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Online-Communities regeln den Schutz geistigen Eigentums selbst

Herrscht in Communities Raubrittertum? Eine aktuelle Studie des Instituts für Entrepreneurship & Innovation (E&I) der WU Wien belegt, dass Online-Communities den Umgang mit geistigem Eigentum und dessen Schutz selber regeln. Dies geschieht durch ein starkes informelles System an sozialen Normen, die das formale Recht wirksam ersetzen.

Online-Communities sprühen vor Ideen. In den riesigen und anonymen Foren sind traditionelle Schutzmechanismen wirkungslos.

Online-Communities sprühen vor Ideen. In den riesigen und anonymen Foren sind traditionelle Schutzmechanismen wirkungslos.

© Robert Kneschke - Fotolia.com

Online-Communities sprühen vor Ideen. Aber wie wird das geistige Eigentum der UserInnen geschützt? In den riesigen und anonymen Foren, bei denen Nutzer aus den unterschiedlichsten Kulturen und Rechtssystemen mitmachen, sind traditionelle Schutzmechanismen (Copyright, Rechtsweg, Überwachung durch das organisierende Unternehmen) wirkungslos.

Um die Existenz dieses Normensystems nachzuweisen sowie dessen Funktionieren zu verstehen führten die Forscher vom E&I Institut der WU Julia Bauer, WU-Professor Nikolaus Franke und Philipp Türtscher eine umfangreiche Fallstudie in der Threadless-Community durch. Threadless ist eine Online-Design-Community mit mehr als drei Millionen registrierten Nutzern. 

Die sieben IP Normen
Das System der Threadless-Community besteht aus sieben weit akzeptierten und zusammenhängenden Normen. Diese regulieren das Verhalten der Community-Mitglieder im Umgang mit geistigem Eigentum höchst effektiv und stellen die Basis für Innovation und Kollaboration innerhalb der Community dar. Eine der wichtigsten Normen ist, dass exaktes Kopieren verboten ist und ein Vergehen durch strenge, gemeinschaftliche Sanktionen geahndet wird. "Das Aufbauen auf Ideen von anderen Community-Mitgliedern ist erlaubt, sofern der Urheber gefragt und zitiert wird. Jedes Community-Mitglied ist angehalten, nach Kopien Ausschau zu halten und in unklaren Fällen andere Mitglieder darauf aufmerksam zu machen, um gemeinschaftlich eine Entscheidung zu treffen, ob es zu Sanktionen kommt oder nicht", erklärt Franke, Leiter des E&I Instituts.

Um zu prüfen, wie effektiv das ermittelte System wirklich ist, verletzten die Forscher es im Feldexperiment bewusst: Über ein halbes Jahr reichten sie unter falschen Namen Kopien bestehender Designs bei Threadless ein und beobachteten, ob das System mit dieser Herausforderung wie prognostiziert fertig werden würde. Das Ergebnis: Der größte Teil der Imitationen wurde von der Community entdeckt und scharf sanktioniert – im Regelfall innerhalb von wenigen Stunden. "Dies zeigt eindrucksvoll, wie mächtig das kollektive Normensystem der Community ist", so Franke.

Implikationen für die Praxis
Für Betreiber von Crowdsourcing-Communities bedeuten die Ergebnisse, dass nicht nur die Ideengenerierung an die Mitglieder der Community ausgelagert, sondern auch der Schutz geistigen Eigentums "crowdgesourced" werden kann.

Dies erfordert jedoch bestimmte technische Voraussetzungen der Plattform. Um ein funktionierendes normenbasiertes System zu gewährleisten, muss Transparenz, Aktivität und Empowerment der Mitglieder unterstützt werden. Beispielsweise sollte es möglich sein, dass zwischen den Mitgliedern der Community reger Austausch herrscht. Auch die Bewertung von Designs, öffentliche Diskussionen und die Möglichkeit zur Einsicht von früheren Arbeiten sind essentiell für das Funktionieren.

Neben den technischen Aspekten spielt Reputation eine wichtige Rolle, das heißt, dass Mitglieder aktiv am Normensystem teilnehmen. So können Plattformbetreiber zum Beispiel einen speziellen "Alumnus"-Status für besonders aktive Mitglieder einführen. Dies fördert die Bindung zur Community sowie zum Unternehmen und dient als Anreiz für andere Mitglieder, diesen Status zu erreichen.

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