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Eine zentrale Middleware-Komponente bündelt die Kommunikation mit allen angeschlossenen Fremdsystemen


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verfasst von: Oliver Weiss  23|9|2009

 
 
Der Pharmagroßhändler Herba Chemosan setzt zur Steuerung seiner Geschäftsprozessen ganzheitlich auf SAP-Standards.

 

© © Fotolia.com/Daniel Fuhr

Die Herba Chemosan Apotheker AG ist einer der führenden Pharmagroßhändler und –dienstleister in Österreich. Über ein dichtes und dynamisches Logistiknetzwerk beliefert das Unternehmen mehrmals täglich über tausend heimische Apotheken, Ärzte und Krankenanstalten mit Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten. Nahezu jedes zweite Medikament, das in einer österreichischen Apotheke abgegeben wird, stammt aus einem der Logistikzentren von Herba Chemosan. Mit einem Marktanteil von 48 Prozent ist Herba Chemosan in Österreich Branchenführer in der Pharmadistribution.
Die moderne Pharmalogistik ist eine Branche, die sich höchsten Qualitätsstandards verschrieben hat. Wachsende Anforderungen an Lieferzeiten, Lieferfähigkeit und Qualitätskontrolle fordern schnelle Betriebsabläufe und optimierte Arbeitsprozesse. Für eine reibungslose Logistik ist eine leistungsfähige EDV-Landschaft zur optimalen Steuerung von Informations- und Warenflüssen zwingend notwendig. Insbesondere der umfangreiche Informations- und Datenaustausch mit Kunden, Partnern und Lieferanten stellt hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Erweiterbarkeit interner wie externer Schnittstellen.

NUR LAGERVERWALTUNG BLEIBT AM LEGACY-HOST
Bislang verwendete Herba Chemosan eine Individualsoftwareentwicklung am Host-Mainframe für die Lagerverwaltung und sämtliche ERP-Funktionalitäten. Um die Prozessabläufe durch einheitliche SAP Business Standards zu harmonisieren, wurden im Zuge des Projekts die ERP-Prozesse nahezu ganzheitlich in die SAP-Landschaft migriert und durch dementsprechende SAP-Komponenten ersetzt. Lediglich das Warehouse Management, die Bestandsführung sowie die Herba-Chemosan-spezifischen Rabatte und Konditionen verbleiben aufgrund besonderer Anforderungen am Legacy-Host. Die Auslagerung der Funktionalitäten auf SAP bei gleichzeitigem Verbleib der Lagerverwaltung am Host wurde durch ein dezentrales Warehouse-Management-Szenario gelöst.

Der heimische SAP-Spezialist SNAP Consulting übernahm das Design der Schnittstellen zwischen SAP ERP und dem Host-System. Technisch erfolgte die Umsetzung mittels SAP Exchange Infrastructure (XI/PI – ab Release 7.0: SAP NetWeaver Process Integration), der SAP-Middleware-Lösung für den Datenaustausch zwischen SAP- und Fremdsystemen. Durch die Verwendung offener Businessstandards bietet die XI/PI langfristige Wartungssicherheit und überzeugt durch Stabilität und Performance. Als zentrale Middleware eingesetzt, ermöglicht die XI/PI die Bündelung aller internen und externen Systemschnittstellen in einer einzigen Steuerungskomponente mit vielen umfangreichen Monitoring-Funktionen.

Durch die Migration der ERP-Funktionalität aus dem Host-System in SAP müssen sämtliche Warenbewegungen (zum Beispiel An- und Auslieferungen) über die XI/PI zwischen Host und ERP-System kommuniziert werden. Zu diesem Zweck schickt das SAP-Backend Buchungsinformationen an die XI/PI, diese übersetzt die Transaktionsdaten in das Format des Lagermanagementsystems und übergibt sie dem Host. Am Legacy-Host wird dann der tatsächliche Lagerprozess vollzogen (beispielsweise Ware disponiert) und es werden Rückmeldungen zu An- und Auslieferungen sowie zu Sonderbuchungen via XI/PI zurück an das Backend geschickt. Gleiches gilt auch für die Tourenplanung: Touren werden jetzt fix im ERP-System geplant und via XI/PI an den Host übertragen.

