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Mit RFID auf Beutesuche


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verfasst von: Oliver Weiss  24|7|2006

 
 
"Die Industrie macht sich keine Gedanken darüber, ob via RFID-Tags in die Privatsphäre eingedrungen werden kann. Zudem plant die Europäische Zentralbank, Banknoten mit diesen Chips zu versehen", kritisiert der Forscher und RFID-Kritiker Andrew Tanenbaum. Somit könnten Kriminelle mit dieser Technik auf Beutesuche gehen.

 

© Archiv

Der Wissenschaftler und bekennender RFID-Kritiker Andrew Tanenbaum von der Freien Universität Amsterdam hat im Rahmen eines Projektes mit seinen Studenten ein Anti-RFID-Gerät entwickelt. Der RFID-Guardian, wie das Gerät genannt wurde, überwacht das Umfeld des Benutzers und warnt, wenn jemand in der Nähe versucht RFID-Chips auszulesen. Die erklärte Intention des Projekts ist es, Menschen vor einer Technologie zu schützen, die zwar weltweit immer höhere Akzeptanz findet, jedoch das Potenzial besitzt, den Anspruch von Konsumenten auf Datenschutz zu kompromitieren.

"Der RFID-Guardian ist ein PDA-großes Gerät, das piepst, sobald ein aktiver RFID-Scanner in der Nähe gefunden wird", erklärt Tanenbaum. "Die Industrie macht sich keine Gedanken darüber, ob via RFID-Tags in die Privatsphäre eingedrungen werden kann. Zudem plant die Europäische Zentralbank, Banknoten mit diesen Chips zu versehen", kritisiert der Forscher. Somit könnten Kriminelle mit dieser Technik auf Beutesuche gehen. "Der Verbrecher geht die Straße entlang, sucht mit seinem RFID-Scanner nach prall gefüllte Geldbörsen und entscheidet sich dann für das lohnenste Ziel", wettert Tanenbaum.

Obwohl RFID-Tags nur geringe Datenmengen speichern können, ist es Tanenbaum kürzlich gelungen einen Virus zu entwickeln, der über diese Chips eine Bedrohung für Server und Netzwerke darstellen kann. Vor allem Schadprogramme aus der Computerwelt, die einzelne Server durch eine Flut von Anfragen in die Knie zwingen, könnten auch RFID-Chips gefährlich werden, hieß es. RFID-Phishing sei ebenfalls möglich.

In den kommenden Monaten wollen die Wissenschaftler das Anti-RFID-Gerät noch weiterentwickeln. Die Pläne sehen vor, dass die bislang noch auftretenden Fehler beseitigt werden und die Verbindung zwischen dem RFID-Guardian und den aufgespürten Scannern gesichert wird. In einigen Monaten soll das Gerät dann für einen kommerziellen Einsatz fit sein, hoffen die Entwickler.

Tanenbaum ist jedoch nicht der einzige, der sich dem Schutz vor den Spychips, so die Bezeichnung der Kritiker, verschrieben hat. Das US-Unternehmen RSA Security führt einen RFID-Blocker im Programm, der das Lesegerät "verwirren" soll. Das deutsche Unternehmen Livewire hat vor wenigen Monaten eine Spezialschutzhülle entwickelt, die Datendiebstahlsicherheit für den Reisepass mit integriertem RFID-Chip bieten soll. Diese Hülle besteht aus einer in Kunststoff laminierten Aluminiumlegierung und unterbindet, dass der RFID-Chip Daten senden kann. "Die Hülle packt das Problem an der Wurzel, und verhindert, dass Unberechtigte an die gespeicherten Daten kommen können", erklärte Livewire-Pressesprecher Stefan Horvath damals.

Auch die EU-Kommission macht sich rund um das Thema RFID Sorgen: EU-Kommissarin Viviane Reding will die Auswirkungen der RFID-Technik auf den Datenschutz überprüfen. Sollte sich dabei herausstellen, dass die EU-Mitgliedsstaaten im Zusammenhang mit RFID den Schutz persönlicher Daten zu lax handhaben, könnte die EU am Ende regulierend eingreifen. Eine Regulierung zum Wohle der Bürger droht der allzu Datensammlungs-wütigen Industrie dann womöglich ab 2007. (pte/oli)






 




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