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IT-Fachkräfte müssen permanent über ihre Grenzen gehen – Burn-out vorprogrammiert


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verfasst von: Michaela Holy  2|12|2009

 
 
IT-Mitarbeiter sind einem "System permanenter Bewährung" ausgesetzt, und dies führt dazu, dass sie "immer wieder über ihre Grenzen hinausgehen, dass sie am Abgrund des Zusammenbruchs entlangwandeln".

 

© Fotolia

Vor wenigen Tagen lief auf Arte ein Dokumentarfilm zum Thema »Burn-out – Schuften bis zum Umfallen«. Andreas Boes, Sozialwissenschafter am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München, thematisierte dort die beunruhigende Gesundheitssituation von hochqualifizierten Angestellten in IT-Unternehmen, die er in dem Forschungsprojekt DIWA-IT untersucht hat. Demnach sind IT-Mitarbeiter einem »System permanenter Bewährung« ausgesetzt, und dies führt dazu, dass sie »immer wieder über ihre Grenzen hinausgehen, dass sie am Abgrund des Zusammenbruchs entlangwandeln«.

In besonders gefährdeten Bereichen gaben mehr als 50 Prozent der vom ISF befragten Personen an, dass sie sich immer wieder an der Grenze der Belastbarkeit erleben oder bereits einen Zusammenbruch erfahren haben.

Spektakuläre Todesfälle wie beispielsweise eine Serie von Suiziden bei France Telecom, haben in den letzten Jahren den notwendigen Blick auf die Gesundheitssituation in der Arbeitswelt gelenkt. Der angesprochene Dokumentarfilm warf dabei Schlaglichter auf die Zunahme von Burn-out, Depressionen und Panikattacken bei Angestellten. »Wir waren erschrocken, welches Ausmaß das in den letzten Jahren angenommen hat«, erklärt Andreas Boes.

UNERSETZBARKEIT TÄGLICH BEWEISEN
Als Hauptgrund für die extreme Gesundheitsbelastung hat das Forschungsteam das bereits zitierte »System permanenter Bewährung« identifiziert: Die Hochqualifizierten müssen stets aufs Neue beweisen, dass sie überhaupt ein Recht haben, bei ihrer Firma beschäftigt zu sein. Daraus resultiert eine existenzielle Verunsicherung. In Zusammenhang mit Leistungsverdichtung, den Paradoxien neuer Managementkonzepte und einer Veränderung der betrieblichen Sozialordnungen treibt diese Unsicherheit die Beschäftigten dazu, permanent über ihre Grenzen hinauszugehen.

KEIN MUT ZUR VERÄNDERUNG
Noch spiegelt sich die Gesundheitsgefährdung nicht im Krankenstand wider. Andreas Boes beschreibt, wie sich die Lage in den Unternehmen aus der Sicht der Beschäftigten darstellt: »Wenn wir den Betrieben Forschungsergebnisse vorstellen, gibt es häufig ein richtiggehendes Erschrecken und ein vermehrtes Bedürfnis, etwas zu ändern. Gleichzeitig ist aber unter dem Druck der Verhältnisse ein Gefühl entstanden: ‘Da müssen wir jetzt irgendwie durch’, und dann wird alles andere an den Rand gedrängt. Alle wissen, dass die Gesundheit am seidenen Faden hängt, aber sie bringen nicht den Mut auf, etwas zu ändern.«

In dem Forschungsprojekt DIWA-IT arbeitet das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München gemeinsam mit weiteren Wissenschaftern, Beratern, Unternehmen und Interessenvertretungen an einer nachhaltigen Gesundheitsförderung für die IT-Branche. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist: Gesundheit muss vom Randthema zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik und der Organisationsentwicklung werden, damit die Leistungsträger der IT-Wirtschaft nicht »ausbrennen«.






 




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