
Green IT: Heterogene Interessen treiben einen neuen Markt
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| verfasst von: Bernd Kosch* | 2|7|2009 | |
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| Diskussionen über Green IT können komplex sein, denn das Thema hat sehr unterschiedliche Facetten. |
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Diskussionen über Green IT können komplex sein, denn das Thema hat sehr unterschiedliche Facetten:
Der erste Themenkreis umfasst die traditionelle Umweltdiskussion für Elektronik und hat keinen direkten Bezug zu speziellen IT-Aspekten. Es geht um Fragen wie Vermeidung krebserregender Chemikalien, Einsatz alternativer Werkstoffe, Recycling, Verlängerung der Standzeiten und ähnliches. Im Durchschnitt hat jeder in 2008 verschrottete PC während seines Bestehens 14,2 m3 Trinkwasser, 53 kg Rohöl (oder Äquivalent) und eine große Zahl teilweise gefährlicher Chemikalien, z.B. brominierte Flammenhemmer (BFR), verbraucht. Im Einsatz sind heute mehr als eine Milliarde PCs, das Erreichen der nächsten Milliarde ist absehbar. Der zweite Themenkreis bildet den Kern der eigentlichen Green-IT-Diskussion angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel. IT hat einen Anteil von etwa 2 Prozent am weltweiten Energieverbrauch und liegt damit in der Größenordnung des Luftverkehrs. Diese Energie wird in Form von Strom durch eine große Zahl durchschnittlich schwach ausgelasteter Endgeräte sowie durch Server und Speichersysteme in grossen Rechenzentren verbraucht. In den "Mega-Datacenters" des Cloud-Zeitalters sind 5-stellige Serverzahlen eine Standardgröße. 20.000 Dual-CPU Rackserver mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 400 W summieren sich auf einen Energiebedarf von 8 MW. Zusammen mit anderen Systemen, insbesondere Storage, ergeben sich leicht 10 MW, und dies ist nur der direkte Strombedarf für die IT selbst. Namhafte Studien zeigen, dass das Verhältnis vom Gesamtenergieverbrauch, inklusive Stromverteilung und Kühlung, zu der Energie für IT-Systeme in heutigen Rechenzentren etwa 2 bis 2,5 beträgt. Damit benötigt ein solches Rechenzentrum über 20 MW. Eine derartige Leistung überhaupt bereitzustellen, ist an vielen Orten unmöglich, und bei 10 Cent/kWh beträgt die jährliche Stromrechnung mehr als 17,5 Mio. Euro. Green-IT-Konzepte richten sich also nicht nur auf die Lösung von Umweltproblemen sondern auch auf die Lösung handfester Kostenprobleme. Server verursachen heute mehr Energie- als Investitionskosten, und ältere Systeme müssten bei Gesamtkostenbetrachtung sofort abgeschaltet und ausgetauscht werden. Der dritte Themenkreis gewinnt erst jetzt an Beachtung und ist in der Diskussion im Markt noch weitgehend unbekannt. Statt alle Anstrengungen auf die Reduktion der 2 Prozent des weltweiten Ergieverbrauchs zu fokussieren, die auf IT entfallen, stellt sich die Frage, welchen Beitrag IT zur Reduktion der anderen 98 Prozent leisten kann. Seriöse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass durch den Einsatz moderner IT- und Kommunikationstechnik bis zu 15 Prozent des heutigen Energiebedarfs durch ca. 3 Prozent zusätzliche IT-bezogene Energie substituiert werden können. Es besteht demzufolge das Potential, 12 Prozent des Nettoverbrauchs durch IT zu eliminieren. Schwerpunktbereiche mit Sparpotential dieser Art sind Transport/Logistik, Energieverteilung, Gebäudetechnik, Telepräsenz und andere Formen von Dematerialisierung durch Simulation und virtuelle Realität. HETEROGENE INTERESSEN Viele Märkte haben über die Gruppe der Anbieter und Abnehmer hinausgehend weitere Beteiligte, die ganz andere Ziele verfolgen, deren Aktionen jedoch mit dem direkten Marktgeschehen in Wechselwirkung stehen. Dieses Phänomen ist im Geschäft mit Green IT stark ausgeprägt.
Hardware- und Systemhersteller konkurrieren durch Wertschöpfung in Energieeffizienz und in Energiereduktion durch Management. Aufgrund der noch unzureichenden Skalierung zwischen Systemleistung und Energieverbrauch hat auch Virtualisierung einen Effizienzeffekt, der langfristig schwindet und sich in der neuesten Prozessorgeneration gerade halbiert. Berater und Integratoren unterschiedlicher Art finden Geschäftspotentiale durch Klärung individueller Probleme und durch Implementation von Lösungen, solange diese noch nicht standardisiert sind.
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