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27.12.2016 Hans Königes*

Studie: Deutsche Arbeitnehmer unterschätzen Digitalisierung

Die Deutschen unterschätzen die Auswirkung der Digitalisierung auf ihren Job. Und das obwohl sie sich sehr wohl Gedanken darüber machen, welche Qualifikationen in Zukunft gefragt sein werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Marktforschungsunternehmens Respondi im Auftrag des Jobportals Indeed.

Laut der Studie glaube nur rund zehn Prozent der Befragten, dass ihr Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet sei.

Laut der Studie glaube nur rund zehn Prozent der Befragten, dass ihr Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet sei.

© Respondi

Interessant ist besonders, dass nur rund ein Viertel der Befragten das aktuelle Trendthema "Industrie 4.0" überhaupt einordnen kann. Die Diskussionen von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften über die Zukunft von Arbeit und Arbeitsprozessen scheinen den Großteil der Arbeitnehmer schlichtweg nicht zu interessieren. Und das, obwohl sie sich sehr wohl Gedanken um ihre Zukunft machen.

So glauben nur rund zehn Prozent der Befragten, dass ihr Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet ist; ein Drittel rechnet mit einer starken Veränderung ihrer zukünftigen Aufgaben. Der mit rund 60 Prozent weitaus größte Teil der Befragten geht von einer zumindest leichten Änderung ihrer Arbeit durch die Digitalisierung aus.

Ahnungslose Finanzbranche
Der optimistische Blick auf die Zukunft ist unabhängig von der Branche, in der die Befragten arbeiten. Dennoch fällt auf, dass ein Großteil der höherqualifizierten Beschäftigten in der Finanzbranche technologische Entwicklungen in ihrem Bereich falsch einschätzt. Rund 80 Prozent der Befragten, die bei Finanz- oder Versicherungsdienstleistern arbeiten, glaubt an die Sicherheit des eigenen Jobs.

Diese Einschätzung steht in Widerspruch zu einer Studie der Universität Oxford, die das Automatisierungsrisiko von einzelnen Berufsbildern untersuchte. Demnach sind vor allem Berufe mit standardisierten, repetitiven Aufgaben, geringer Komplexität der Tätigkeit ohne die Erfordernis sozialer und oder kreativer Kompetenzen von der Digitalisierung bedroht. Diese Beschreibung trifft jedoch genau das Jobprofil vieler Angestellter in der Branche. Auch haben Algorithmen im Finanz- und Versicherungsbereich schon längst auch äußerst komplexe Aufgaben oder Bewertungen übernommen. Die Ergebnisse sind oft zuverlässiger als die von Menschen und werden auch schneller erreicht. Direktbanken setzen den klassischen Finanzinstituten schon heute mit ihren automatisierten Prozessen im Kundenkontakt zu. Die klassischen Anbieter werden nach Antworten suchen. So hat gerade erst die niederländische Bank ING eine Investition von einer Milliarde Euro in die eigene IT angekündigt, fast 6.000 Stellen sollen gestrichen werden.

Qualifikationen für das digitale Zeitalter
Trotz der häufig recht blauäugigen Sicht auf den digitalisierten Arbeitsmarkt der Zukunft, haben die meisten Arbeitnehmer doch ein recht klares und vor allem digital ausgerichtetes Bild der in Zukunft gefragten Eigenschaften. Dazu gehören viele Qualifikationen, die schon heute von Entwicklern, aber auch anderen Arbeitnehmern, gefordert werden. Die Top fünf der zukünftig wichtigen Qualifikationen führen in den Augen der Arbeitnehmer Programmierkenntnisse an, an zweiter Stelle folgt die Fähigkeit zu treffenden Analysen. Ebenfalls unter den ersten fünf wird die Fähigkeit genannt, Gelerntes auf andere Bereiche zu übertragen.

Digitales Know-how als Wettbewerbsfaktor

Für den Auftraggeber der Studie ergibt sich aus diesem Bild eine klare Handlungsempfehlung für Entscheider. "Unternehmen sollten gezielt das digitale und interdisziplinäre Know-how ihrer Mitarbeiter und damit auch deren Kompetenz, was die laufende Umgestaltung des Arbeitsmarktes betrifft, schulen", so Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland. "Nur, wer weiß, was die Digitalisierung mit dem eigenen Beruf macht, kann auch beurteilen, wie sich der Markt des eigenen Unternehmens ändert - und das ist bereits heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Unternehmen."

*Hans Königes ist Ressortleiter bei Computerwoche.

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