
Experten: Semantische Systeme kein Wundermittel
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| verfasst von: Alex Wolschann/apa | 13|11|2009 | |
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| Den derzeit großen Hype um semantische Systeme beurteilten Experten bei einer Podiumsdiskussion des APA-IT-Forums in Wien eher skeptisch. |
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Potenziale in Nischen statt Vorteile für die breite Masse: Den derzeit großen Hype um semantische Systeme, die das "Internet der Zukunft" prägen und die Suche revolutionieren sollen, beurteilten Experten bei einer Podiumsdiskussion des APA-IT-Forums in Wien eher skeptisch. "Wir glauben nicht an ein großes semantisches Web, sondern eher an semantische Technologien, die bei spezifischen Internetanwendungen helfen können", erklärte Thierry Declerck vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Praktische Einsatzmöglichkeiten gebe es bereits. Als Beispiel nannte Declerck die Wissensgewinnung aus Radiologie-Berichten, wobei Bilder und Texte mit semantischen Informationen versehen werden. Dadurch könnten Fragen beantwortet werden wie: "Zeige mir Akten von Patienten, die eine Vergrößerung der Lymphknoten haben." Dies diene dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen, beziehungswiese die Behandlung zu verbessern. Im Finanzbereich könnten etwa veränderte Informationen automatisch Ratingagenturen und Banken mitgeteilt werden. Ein mögliches Einsatzgebiet sei auch die standardisierte Darstellung von Geschäftsberichten. "Da müsste viel umgestellt werden und das kostet. Allerdings ist Transparenz hier sehr wichtig. Das beweist die große Nachfrage aus der Industrie", so Declerck. Außerdem könnten etwa Businesspläne automatisch bewertet werden, um die Entscheidung über die Kreditvergabe zu vereinfachen. "Semantische Technologien unterstützen Unternehmen auch bei ihrem Internet-Marketing. Angebote können effizienter und an mehreren Orten im WWW zugleich dargestellt werden", ergänzte Christian Siegfried Boser, Leiter des Fachbereiches Semantic Web der WKÖ-Standardisierungsinitiative AUSTRIAPRO. Ein Beispiel dafür sei das Projekt "ebSemantics", im Rahmen dessen man die Unternehmensdatenbank "Firmen A-Z", die rund 400.000 Betriebe umfasst, semantisch aufbereitet habe. INFO-HÄPPCHEN Nun könnten Gastronomen kostenlos eintragen, welche speziellen Angebote - etwa Kinderspielpatz, Gastgarten - sie haben. Hoteliers würde ermöglicht, Details wie Sauna oder WLAN-Zugang anzugeben. Ziel sei es, Nachfrager und Anbieter zusammenzubringen. Plattformbetreiber könnten die Daten, die automatisch aktualisiert werden, gratis einbinden. Die Touristiker müssten sich um nichts weiter kümmern. "Leichter auffindbare Info-Häppchen für die Kunden bedeuten mehr Geschäftserfolg und somit eine wirtschaftliche Belebung gerade in schwierigen Zeiten", so Boser. Eine Ausweitung auf andere Branchen werde angestrebt. Dass semantische Technologien das Potenzial haben, das Auffinden von relevanten Informationen zu erleichtern, bestätigte auch Manfred Mitterholzer von der APA-IT. Die potenziellen Einsatzgebiete seien vielfältig, es gebe auch schon Beispiele für interessante Anwendungen. Ein weiterer Vorteil sei das Entdecken von versteckten Zusammenhängen, das mit herkömmlichen Mitteln nicht leicht erreichbar wäre. Bei der Ähnlichkeitssuche in Zeitungs-Datenbanken könnte etwa abgefragt werden, welche Personen häufig in einem bestimmten Kontext vorkommen würden. "Was aus Sicht der Benutzer als evolutionäre Weiterentwicklung wahrgenommen wird, erfordert an der Basis aber zum Teil komplexe neuartige Technologien und Herangehensweisen", so Mitterholzer. In Anwendungen, wo Interoperabilität von Daten und Metadaten für den Geschäftserfolg von Bedeutung ist, führe jedoch mittelfristig kein Weg an der "Semantifizierung" vorbei. Diese sollte daher bei Neuprojekten gleich von Anfang an mitgedacht werden. DATENFLUT UND UNBRAUCHBARE TREFFER Aktuell bestehe das Problem darin, dass man entweder keine brauchbaren Daten bekomme oder von einer Datenflut überrollt werde, sagte Francisco de Sousa Webber, Geschäftsführer der Matrixware Information Services GmbH, die sich auf professionelle Suche spezialisiert hat. Wenn man beispielsweise etwas erforschen und patentieren wolle, müsse recherchiert werden, ob es nicht bereits ein Patent gebe. Nachdem davon Investitionsentscheidungen von Hunderten Millionen Euro - etwa in der Pharmabranche - abhängen würden, dürfe kein Dokument übersehen werden, "da ist absolute Präzision notwendig". Hier könnten semantische Technologien helfen. Für ein wichtiges Thema hält er zudem die Mehrsprachigkeit - schließlich gebe es auch chinesische Patente. Automatische Übersetzungen seien zwar nicht perfekt, die im Patent eingesetzte Technologie könnte aber erkannt werden. "Wenn man die möglicherweise betroffenen Patente auf fünf eingrenzen kann und die dann einem Human-Übersetzer gibt, ist schon viel geschafft." Früher sei das praktisch gar nicht lösbar gewesen. |
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