Sicherheitsforscher warnen vor gefährlichem Banking-Trojaner Sicherheitsforscher warnen vor gefährlichem Banking-Trojaner - Computerwelt

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03.09.2015 pi/Oliver Weiss

Sicherheitsforscher warnen vor gefährlichem Banking-Trojaner

Der Trojaner ist die erste von IBM entdeckte Malware, die befallene Systeme mittels einer eigenen Antivirus-Software nach anderen Schädlingen scannt und diese dann entfernt, um sich die Beute nicht mit anderen Angreifern teilen zu müssen.

Shifu stiehlt auf den befallenen Systemen nach Möglichkeit Zugangsdaten, darunter über einen Key-Logger auch Passwörter, sowie private Zertifikate und Authentifizierungstoken.

Shifu stiehlt auf den befallenen Systemen nach Möglichkeit Zugangsdaten, darunter über einen Key-Logger auch Passwörter, sowie private Zertifikate und Authentifizierungstoken.

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"Shifu" nennen die Japaner einen Dieb und ein solcher ist der gleichnamige Trojaner, den Sicherheitsexperten von IBM jetzt entdeckt haben. Momentan hat es die Malware, die Code mit kyrillischen Schriftzeichen enthält, auf 14 japanische Banken sowie auf Banking-Plattformen in Europa abgesehen. Zwölf Prozent der Angriffsziele liegen in Deutschland und Österreich. Aktiv attackiert hat Shifu aktuell japanische Geldinstitute. Von Passwörtern, über EC-Karten bis hin zu Bezahlterminals ist wenig vor Shifu sicher – auch Software der Banken nicht.

Der Trojaner ist die erste von IBM entdeckte Malware, die befallene Systeme mittels einer Antivirus-Software nach anderen Schädlingen scannt und diese aus dem eigenen Revier verbannt. "Eine Malware, die andere Malware daran hindert, auf den gekaperten Systemen zu wildern, ist uns noch nicht begegnet", sagt Gerd Rademann, Business Unit Executive, IBM Security Systems für Deutschland, Österreich und die Schweiz. "Der jetzt von unseren Sicherheitsexperten entdeckte Shifu-Trojaner bringt seinen eigenen Viren-Scanner mit, um sich die Beute nicht mit anderen Angreifern teilen zu müssen." 

Schon seit April 2015 versuchen Cyberkriminelle mit dem Shifu-Trojaner die Systeme von japanischen Banken sowie Banking-Plattformen in Europa zu durchdringen – zwölf Prozent der potenziellen Ziele liegen in Deutschland und Österreich. Aktiv attackiert wurden bisher japanische Geldinstitute. Das haben die Sicherheitsexperten der IBM X-Force herausgefunden und auf ihrem Security Blog gepostet. Bei Kunden eingesetzte IBM Lösungen zum Schutz vor Malware hatten Angriffe entdeckt, die neben Quellcode von bekannten Banking-Trojanern wie Shiz, Gozi, Zeus oder Didrex auch völlig neue Eigenschaften aufwiesen. Dazu gehört die Fähigkeit von Shifu, die von ihm befallenen Systeme mittels einer Art Anti-Virus-Software vor weiterem Befall zu schützen. 

Shifu stiehlt auf den befallenen Systemen nach Möglichkeit Zugangsdaten, darunter über einen Key-Logger auch Passwörter, sowie private Zertifikate und Authentifizierungstoken. Diese Daten nutzen die Cyberkriminellen, um sich als die rechtmäßigen Inhaber von Bankkonten auszugeben. Auch der Inhalt von Chipkarten, etwa EC-Karten, ist nicht vor ihnen sicher, sofern diese über einen Kartenleser an ein befallenes Gerät angeschlossen sind. Dazu zählen auch mit dem Netz verbundene Verkaufsterminals, die Shifu befällt, um die darüber laufenden Bezahlinformationen auszulesen.

Während viele Trojaner Websites von Banken befallen, gibt es wenige, die es auf die zugrunde liegende Banking-Plattform abgesehen haben. Zur letzteren Gruppe zählt auch der Shifu-Trojaner, der gezielt nach den Authentifizierungstoken sucht, die für den externen Zugriff auf diese Plattformen benötigt werden. Mit diesem Vorgehen schlagen die Hacker mehrere Fliegen mit einer Klappe, denn Banking-Applikationen werden meist von mehreren Banken genutzt. Ist eine Plattform gehackt, sind damit die Systeme auch anderer Geldinstitute verwundbar.

Auf der Suche nach dem Ursprung des Shifu-Trojaners sind die IBM-Sicherheitsexperten in dessen Skripten auf Kommentare in russischer Sprache gestoßen. Andere Zeichenketten wiederum sind zwar nicht in kyrillischem Schriftcode geschrieben, haben jedoch eine russische Bedeutung, darunter Begriffe wie "Buchhaltung" oder "Kasse". Ob diese Indizien auf einen Ursprung der Hacker aus Russland oder einem anderen russischsprachigen Land schließen lassen, ist nicht geklärt. Möglich ist auch, dass die Cyberkriminellen versuchen, ihre Spuren zu verwischen.

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