"In Österreich sollen mehr YouTuber von ihren Videos leben können" "In Österreich sollen mehr YouTuber von ihren Videos leben können" - Computerwelt

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01.06.2016 Rudolf Felser

"In Österreich sollen mehr YouTuber von ihren Videos leben können"

Christoph Poropatits, Medienmanager mit internationaler Erfahrung und ehemaliger YouTube-Mitarbeiter, im Interview über den österreichischen Online-Video-Markt.

Christoph Poropatits, diego5

Christoph Poropatits, diego5

© Rudolf Felser

Das österreichische Multi-Channel-Netzwerk diego5 feierte kürzlich seinen ersten Geburtstag. Hinter dem Unternehmen stehen Sandra Thier, bekannt als Moderatorin des deutschen Fernsehsenders RTLII, sowie der Werbefachmann Rudi Kobza, in dessen Kobza Media Group das Unternehmen als Digital-Video-Spezialist eingebettet ist. "Der Neue" im Team ist  Medienmanager Christoph Poropatits, der nach mehreren Jahren im Ausland nun als Co-Geschäftsführer seine internationale Erfahrung ins Unternehmen einbringt.

Im Interview mit Computerwelt.at spricht Poropatits über den sich entwickelnden Online-Video-Markt in Österreich, die Ziele von diego5 und für welche Einsatzzwecke sich YouTube & Co. eignen.

Herr Poropatits, was hat Sie bewogen, vom internationalen Parkett wieder in Ihre Heimat zu kommen?

Neben der hohen Lebensqualität in Österreich, wurde es zunehmend spannend für mich, hier zu arbeiten. In den letzten sieben, acht Jahren, die ich im YouTube-Bereich arbeite, habe ich mehrmals erlebt wie sich in den verschiedenen Regionen die unterschiedlichen Stadien entwickeln. Österreich ist gerade in einem sehr spannenden Stadium. Man kann hier mit jungen und wissbegierigen Künstlern sehr gut arbeiten, außerdem gibt es genug "Buzz" im Markt zum Thema Online-Video – Werbekunden kennen die Materie schon ein wenig, und wir helfen dabei sie zu Spezialisten zu machen. Es gibt viel Nachfrage und Interesse von Werbekunden zum Thema YouTube und Facebook. Es ist ein toller Zeitpunkt um zu gestalten.

Facebook? Sie konzentrieren sich also nicht nur auf YouTube?

YouTube ist momentan noch die einzige Plattform, auf der die Vermarktung über Werbevideos möglich ist. Darum findet die Hauptdistribution über YouTube statt. Aber es ist ja hinlänglich bekannt, dass Facebook bereits erste Experimente bei der Vermarktung von Videoinhalten und der Partnerbeteiligung beim Umsatz macht. Man darf aber auch die anderen Plattformen nicht aus den Augen verlieren. Gerade Instagram und Snapchat sind in Österreich bei der jungen Zielgruppe stark im Wachsen. Es gibt also spannende Entwicklungen bei Plattformen und das wird den Wettbewerb bei der Online-Video-Distribution verschärfen – was für uns als Inhalte-Partner nur von Vorteil sein kann.

In der Aussendung über ihren Wechsel zu diego5 bin ich über eine Information gestolpert: Sie sind YouTube-Patentinhaber?

Ich halte ein Patent, gemeinsam mit drei ehemaligen YouTube-Kollegen. Wir haben die Rechte an Google abgetreten. Nachdem Patente im Namen der Erfinder ausgestellt werden, bin ich erwähnt. Wir haben  einen Algorithmus entwickelt, mit dem man automatisch Videos optimieren und den Usern weltweit anzeigen kann (Anm.: Patent US 9143823 B2 "Providing suggestions for optimizing videos to video owners").

Eine spannende Sache.