ANBINDUNG ZAHLREICHER FREMDSYSTEME
Den umgekehrten Weg nehmen die Konditionen: Die Herba-Chemosan-spezifische Konditions- und Rabattberechnung erfolgt ebenfalls weiterhin am Host. Die XI/PI ruft daher Konditionen aus der Legacy-Datenbank ab und überträgt sie ans ERP-System. Darüber hinaus ermöglicht die XI/PI natürlich auch die Anbindung aller Schnittstellen zu Fremdsystemen. Nebst diverser synchroner Nebenschnittstellen sind insbesondere die Datacare-Schnittstelle, die Anbindung der B2B-Partner via EDIFACT sowie das Interface zum Gehe Point von zentraler Bedeutung.

Datacare wurde im Jahr 1998 als IT-Dienstleistungsunternehmen auf Initiative des österreichischen Pharmagroßhandels gegründet. Gründungsidee war die Schaffung eines österreichweiten gemeinsamen Artikelstamms für den vollsortierten Pharmagroßhandel und dessen Kunden. Datacare führt und pflegt eine zentrale Datenbank mit allen in Österreich über den vollsortierten Pharmagroßhandel vertriebenen Produkten (derzeit ca. 165.000 Artikel), bestehend aus den eigentlichen Artikelstammdaten sowie einer Reihe zusätzlicher Datenbestände wie Suchtmitteldaten oder Gefahrgutdaten. In Ergänzung zur Datenpflege beschäftigt sich Datacare mit der Schaffung, Wartung und Bereitstellung von Datenfernübertragungsstandards zum Datenaustausch zwischen dem vollsortierten Pharmagroßhandel und dessen Kunden bzw. Lieferanten. Gehe Point ist eine Bestell- und Serviceplattform für Apotheken in Deutschland und damit quasi das deutsche Pendant zu Datacare.

TECHNISCHE UMSETZUNG
Das Team von SNAP Consulting übernahm die Implementierung der Middleware-Komponente Exchange Infrastructure in der Version 3.0 unter AIX inklusive dezentraler Adapter-Engine. Die XI 3.0 wurde mit einem Test- und einem Produktivsystem aufgesetzt und mithilfe des Seeburger Adapters um branchenspezifische Inhalte und Kommunikationskomponenten erweitert. Die Kommunikation mit SAP ERP erfolgt über IDocs, RFC und ABAP-Proxies, der Datenaustausch mit der Lagerverwaltung des Host-Systems geschieht File-basiert (inbound) beziehungsweise über Datenbankzugriff (outbound). Im dezentralen Warehouse-Szenario werden Informationen zu Aus- und Anlieferungen per IDoc aus dem Backend an die XI/PI gesendet, dort in Form von Flatfiles für das Host-System aufbereitet und über klassische Fileschnittstellen an das Lagermanagementsystem des Hosts übergeben. Die Rückmeldungen der Ein- und Ausgänge sowie sämtliche Sonderbuchungen (bei Bruch, laufender Inventur oder Änderung der Dispositionsmengen) werden vom Host in die interne Datenbank geschrieben, von der XI/PI durch JDBC-Polling aktiv abgerufen und per IDoc zurück ins ERP-System übertragen.

Für die Anbindung der Fremdsysteme wurde je nach Anforderung ein entsprechender Adapter für Files/FTP, RFC, JDBC, oder SOAP sowie das ABAP-Proxy-Framework implementiert. Über die Datacare-Schnittstelle werden so beispielsweise Artikelstammdaten zu allen in Österreich über den Pharmagroßhandel vertriebenen Produkten in den Materialstamm eingelesen. Dazu ruft die XI/PI Files vom Datacare-Server ab und übermittelt sie in Form von IDocs an das SAP-Backend. Neben den eigentlichen pharmazeutischen Artikelstammdaten werden so Informationen zu EAN-Codes (European Article Number), Preisen sowie einer Reihe zusätzlicher Artikelkennzeichen (Suchtmitteldaten, Gefahrgutdaten, Lieferantendaten etc.) ins System übernommen.
Im Bereich Einkauf werden Bestellungen bei Lieferanten per IDoc vom ERP-System an die XI/PI übermittelt, dort in die Formate EDI XML und EDIFACT übersetzt und via eXite Mailbox an die produktiv angebundene Lieferanten übermittelt. Die Anbindung des Gehe-Point-Portals erfolgt hingegen über SOAP-Calls, wobei mithilfe der XI/PI Aufträge aus dem Internetportal automatisch an das ERP-System übergeben werden.


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