
Kommentar: Österreichische Tunis-Beiträge
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| verfasst von: Roland Kissling | 2|12|2005 | |
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| Während der heimische Beitrag inklusive Award zu E-Content auch international sehr positives Echo fand, bleibt durch die verhunzten „Vienna Conclusions“ ein schaler Nachgeschmack. |
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Fad war die “UN World Summit on the Information Society” Mitte November in Tunis sicher nicht. Neben dem heißen Streit und lauen Kompromiss um die Domain-Hoheit im Vorfeld hatte auch das kleine Österreich zum Hochgehen der Wogen etwas beizutragen. Österreichs Ziel war es, sich für die Wertschätzung und Förderung von hochwertigen digitalen Inhalten (E-Content) einzusetzen. Und dies gelang, vor allem bei Glanz und Glamour: Am Eröffnungstag startete die hochrangig besetzte „World Summit Award Gala“, bei der zahlreiche Staatschefs und hochrangige Politiker Preise an E-Content-Produzenten aus aller Welt verliehen. Der Award war Österreichs offizieller Beitrag zum WSIS und ermittelte in 168 Ländern die besten E-Contents aus 8 Kategorien. Auch der "Austrian E-Content Village"-Messestand auf der "ICT4all Exhibition" funktionierte gut. Dort wurden sowohl die WSA-Gewinnerprojekte, als auch Österreichs innovativste Unternehmen und die Arbeit von fünf Ministerien vorgestellt. So weit so schön. Hinter der glänzenden Oberfläche aber brodelt es: Die Konferenz „ITC+Creativity“ mit Expertenrunden zu unterschiedlichen Themengebieten hätte an und für sich einen gemeinsam verabschiedeten Text (die "Vienna Conclusions") liefern sollen – was sie auch tat. Statt Einigkeit aber wurden die Fronten erneut vertieft. Ralf Bendrath, Politikwissenschaftler an der Universität Bremen und vor allem Georg C.F. Greve von der Free Software Foundation Europe (FSFE) beschweren sich nämlich massiv über Änderungen am Text, die über ein unscheinbares Blog in letzter Minute eingeführt und den Teilnehmern nicht ausreichend kommuniziert wurden. Im Forum von Heise Online, wo erstmals detailliert über die Thematik berichtet wurde, gingen daraufhin die Wogen hoch, Witze über die typisch Österreichische Form des Politikverständnisses machten die Runde. Gewiss: die Open Source Vertreter haben sich in der Vergangenheit des öfteren einer rauen und einseitigen Diktion bedient und über alle möglichen und unmöglichen Dinge beschwert. Diesmal aber wurde ihnen – unter österreichischer Mithilfe – tatsächlich übel mitgespielt. Denn wozu eine Konferenz mit zahlreichen Expertenrunden aufsetzen, wenn zum Schluss dann doch nur ein kleines Komitee über den endgültigen Text entscheidet? Die Kritik von Greve und Co. sollten wir Ernst nehmen: eine E-Mail an die Teilnehmer und ein Blog sind zu wenig, um einer Entscheidung einen demokratischen Anstrich zu geben. Dafür hätte sich nur ein Workgroup-System mit automatischer Benachrichtigung aller Teilnehmer bei Änderungen, sowie eine Schlussabstimmung geeignet. Microsoft-Sprecher Thomas Lutz, der als einer der wenigen das Blog entdeckte, wurde dabei zu Unrecht verunglimpft. Er nahm lediglich die Chancen eines schlechten Systems wahr und vertrat die Interessen seines Unternehmens. Hinsichtlich unseres bevorstehenden EU-Vorsitzes war dieses Tunis-Theater jedenfalls ein schlechtes Zeichen für die Welt. Schade um das sonst so gelungene Engagement. |
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