COMPUTERWELT · TOP1001 · IT-Heads · IT-Stellen · IT-Termine · CW.tv · Seitenclicke · E-Paper



Gastkommentar: Die Regionalität des Internets


Textgröße:
verfasst von: Richard Wein*  10|3|2010

 
 
Glokal: Kein anderes Wort passt besser auf die aktuellen Entwicklungen im Internet.

 

© Nic.at

Nichts Vergleichbares ist derzeit so global, so weltumspannend und doch so regional angepasst wie das weltweite Netz. Aber nicht nur der Inhalt der Seiten, sondern auch deren Ankerpunkte – die Domains – werden schrittweise den regionalen Gegebenheiten angepasst. So soll ab 2011 die Registrierung von neuen Top Level Domains (TLD) wie .tirol, .rugby oder .bmw bei ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) möglich sein. Die Domainwelt ist im Wandel und erfährt durch ihre Adaptierung auf Regionalbezeichnungen und auf Sprachen und Schriftzeichen eine neue Form der Regionalität.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, worum es geht. Mitte 2008 erklärte der russische Präsident Medwedew seine Pläne, bald die Registrierung kyrillischer Top Level Domains ermöglichen zu wollen. Russisch, als eine der sechs Hauptsprachen der UNO, solle nicht ins Hintertreffen geraten und gegenüber dem Englischen weiter an Bedeutung verlieren. Nur eineinhalb Jahre später, Anfang Jänner 2010, wurde nun die erste kyrillische TLD eingeführt und ist ab 25. März 2010 für alle frei verfügbar. Dass Regierungsstellen, Markenunternehmen sowie Organisationen und Parteien ihre Ansprüche zuerst geltend machen dürfen, versteht sich von selbst.

Weltweit gibt es 1,6 Milliarden Internetnutzer, nur die Hälfte verwendet tagtäglich das lateinische Alphabet. Der Rest erfuhr bisher massive sprachliche Einschränkungen. Diese Zeiten sind nun vorbei: Erst vor kurzem hat die ICANN auch grünes Licht für Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien gegeben. Diese Länder können ab sofort ihre Top Level Domains auch in ihren Landessprachen anbieten. Die Erteilung der Genehmigung für weitere arabische und asiatische Ländern ist nur mehr eine Frage der Zeit.

Wer denkt, dass dies erst der Startschuss war, irrt jedoch. Man erinnere sich an das Jahr 2004. Österreich, eines der Zugpferde bei der Regionalisierung von Domains, machte es möglich Umlautdomains (IDN-Domains) wie bäcker.at oder müller.at zu registrieren. Muss man sich nun Gedanken darüber machen, dass die .at-Domain im Zuge der Neuregistrierungswelle 2011 an Bedeutung verliert? Ganz im Gegenteil. .at wird es weiterhin als starke und beliebte Marke geben. Unter diesem starken Markendach ist aber nun viel Platz für regionale Domainnamen. Und die Statistik spricht für .at: Noch in diesem Jahr erwarten wir das Überschreiten der 1-Millionen-Grenze.

*Richard Wein ist Geschäftsführer von nic.at.






 




Scoop
 SIEHE AUCH

 KNOW-HOW

 TERMINE

powered by APA-IT