
Digitales TV startet schwach
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| verfasst von: Roland Kissling | 16|1|2007 | |
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| Die ersten 100.000 Anmeldungen wollte man fördern – aber nur 35.000 Österreicher holten sich tatsächlich ihren Gutschein für das digitale Antennen-TV. Nun drängt die Zeit: ab März werden die ersten herkömmlichen TV-Sender abgeschaltet. |
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Bis gestern, Montag, konnte jeder ORF-Gebührenzahler eine geförderte DVB-T-Box beziehen – aber nur 35.000 Österreicher holten sich tatsächlich ihren Gutschein für das digitale Antennen-TV. Und das, obwohl man den ursprünglichen Betrag von 30 bereits auf 40 Euro erhöht hatte. Als Grund für die Umstellungs-Müdigkeit sehen Experten fehlenden Zusatznutzen und den zu hohen Preis. Gefördert werden nämlich nur die teuren MHP-fähigen Boxen für die neueste Teletext-Technologie. IMPULSGEBER Bei der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR) ist man mit der Gutschein-Aktion dennoch nicht unzufrieden. "Uns ging es nicht um ein quantitatives Ziel, sondern darum, dass das Henne-Ei-Problem gelöst wird", so Sebastian Loudon, Pressesprecher der RTR, im Gespräch mit pressetext. Die Industrie wollte nämlich mit der großflächigen Produktion von DVB-T-Boxen noch abwarten, bis die TV-Sender mit dem digitalen Programm starten. Die TV-Sender sahen jedoch so lange keine Veranlassung auf die digitale Ausstrahlung umzustellen, so lange keine DVB-T-Boxen am Markt sind. Ins selbe Hörn stößt Michael Wagenhofer, kaufmännischer Geschäftsführer der ORF-Tochter ORS, welche für die Umstellung verantwortlich zeichnet: "Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis der Gutschein-Aktion (…) Das Ziel, dem Markt für mhp-fähige Boxen in Österreich Starthilfe zu geben, wurde erreicht“. RECEIVER: TEURER STROMFRESSER In jedem Fall ist zum Empfang der digitalen TV-Programme ein spezieller Receiver nötig, der an das TV-Gerät angeschlossen wird. Dieser schlägt mit Kosten zwischen 40 und 140 Euro zu buche – laut Schätzungen wird sich jeder Haushalt im Schnitt zwei dieser Boxen anlegen. Die Kosten der Zwangsumstellung beschränken sich aber nicht nur auf die Boxen - wo keine Scart-Buchse vorhanden ist, muss entweder ein Receiver mit Antennenausgang oder ein ganz neuer Fernseher angeschafft werden. Auch andere Kosten fallen an: Die Bundesinnung der Kommunikationselektroniker hat herausgefunden, dass jede Box bei normalen Fernsehgewohnheiten bis zu 107 kWh im Jahr verbraucht, was bei zwei Boxen pro Haushalt die Stromrechnung um rund 26 Euro pro Jahr erhöhen würde. Zehn Wochen nach dem DVB-T Startschuss sind rund 100.000 DVB-T Endgeräte im Einsatz: von DVB-T Boxen über TV-Geräte mit integriertem DVB-T Tuner bis hin zu Steckkarten und DVB-T USB-Sticks für den TV-Empfang am Computer. Im Moment sind sieben verschiedene DVB-T Endgeräte, die den Empfang von mhp MultiText ermöglichen im Handel – allerdings nur eine mit der angepriesenen Rückkanal-Funktion. VORTEILE VON DIGITAL-TV ÜBERZEUGEND? Neben der besseren Bildqualität soll mit digitalem TV ja auch ein Rückkanal für Spiele, Votings und TV-Communities möglich werden. Generelle Vorteile der Technik: Mehr Sender im Spektrum, besseres Bild mit 576 x 720 Pixel, besserer Ton und multimediale Zusatzdienste wie ZB eine elektronische Programmzeitschrift, oder das neue Teletext („Multitext“). Experten sprechen bereits von einer neuen Ära und einem Umkrempeln der Medienlandschaft. Ob sich allerdings auch Herr und Frau Österreicher von den Vorteilen so einfach überzeugen lassen, bleibt abzuwarten und kann nach dem schwachen Ergebnis der DVB-T Kampagne durchaus bezweifelt werden. Und die Zeit bis zur Umstellung drängt: Ab März 2007 wird es für viele Haushalte beginnend mit dem Westen Österreichs ernst. Die Analog-Übertragung von Bregenz-Pfänder und Innsbruck-Patscherkofel wird am 5. März enden. Danach folgen Salzburg-Gaisberg und die Sendeanlagen Viktring und Dobratsch in Kärnten bereits am 19. März. In Graz erfolgt die Umstellung am 23. April, in Linz am 7. Mai. Am 11. Juni werden schlussendlich auch die Sendeanlagen in St. Pölten sowie in Wien umgestellt. Danach bleibt der analoge Bildschirm finster. Nach bisherigen Schätzungen werden zudem etwa fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung durch ihre geografische Position überhaupt keine Anbindung an das neue Übertragungssystem haben. HARTE KONKURRENZ FÜR DVB-T Die Sender haben den digitalen Betrieb mittlerweile aufgenommen. ORF 1, ORF 2 und ATV versorgen in Wien und den Landeshauptstädten bereits etwa 70 Prozent der Bevölkerung mit DVB-T Signalen. Bis Ende 2008 sollen dann rund 90 Prozent aller Haushalte DVB-T empfangen können. 2010 sollen es dann 95 Prozent sein, was der heutigen Reichweite des analogen TV entspricht. Ob die Attraktivität von DVB-T angesichts des breit gefächerten Angebots an digitalem Kabel- bzw. Satelliten-TV ausreicht, um die rund 1,4 Mio. potentieller User analoger terrestrischer bzw. Satelliten-Technologie zum Umstieg zu überzeugen, wird weithin bezweifelt. Bis dahin dürfte es dann als zusätzliches Angebot auch schon zahlreiche IP-TV Angebote auf Basis von ADSL2 geben. Zudem kam eine neue Studie über die Fernseh-Gewohnheiten in Haushalten mit Digital-TV zu einem überraschende Ergebnis: Statt durchschnittlich 230 Minuten pro Tag wird in Digital-Haushalten nur noch 130 Minuten ferngesehen. Eine Katastrophe für Rundfunkanbieter und Werbeindustrie, die sich von der Umstellung noch mehr Nutzungs-Intensität erwartet hatten. (pte/kiss) |
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