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Open Source Software: eine Option für KMU

Es gibt kaum eine IT-Abteilung, die nicht in irgendeiner Form kostenlose Open-Source-Software nutzt. Sie kommt bevorzugt in Webservern, E-Mail-Servern oder als Datenbank zum Einsatz. Doch was macht Open-Source-Anwendungen eigentlich so attraktiv? Und ist sie auch für KMU eine echte Alternative zu kommerzieller Software?

Ralf Dyllick-Brenzinger ist Gründer und Co-Geschäftsführer des Mainzer Startups ionas.

Ralf Dyllick-Brenzinger ist Gründer und Co-Geschäftsführer des Mainzer Startups ionas.

© ionas

Die Popularität von Open-Source-Software hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Für die quelloffenen Programme sprechen gute Gründe, nicht zuletzt ihre hohe Flexibilität und eine ausgeprägte Community. Aus einigen Anwendungsgebieten ist Open-Source-Software heute gar nicht mehr wegzudenken. Dazu gehören beispielsweise Webserver, Webentwicklung, Datenbanken und Mail-Server. Aber auch für andere Anwendungen gibt es praktisch immer eine Open Source Alternative zu Kaufsoftware.

Viele kleine und mittelständische Unternehmen scheuen den Einsatz von Open-Source-Software, da oftmals Fragen in puncto Integration und Support nicht klar geklärt sind. Demzufolge gibt es in den letzten Jahren eine weitere Entwicklung: Es entstehen immer mehr spezialisierte Open-Source-Systemhäuser, die beim Umstieg auf Open Source helfen können, ebenso wie Open-Source-Fertiglösungen.

Quelloffenheit beschert viele Vorteile
Der Quellcode, das heißt, der von Menschen programmierte Programmcode, ist für Anbieter kommerzieller Software ein wichtiges Betriebsgeheimnis. Nur der Hersteller kann die Software weiterentwickeln und Fehler beseitigen. Bei Open-Source-Programmen liegt der Quellcode hingegen offen - jeder kann ihn einsehen und hat das Recht, ihn zu erweitern oder für die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Entsprechende Anwendungen bieten daher eine Reihe von Vorteilen:

  • Zuverlässigkeit: Erste Pluspunkte sind die Quelloffenheit des Codes und die Expertise vieler Entwickler aus der Community. So lässt sich Open-Source-Software auch in kritischen Bereichen wie Mail-Servern und Datenbanken problemlos einsetzen.
  • Kosten: Programme, die unter Open Source-Lizenzen veröffentlicht sind, dürfen kostenlos verwendet werden - privat wie gewerblich. Lizenzkosten fallen keine an. Unternehmen, die auf Open-Source-Programme setzen, sparen also die Investition in Software-Lizenzen oder Gebühren für die Nutzung von entsprechenden Cloud-Diensten. Allerdings müssen auch eventuelle Kosten für Service und Support - ähnlich wie bei der Kaufsoftware - mit ins Kalkül gezogen werden.
  • Unabhängigkeit: Bei Open Source gibt es keinen Hersteller, der eine bestimmte Funktion entfernen, den Preis erhöhen oder den Vertrieb einer Software stoppen kann. Auch kann man sich viel eher einem Update auf eine neuere Version verweigern. Open Source bietet somit mehr Freiheitsgrade.
  • Sicherheit: Ein Grundpfeiler der Open-Source-Kultur ist Sicherheit. Der offene Programmcode bildet die Grundlage. Er offenbart, wie ein Programm arbeitet und was es tatsächlich macht. Damit eignet es sich deutlich besser für sicherheitskritische Aufgaben als kommerzielle Software, die aufgrund des nicht vorhandenen Quellcodes eine Black Box darstellt. Der offene Code erlaubt außerdem die schnelle und verlässliche Behebung von Fehlern und Sicherheitslücken.
  • Flexibilität: Neue Mitbewerber, neue Technik, neue Gesetze - Veränderungen gehören heute zu den täglichen Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Je statischer die Software, desto schwieriger ist es, neue Anforderungen abzubilden. Hier zeigt sich der Reiz einer freien, auf offenen Standards basierenden Architektur. Theoretisch kann jedes Unternehmen Open-Source-Programme an die eigenen Bedürfnisse anpassen.


Herausforderung bei Open Source

Die grundsätzlichen Vorteile von Open Source-Lösungen aus Unternehmenssicht liegen auf der Hand. Natürlich wäre es aber fahrlässig so zu tun, als ob jede Open Source Software für den Unternehmenseinsatz geeignet wäre. Open Source ist nicht gleich Open Source. Zentral ist in diesem Zusammenhang die Community, also die Gruppe von Menschen, die sich um die Weiterentwicklung der Software bemüht. Nur eine aktive und große Community hat ausreichend Power, um Fehler rasch zu beheben und die Software leistungsfähig zu halten die theoretischen Vorteile von Open Source Software also in der Praxis auch umzusetzen.

Ein weiteres Problem bei Open Source Software ist die häufig eingeschränkte Dokumentation. Hier hat Open Source Software einen strukturellen Nachteil gegenüber kommerzieller Software, bei der sich profitorientierte Organisationen um Markteinführung und Vermarktung kümmern. Umfangreche Dokumentation mag zwar nicht für die Installation einer Desktop Open Source Applikation wie zum Beispiel Libre Office notwendig sein, wohl aber für serverbasierte Systeme wie ein CRM, ein ERP oder ein DMS. Ein gut gepflegtes Forum einer Community ist kein Ersatz für ein gut strukturiertes Nachschlagewerk oder gar Schulungen.

Software und Support aus einer Hand
Ist der Open-Source-Umstieg für kleine und mittelständische Unternehmen also nur mit einer eigenen, schlagkräftigen IT zu bewältigen? Nein - nicht mit der Auswahl der richtigen Software und der Möglichkeit, sich externe Hilfe zu holen. Kleine und mittelständische Unternehmen sollten nur Open Source Initiativen mit einer aktiven Community in Betracht ziehen, sodass die Entwicklung der Software von Experten übernommen wird und ausreichend Supportmaterialien bestehen. Für einige große Open Source Projekte gibt es spezialisierte Support-Partner. Sie können punktuell eingesetzt werden, wenn es bei der Einrichtung oder Wartung der Open Source Software zu Schwierigkeiten kommt. Mit ihrem Spezialwissen dienen sie außerdem als Ansprechpartner, wenn eine Software auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens angepasst werden soll - eine einfach zu realisierende Aufgabe bei Open Source Anwendungen.

Eine interessante Alternative gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung sind daher Open Source Integratoren, die alles aus einer Hand bieten: Sie treffen eine Vorauswahl an Open Source Programmen und bieten sie in Form von fertigen Systemen an. Die Einbindung in die vorhandene IT-Infrastruktur und Anpassungen werden gleich mit übernommen. Und falls im laufenden Betrieb Fragen auftauchen, stehen sie mit Rat und Tat zur Seite. Auf diese Weise können auch kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigenes IT-Personal vom Besten aus beiden Welten profitieren: Quelloffene Software ohne Lizenzkosten sowie professioneller Support bei der Integration und Beseitigung von Problemen.


* Ralf Dyllick-Brenzinger ist Gründer und Co-Geschäftsführer des Mainzer Startups ionas.

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