Das war eines der bekannten 20-Prozent-Zeitprojekt bei Google. Es hat mir Spaß gemacht, auf Produktseite etwas zu machen. Es macht mir nach wie vor Spaß, mich in den Produktteil hineinzuversetzen. In allen möglichen Bereichen in unserem Geschäftsfeld, in der Kundenbetreuung, dem Talent Management, werden immer mehr technische Hilfsmittel eingesetzt, um uns zu unterstützen. Das lässt uns mehr Zeit im persönlichen Umgang mit unseren Partnern und Kunden.

Branded Entertainment via YouTube ist in Österreich noch ein relativ junges Feld, wie hat sich die Nachfrage entwickelt?

Es gibt sehr viel Interesse in der Werbe- und Vermarktungsbranche zu den Themen Online-Videos auf YouTube und Facebook. Wir können durch unsere Erfahrung die Kunden auch dort abholen, wo sie gerade im eigenen Wissen sind. Wir sind regelmäßig bei den Kunden und freuen uns, wenn Aufträge reinkommen, die sich zu größeren Projekten weiterentwickeln.

Welche Ziele hat sich das junge Unternehmen diego5 gesetzt?

Weiterhin wachsen wie bisher. Unsere Aufgabe ist es aber auch , dass man von Kreativität leben – und zum Teil auch gut leben – kann. Das gilt nicht nur für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter, sondern vor allem auch für die Kreativen mit denen wir arbeiten, die Produktionsunternehmen und die YouTube-Künstler selbst. Das ist für mich und uns alle das übergeordnete Ziel. Ich hätte gerne, dass in Wien noch mehr Menschen von Online-Videos – wenn sie gut und fleißig sind und ansprechende Ideen haben – leben können.

Für welche Unternehmen oder Kampagnen ist es sinnvoll, mit Ihnen zusammenzuarbeiten?

Das ist komplett branchenübergreifend. Das können Retailer genauso sein, wie Kunden aus dem Aviation- oder Mobility-Bereich, bis hin zur Industrie. Jedes Unternehmen, das eine bestimmte Aufgabe in der Außendarstellung für sich erkennt, wird früher oder später auch auf Video setzen – weil es ein sehr emotionales Medium ist. Wir können von Konzeption bis Strategie und Umsetzung helfen, egal ob Imagefilm, Social-Media-Kampagne oder die Produktion eines Branded Channel.
Als Spezialist können wir die Projekte selbst mit den Kunden umsetzen oder als Schnittstelle fungieren. Unsere Tochter d5 production nimmt als Dienstleister Produktionen an. Aber natürlich haben wir auch YouTuber im Haus die ihr Wissen teilen und auch sehr gerne mit Werbekunden zusammenarbeiten. Auch sie nehmen manchmal Aufträge an, die in Richtung Produktion gehen.

Für Werber gelten strenge Regeln. Wie sieht das bei der Produktion von Online-Videos aus?

Es gelten die gleichen Gesetze wie überall anders auch. Das Medium an sich, die Online-Distribution, ist noch so jung, dass es natürlich in einem anderen Gewand und in einer anderen Aufmachung daherkommt.

YouTuber leben von ihrer Authentizität und dem Vertrauen ihrer Fans. Besteht nicht die Gefahr, davon etwas einzubüßen, wenn man Videos für ein Unternehmen produziert?

Diese Influencer haben ein sehr gutes Gefühl dafür entwickelt, was ihre Community antreibt, was für ihre Fans gut funktioniert, und was zu viel ist. Sie bekommen eine gute Balance hin.

Passen Sie darauf auf?

Ich teile sehr gerne meine Erfahrung, wenn ich gefragt werde oder mir selbst etwas auffällt, aber wir greifen nicht unbedingt ein.


ZUR PERSON

Christoph Poropatits ist als  Co-Geschäftsführer der frischeste Neuzugang im Führungsteam des jungen Unternehmens diego5 studios Branded Entertainment GmbH. Er war zuletzt in London als General Manager DACH & Nordics beim US-Startup Victorious tätig, wo er am Aufbau von internationalen Medienpartnerschaften beteiligt war. Davor war der gebürtige Österreicher sieben Jahre bei YouTube bzw. Google in London und Dublin, sowie für Mediakraft Networks in Köln tätig.

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