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Daniel Marwan, ePunkt: "Für all jene, die jammern wie arm wir nicht sind: 2009 wird ein exzellentes Jahr!!


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verfasst von: Michaela Holy/Rudolf Felser  11|2|2009

 
 
ePunkt-Chef Daniel Marwan spricht über mangelnde Flexibilität und Fachkräftemangel.

 

© ePunkt

In Linz begonnen, hat der Personaldienstleister ePunkt zusätzliche Standorte in Graz und Wien errichtet. Daniel Marwan, Geschäftsführer der Wiener Niederlassung, spricht über mangelnde Flexibilität und Fachkräftemangel.

Computerwelt: Warum haben Sie die Niederlassung in Wien gegründet?
Daniel Marwan: In erster Linie war es der Ehrgeiz des Wachstums.

Wieso sind Sie an eine so prominente Adresse wie die Kärntnerstrasse übersiedelt?
Es gibt drei Gründe. Wir haben viele Besuche von Kandidaten und Kunden, da ist es gut, wenn der Standort nicht erklärungsbedürftig ist. Außerdem ist Personalberatung ein sehr vertrauenswichtiges Geschäftsfeld – es geht um persönliche Daten, man gibt viel von sich preis. Der Standort ist ein Signal dafür, dass wir eine seriöse Firma sind, die etabliert ist. Der dritte Grund, der wichtig ist: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, der attraktivste Arbeitgeber der Branche zu werden und haben dazu viel getan. Dazu gehört auch, dass wir den Mitarbeitern ein angenehmes Arbeitsumfeld ermöglichen. Das ist in einer zentralen Innenstadtlage besser gegeben, als wenn man irgendwo in der Peripherie sitzt.

Wie möchten Sie bester Arbeitgeber werden? Machen Sie bei Great Place to Work mit?
Nein, wir haben nicht genug Mitarbeiter. Bei Kununu aber sind wir schon der attraktivste Arbeitgeber in der Personalberatungsbranche. Wir haben eine hohe interne Mitarbeiterzufriedenheit, eine geringe Fluktuation für die Branche, und wir tun auch sehr viel, damit die Leute sich wohl fühlen. Personalberatung ist ein People Business, wie in jedem Dienstleistungsgeschäft sitzt der wesentliche Mehrwert in den Köpfen der Mitarbeiter.

Stichwort Kununu: Wie wichtig sind Arbeitgeberbewertungstools?
Es ist für uns ein wichtiger Indikator, um uns selbst zu benchmarken. Bei Kandidaten wird es vereinzelt eine Rolle spielen, ist aber noch zu wenig bekannt. Momentan findet man viele Unternehmen gar nicht, oder sie haben zu wenig Bewertungen. Das ist nicht repräsentativ.

Welche Services bietet ePunkt an?
Arbeitgeberseitig bieten wir die klassische Personalberatung: Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften in den Bereichen IT, kaufmännische und technische Positionen, das ist unser Kernbereich. Darüber hinaus ist unser zweiter Geschäftsbereich die ePunkt IT-Consulting, wo wir unseren Kunden Projektressourcen im IT-Bereich zur Verfügung stellen. Gerade hier ist es spannend, weil Projektarbeit sehr verbreitet ist und es nicht die Probleme gibt, die es klassisch in der Zeitarbeit gibt, nämlich dass Stellen wegfallen – im Gegenteil. Viele IT-Projekte sind auf zeitliche Befristung ausgelegt, ein Unternehmen benötigt für eine bestimmte Zeit bestimmtes Know-how und danach nicht mehr. Wir können im Vergleich zu allen anderen Anbietern in der Branche den Benefit anbieten, auf einen Pool von 55.000 Spezialisten zugreifen zu können und innerhalb kürzester Zeit unsere Riesen-Recruiting-Maschinerie anwerfen und so Positionen besetzen zu können, an denen sich andere die Zähne ausbeißen. Unser dritter Geschäftsbereich, der stark zugenommen hat: Wir verkaufen und vermieten E-Recruiting-Lösungen. Wir haben für uns eine wirklich gute Lösung entwickelt und erkannt, dass wir im Vergleich zu Standardprodukten große Wettbewerbsvorteile haben: Im Gegensatz zu klassischen Lösungen, die von IT-Unternehmen entwickelt wurden, wurde unsere Lösung von Personalern entwickelt. Sie bildet die Denkweise eines Recruiters besser ab.

