
Alte Computer verrotten in dritter Welt
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| verfasst von: Roland Kissling | 10|11|2004 | |
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| Eine ganze Branche hat sich bereits auf die Wiederverwertung von alten IT-Komponenten spezialisiert und macht gutes Geld damit. Die Giftstoffe aber landen häufig in Ländern der dritten Welt, wo es keine Schutzbestimmungen für die Arbeiter gibt. |
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Alte IT-Komponenten gehören nicht auf den Schrottplatz, sondern müssen fachgerecht entsorgt werden. Eine ganze Branche hat sich bereits auf die Wiederverwertung spezialisiert, und auch die Computerhersteller selbst sorgen bereits für Rückkauf bzw. Recycling. Die Entsorgung ist zumeist kostenlos, da in nahezu jedem Gerät noch wertvolle Teile schlummern. Allerdings nicht nur wertvolle Rohstoffe, sondern auch zahlreiche Giftstoffe: Nicht selten landen die Geräte dann in Ländern der dritten Welt, wo der günstige Preis für Entsorgung zu Lasten der Arbeiter geht. RECYCLING IST GUTES GESCHÄFT … IBM etwa hat dieser Tage angekündigt, sein Recycling-Programm "Asset Recovery Solutions" nicht nur in den USA, sondern künftig auch weltweit zu betreiben. Der Computerkonzern zahlt Kunden, die von dem Programm Gebrauch machen, dabei entweder den gültigen Marktwert der alten Rechner oder es verkauft die Altsysteme im Auftrag der Kunden. Um Datenschutzaspekten gerecht zu werden, verpflichtet sich IBM, alle Festplatten von Gebrauchtrechnern dreimal zu überschreiben, um so noch auf den Rechnern gespeicherte sensible Informationen zu löschen. Ähnliche Programme wie das jetzt von IBM vorgestellte offerieren auch Dell und Hewlett-Packard. Nach eigenen Angaben hat IBM 2003 im Zuge des Recycling-Programms pro Woche mehr als 22.000 Systeme verkauft oder anderweitig verarbeitet. Insgesamt belief sich die Summe, die IBM mit gebrauchten Rechnern umschlug, im vergangenen Jahr mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar. … ZU LASTEN DER ARMEN LÄNDER: EINE SCHATTENSEITE DER INFORMATIONSGESELLSCHAFT Wenn die Computer nicht mehr weiterverkauft oder verschenkt werden können, wandern sie auf die Müllhalde. Weltweit trifft dieses Schicksal rund 300 Mio. Computer, davon rund 20 Mio. aus den USA. Die Hauptumschlagplätze für den Elektronikschrott liegen aber nicht in der westlichen Welt, sondern in Entwicklungsländern, wo die Entsorgung entsprechend günstig ist, zitiert die Neue Züricher Zeitung in einer Reportage Umweltschutzorganisationen aus Indien. Das Rezyklieren eines Computers koste in den USA pro Arbeitsstunde zwischen 10 und 20 US-Dollar, während die Entsorgung in Indien rund zwanzigmal billiger sei. Einer der weltweiten Hauptumschlagplätze für Elektronikschrott sei Delhi, wo die die Arbeiter unter den Ärmsten der Armen rekrutiert werden. Die auf Sondermüllfragen spezialisierte Umweltorganisation Toxics Link schätzt, dass 30 bis 50 Prozent des in Delhi verarbeiteten Elektronikschrotts aus dem Ausland kommen. Laut Experten sind im Elektronikschrott je nach Gerät zwischen 700 und 3500 Materialien enthalten, welche gefährliche Schadstoffe enthalten. Die Folge sind laut NZZ Veränderungen des Erbgutes, Krebs und Missbildungen. In Monitoren befindet sich Cadmium und Blei, in Leiterplatten Arsen und Brom, und in Computerbatterien schlummert Quecksilber. Kondensatoren enthalten polychlorierte Biphenyle, die beim Verbrennen Dioxine freisetzen können. Nach wie vor haben die USA neben Kanada, Japan und Australien die „Basler Konvention“ aus dem Jahre 1989 noch nicht ratifiziert, welche den Export von Sondermüll stark einschränkt oder im Falle von Entwicklungsländern teilweise sogar vollständig verbietet. (cowo/kiss) |
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