
Streit um Handy-Strahlung eskaliert
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| verfasst von: Roland Kissling | 15|12|2003 | |
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| Die Zeitung „connect“ wiederspricht den Aussagen des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), dass viele Handys wegen zu starker Strahlung für Jugendliche nicht geeignet seien. |
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Seit Jahren werden von unterschiedlichster Seite Grenzwerte und Studien zur Strahlen-Belastung durch Handys präsentiert. Nun ist der Konflikt erneut offen ausgebrochen. Dem BfS zufolge gelten drei Viertel aller angebotenen Mobiltelefone als "nicht strahlungsarm", weil ihr SAR - Wert über dem empfohlenen Wert von 0,6 Watt pro Kilogramm Körpergewicht (W/kg) liege. Erlaubt sind SAR - Werte von bis zu 2 W/kg. Heranwachsende werden aber nun als "möglicherweise anfälliger" für elektromagnetische Strahlen als Erwachsene eingeschätzt, weil ihr Nervensystem noch wächst und ihre Schädeldecke dünner ist. Das Amt hat daher eine neue Broschüre mit Tipps für Jugendliche zum Umgang mit Mobiltelefonen zusammengestellt. Die Zeitung "connect" hat sich nun gegen diesen willkürlichen Grenzwert von 0,6 W/kg ausgesprochen, der einer im Juni 2002 von Umweltminister Jürgen Trittin gestarteten Initiative für strahlungsarme Handys ("Blauer Engel") entspringt. Die Hersteller boykottierten dieses Gütesiegel von Anfang an und berufen sich auf den gesetzlichen Grenzwert von 2 W/kg, dem tatsächlich auch alle Handys am Markt ensprechen. Darüber hinaus sei dieser Wert gar nicht zuverlässig, denn die Abstrahlung von Handys im Alltag hänge vor allem davon ab, wie gut die Sende- und Empfangseinheit konstruiert sind. Ist die Verbindung zwischen Basisstation und Handy besonders schlecht, schaltet das Mobiltelefon von sich aus auf eine höhere Sendeleistung. Deshalb würden nur Handys mit niedrigem SAR-Wert und zugleich hoher effektiver Sendeleistung den Vorteil bieten, dass sie im Alltagsbetrieb im Schnitt mit weniger Leistung fahren. WISSENSCHAFT UNEINIG Fest steht, dass die von Sendemasten, Handys und Schnurlostelefonen ausgehende elektromagnetische Strahlung das menschliche Körpergewebe erwärmt. Die festgelegten Grenzwerte sollen eine mögliche Schädigung durch die thermische Wirkung verhindern. Doch ob die Vorsichtsmaßnahmen ausreichen, um eine Gefährdung der Gesundheit auszuschließen, darüber sind sich die Wissenschaftler bis heute nicht einig. "Nach dem aktuellen Wissensstand gibt es keine Belege für irgendeine Gefährdung durch Mobilfunk", betont der Elektrotechniker und Mediziner Jiri Silny, der seit 30 Jahren die Wirkung elektromagnetischer Felder auf den Menschen erforscht. Als Leiter des Forschungszentrums für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit an der RWTH Aachen habe er Dutzende so genannter Elektrosensibler untersucht, sagt Silny. In keinem Fall konnte er Mobilfunk als Ursache körperlicher Beschwerden ermitteln. "Ich möchte nicht ausschließen, dass es Symptome gibt, die die Schulmedizin nicht erklären kann", räumt Silny ein. "Aber aus der Fülle der weltweiten Untersuchungen können wir sagen: Wenn überhaupt, dann sind die Effekte sehr, sehr gering." Eine detaillierte Zusammenfassung des derzeitigen Forschungsstands findet man bei DI Ralf Dieter Wölfle. Eine Liste mit den SAR- Werten aller in Deutschland erhältlichen Handys finden Sie hier. Dennoch kommt das Thema nicht aus der Mode: Verschiedenste Studien sagen elektromagnetischen Feldern unterschiedlichste Auswirkungen nach, wie ZB Hyperaktivität, Altersdiabetes, Vergeßlichkeit und Konzentrationsstörungen, Tinnitus, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Nach Angaben der "Bürgerwelle", dem selbst ernannten Dachverband der Handy-Gegner in Deutschland, haben bundesweit inzwischen 11.000 Bürgerinitiativen der Strahlung den Kampf angesagt. Mobilfunk dürfte demnach noch lange die Gemüter erhitzen. (idg/kiss) |
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