Wie wird der E-Recruiter eingesetzt?
Fast alle Unternehmen, die Personalberater beauftragen, rekrutieren auch selbst Mitarbeiter. Was der E-Recruiter gut kann: Er kann jeden beliebigen Recruiting-Workflow abbilden. Wir sehen uns den Recruiting-Prozess im Unternehmen an, sprechen mit dem Kunden über einen etwaigen Sollprozess, bilden ihn binnen zwei Tagen in unserer Software ab und können dem Kunden eine maßgeschneiderte Lösung zur Verfügung stellen, die zwei Drittel Administrationsaufwand im Recruiting erspart und gleichzeitig hilft, eine eigene Bewerberdatenbank aufzubauen. Auch die Reportingmöglichkeiten sind gut einsetzbar für Marketingcontrolling im Personalmarketing.

Stichwort IT-Fachkräftemangel.
Meine Wahrnehmung ist, dass der Bedarf nach IT-Spezialisten etwas nachgelassen hat, im Vergleich zu 2008 aber immer noch gut gegeben ist. Das ist aus meiner Sicht eine gute Korrektur, eine Überhitzung mit nach wie vor guter Nachfrage. Fachkräftemangel ist immer ein Schlagwort. Aus meiner Sicht hat eine Spezialisierung oder Segmentierung des Marktes stark zugenommen, was dazu führt, dass Unternehmen sehr spezifische Anforderungen haben. Diese Anforderungen decken nur einen kleinen Teil des Arbeitsmarktes ab, auf der anderen Seite haben Jobsuchende aber auch ganz spezifische Vorstellungen, was sie machen möchten. Und das passt oft nicht zusammen. Ich orte eine mangelnde Flexibilität auf beiden Seiten.

Wie sieht es mit der örtlichen Flexibilität der österreichischen Bewerber aus?
Sehr schlecht. Wobei Flexibilität ein großes Thema ist, vor allem, wenn die Anforderungen so spezifisch sind, dass es weniger Leute gibt, die mit höherer Wahrscheinlichkeit weit weg sind. Die Flexibilität nehme ich als sehr gering wahr, allerdings – je höher es in Management-Positionen geht, desto höher ist auch die Flexibilität. Die Flexibilität weit zu pendeln ist gering und die umzuziehen kaum gegeben. Ich glaube das wird sich nicht ändern. Wobei ich das nicht unbedingt negativ sehe – es ist
Verwurzeltsein, das in vielen Bereichen positive Komponenten hat, in anderen Bereichen wie zum Beispiel im Arbeitsmarkt, negative Komponenten hat; aber man darf den Arbeitsmarkt nicht über alles stellen.

Werden im IT-Bereich bevorzugt Männer oder Frauen rekrutiert?
Meine Erfahrung ist, dass lieber Frauen rekrutiert werden. In der Branche gibt es wahrscheinlich 90 Prozent oder mehr Männer, und viele Unternehmen streben nach einem ausgeglicheren Verhältnis. Natürlich zählt vordergründig die Qualifikation. Aber das große Manko an Frauen in der Branche würden viele Unternehmen gerne kompensieren. Ich sehe auch in der IT-Branche keine Gehaltsdiskrepanz. Ob es dann vielleicht schwieriger für Frauen ist, sich in einem Team mit zehn Männern zu behaupten, ist fraglich.

Wie sehen Sie das heurige Jahr?
2008 war das erfolgreichste Jahr in unserer Unternehmensgeschichte, wir konnten unseren Umsatz um 70 Prozent steigern. Wir erwarten auch heuer deutliche Umsatzzuwächse von etwa 40 bis 50 Prozent. Damit möchte ich all jenen entgegnen, die jammern, wie arm wir nicht sind: Ich glaube, 2009 wird ein exzellentes Jahr. Ein herausforderndes, aber es wird mehr Chancen geben als in jedem Jahr zuvor, seit ich Unternehmer bin, und darum freue ich mich darauf.

Das Gespräch führte Rudolf N. Felser.






 




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