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17.01.2017 Martin Klapdor*

Digitalisierung richtig umsetzen

Die Digitalisierung verspricht viele Vorteile – wenn die IT jederzeit fehlerfrei funktioniert. Die steigende Komplexität vernetzter Systeme macht jedoch das Troubleshooting zu einer Detektivaufgabe.

Die steigende Komplexität vernetzter Systeme macht das Troubleshooting zu einer Detektivaufgabe.

Die steigende Komplexität vernetzter Systeme macht das Troubleshooting zu einer Detektivaufgabe.

© Michelangelus/shutterstock.com

Die Digitalisierung - oder auch ihr großer Bruder - die digitale Transformation ist in den Unternehmen angekommen. Laut einer Studie des Transformationswerks ist es für knapp 90 Prozent der Unternehmen wichtig, sich an die Erfordernisse der digitalen Wirtschaft anzupassen. Die Hoffnung der Befragten: mehr Agilität und Innovationsstärke, neue Geschäftsmodelle und neue Märkte.

Die großen Erfolgsgeschichten kennt man: Uber und Airbnb haben vorgemacht, wie Startups innerhalb von wenigen Jahren ganze Branchen umkrempeln und vormalige Platzhirsche vom Thron stoßen. Diese wiederum haben nicht vor, kampflos das Feld zu räumen, und ziehen nach. In den kommenden zwei Jahren wird daher nach Einschätzung des Analystenhauses IDC mehr als die Hälfte der IT-Ausgaben in die digitale Transformation fließen.

Ist die Entscheidung gefallen, sich zum datengetriebenen Unternehmen zu wandeln, kommt es auf die konkrete Umsetzung an. Risiken gibt es zu genüge: Wird der Einsatz von IT ausgeweitet, ohne dass die IT-Abteilung mehr Ressourcen und Kompetenzen erhält, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es knirscht. Wird Digitalisierung gefordert, aber nicht organisiert, greifen Abteilungen und Mitarbeiter im Zweifelsfall auf Schatten-IT zurück. Ohne Kontrolle, ohne Prüfung, ohne Sicherheitsmechanismen. Ein Horror für den CIO.

Digitalisierung ist eine Organisationsaufgabe
Selbst dort, wo Cloud-Dienste offizieller Teil der IT-Landschaft sind, um sie Mitarbeitern an jedem Ort zugänglich zu machen, ist nicht alles eitel Sonnenschein. Stellen Sie sich vor, Ihr Cloud-gestütztes Supply Chain Management fällt plötzlich aus. Was tun sie? Den IT-Support anrufen. Während die Kollegen untersuchen, was genau schiefgelaufen ist, vergeht wertvolle Zeit. Dann der Rückruf: Der Fehler liegt nicht im Haus. Der Cloud-Provider muss ran. Mehr Zeit vergeht, Aufgaben bleiben unerledigt, dringende Aufträge an den Lieferanten verzögern sich.

Dieses Beispiel zeigt: Den Vorteilen in puncto Flexibilität, Skalierbarkeit und Effizienz, die Cloud-Dienste bieten, stehen Risiken durch steigende Komplexität gegenüber. Die Integration einer steigenden Anzahl an Anwendungen, Endpunkten und Usern führt zu mehr potenziellen Fehlerquellen, und im Fall eines Fehlers zu mehr Detektivarbeit bei der Suche nach der Ursache. Hinzu kommt, dass einzelne Prozesse deutlich stärker vernetzt sind als früher und somit auch stärker voneinander abhängig sind. In einem solchen System hat der Ausfall einer einzigen Komponente Auswirkungen auf viele andere Komponenten und Prozesse.

Kleine Fehler, große Wirkung
Das gilt für hybride IT-Umgebungen genauso wie für komplexe In-House-Infrastrukturen, etwa in der vernetzten Produktion: Geht ein Auftrag ein, müssen die Daten nicht nur an die Produktionshalle weitergeleitet werden. Auch Systeme für Verpackung und Versand sind mit einzubeziehen, um die schnelle und zuverlässige Lieferung an den Kunden sicherzustellen. Wenn das schiefgeht, wie bei einem amerikanischen Pharmaunternehmen geschehen, kann der Schaden enorm sein: Dessen automatisierte Produktionsanlage wurde wiederholt aufgrund ungeklärter Probleme unterbrochen. Jedes Mal dauerte es mindestens zwanzig Minuten bis der Fehler behoben und die Produktion wiederaufgenommen werden konnte. Bei einem Output von einer Million Dollar pro Stunde schlugen diese Ausfälle also mit jeweils 300.000 Dollar und mehr zu Buche.

Dass kritische Ausfälle von scheinbar banalen Fehlern verursacht werden, zeigt ein anderes Beispiel: In einem deutschen Hafen gab es starke Verzögerungen bei der Erstellung von Frachtbriefen. Der Grund: Ein Fehler im Domain-Name führte zu einer Flut an DNS-Abfragen, die das Netzwerk des Hafenbetreibers verstopften. Dadurch erreichten die Druckaufträge den Drucker nicht, Ladungen stauten sich, es drohten Schadensersatzzahlungen für die verzögerte Löschung der Fracht.

Wie die Digitalisierung gelingt
Um solche Fehler zu vermeiden, müssen Unternehmen bei der Digitalisierung von vornherein die Umsetzung mitdenken. Welche Strukturen, Prozesse und Ressourcen werden gebraucht? Welche Rolle spielt die IT für die Arbeit in den Abteilungen, welche Pflichten und Rechte benötigen IT-Mitarbeiter? Wie ist die IT-Infrastruktur zu gestalten, damit einerseits hohe Leistung und andererseits stets ein guter Überblick gewährleistet sind? Folgende Voraussetzungen erhöhen die Chancen auf den Erfolg:

  • Jede Abteilung ist eine IT-Abteilung: Fachabteilungen kommen ohne IT nicht mehr aus. Nein, der Vertrieb muss seine Anwendungen nicht selbst programmieren und warten. Aber er muss wissen, wie er mit der IT-Abteilung zusammenzuarbeiten soll und wie er diese unterstützt. Interkulturelle Kommunikation, gewissermaßen.
  • Ressourcen für die IT bereitstellen: Wenn mehr Leistung gefordert wird, braucht es auch mehr Budget und Teamstärke. Mitarbeiter müssen weitergebildet werden, um die aktuellen Herausforderungen zu verstehen und zu bewältigen. Sonst droht die Umsetzung zu scheitern.
  • Flickenteppiche vermeiden: Die Verlockung ist groß, funktionierende Systeme einfach beizubehalten. Doch es drohen Probleme bei der Kompatibilität, ganz zu schweigen von zusätzlichem Aufwand bei Wartung und Updates. Wie gut sich ein Legacy-System in eine moderne IT-Landschaft einfügen kann und wann ein Umstieg erforderlich ist, sollte genau geprüft werden.
  • Infrastrukturen stets im Blick behalten: Fehlersuche ohne genaue Kenntnis der eigenen Infrastruktur ist wie Schnitzeljagd ohne Karte. Kann man schon machen, dauert halt länger und macht weniger Spaß. Dies gilt umso mehr, je vernetzter und komplexer die Systeme. Mit passenden Tools lassen sich bestehende und potenzielle Probleme schneller erkennen und Mitarbeiter entlasten.

*Martin Klapdor ist Senior Solutions Architect beim Business-Assurance-Anbieter Netscout und IDG Experte.

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