später werde", meinte Ballmer bei einer Presseveranstaltung in Tokio. Diesmal hänge die Verschiebung vom Feedback der Beta-Tester und den Planungen der Hardware-Hersteller ab. Offensichtlich will man Vista lieber mit der neuen, stärkeren Rechner-Generation ausliefern als mit der Ausschussware von Weihnachten. Aber was sind schon ein paar Wochen gegen ein paar Jahre? Ursprünglich im Herbst 2001 für das Jahr 2003 (!) angekündigt, verschob man den Starttermin des XP-Nachfolgers von Jahr zu Jahr nach hinten – immer unter Berufung auf "bedeutende weitere Verbesserungen". Neues Filesystem WinFS, Avalon, Indigo, 64Bit Unterstützung, besserer Virenschutz, NGSCB-Technik (Next Generation Secure Computing Base, Ex-"Palladium"), automatische Updates, XML-Seitenbeschreibungssprache "Metro" und RSS-Unterstützung, Identity-Management "InfoCard", neue User-Interfaces für Multimedia-Anwendungen, Rechte-Management, Mobility Center: die Liste der zusätzlichen Funktionalitäten – die zum Teil schon vorher kamen, zum Teil abgeblasen wurden – ist schier endlos. Die ununterbrochene Verschiebung von Vista und WinFS muss insbesondere Chief-Architekt Bill Gates zur Verzweiflung getrieben haben, der jahrelang für die Verschiebung als Frontman geradestehen musste und zuletzt den Sommer 2006 immer wieder verteidigte. Erzkonkurrent Apple staubte Microsoft mit seinem Vista-Konkurrenzprodukt MacOS X "Tiger" nahezu um zwei Jahre. Das Waterloo war im Juli 2004. Damals brachte der verantwortliche Windows-Manager Jim Allchin mit seinem mittlerweile berühmten Satz: "Es wird nicht funktionieren" die Geschäftsleitung fast zum Verzweifeln. Kernpunkt des Dramas war zum einen das Dateisystem WinFS, über dessen Komplexität bereits Witze in Büros kursierten ("Wie bringen wir das Schwein noch zum Fliegen?"). Zum anderen aber wurde zu diesem Zeitpunkt auch erkennbar, dass die bisherige Arbeitsweise in eine Sackgasse geführt hatte. Das übliche Vorgehen, wonach Tausende von Programmierern sich die Arbeit teilen und ihre Entwicklungsergebnisse später zu einem stimmigen Bild zusammenfügen, funktioniere in dieser Dimension nicht mehr, so Allchin. Dies führte laut dem Wall Street Journal letztlich zu einem Paradigmenwechsel in der Microsoft-Entwicklung: Windows soll künftig als stabiles, funktional schlankes Kernsystem entwickelt werden, für das ständig neue Features angeboten werden. Na dann hoffen wir, dass dieses Kernsystem doch bald auch für Normal-Sterbliche auf den Markt kommt. |
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