
Kommentar: Wikipedia im Projektrausch
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| verfasst von: Roland Kissling | 31|10|2006 | |
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| Gründer Jimmy Wales bangt Jahr für Jahr um das Überleben seiner Wikipedia. Dennoch fragt er derzeit die User-Gemeinde, was sie mit 100 Mio. Dollar machen würde. Ein wenig mehr Stabilität und ein ernsthaftes Geschäftsmodell würden dem Projekt wohl gut zu Gesichte stehen. |
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Wikipedia ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte: 214.000 angemeldete Benutzer, eine riesige Anzahl anonymer Mitarbeiter und mehr als 7.000 Autoren allein im deutschsprachigen Bereich haben sie seit ihrer Gründung im Jänner 2001 zur umfangreichsten Sammlung originär freier Inhalte gemacht. Doch gleichzeitig kann sich das Portal nur schwer von seinem Jux-Image befreien. Eine Vielzahl immer neuer Content-Projekte, Schwierigkeiten bei der Finanzierung und interne Streitigkeiten seit dem Beginn sorgen seit Jahren für Schlagzeilen. Nun hat Gründer Jimmy Wales wieder einmal nachgelegt und fragt derzeit seine User-Gemeinde im Namen eines unbekannten Finanziers, was sie mit 100 Mio. Dollar machen würde. Der Plan lautet, geschützte Inhalte zu kaufen und sie den Nutzern der Enzyklopädie kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dies würde dem Pionier-Projekt eine neue Dimension hinzufügen: eine Art „Rotes Kreuz“ für gefährdeten, weil unfreien Content: Ein Freikaufen geschützter Werke und Informationen. Der Vorschlag kommt nicht lange nach einem Gespräch mit dem windigen Internet-Pionier Jason Calacanis, in welchem dieser vorgeschlagen hat, eine Anzeige im Leaderboard-Format (728x90) auf Wikipedia zu postieren. Via AOL als Vermarkter könnten nicht nur 100 Mio. Dollar pro Jahr lukriert werden, sondern auch immense Kosten für Hosting eingespart werden. Laut dem Blog von Calacanis habe Wales Werbeanzeigen bei Wikipedia nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Tatsächlich verschlingt der Betrieb der Online-Enzyklopädie in ihren drei Serverzentren jährlich einen siebenstelligen Dollar-Betrag – bislang rein Spenden-finanziert. Ständig neue Sprach-Versionen und Projekte wie ZB die Wikinews oder die Online-Universität Wikiversity folgen im Monatstakt. Auch über Veränderungen im System selbst wird immer wieder laut nachgedacht. Zuletzt kündigte man an, vom reinen Wiki-Prinzip abzugehen und stabile Artikel-Versionen zu schaffen, um Missbrauch auszuschließen - doch auch um diese Ankündigung wurde es wieder ruhig. Nur auf der deutschen Plattform, und ab Ende des Jahres soll getestet werden. Nun, vielleicht sind all die vielen Ankündigungen, Projekte und Streitereien tatsächlich ganz „normale“ Begleiterscheinungen eines Open Source (Content) Projekts. Tatsache aber ist, dass ein wenig mehr Stabilität und ein ernsthaftes Geschäftsmodell dem Projekt wohl gut zu Gesichte stehen würden. Für die User, die Autoren und vor allem für die Werbewirtschaft, welche die tollen Ideen von Wales nur zu gerne finanzieren würde. |
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