Facebook bastelt an Hirn-Computer-Schnittstelle Facebook bastelt an Hirn-Computer-Schnittstelle - Computerwelt

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21.04.2017 Martin Bayer*

Facebook bastelt an Hirn-Computer-Schnittstelle

Gedanken lesen und direkt in einem Computer übertragen zu können - was sich derzeit noch wie Science Fiction anhört, soll nach den Plänen der Forscher in den Facebook-Laboren schon in wenigen Jahren Realität sein.

Facebook-Managerin Regina Dugan träumt davon, menschliche Gedanken direkt aus dem Gehirn in Worte dekodieren zu können.

Facebook-Managerin Regina Dugan träumt davon, menschliche Gedanken direkt aus dem Gehirn in Worte dekodieren zu können.

© Facebook

Für die Facebook-Verantwortlichen geht es längst um mehr als ihre klassische Social-Network-Plattform im World Wide Web. Die Betreiber des weltgrößten Social Network, das mittlerweile rund 1,9 Milliarden miteinander vernetzt, forcieren Entwicklungen, die offenbar völlig neue Formen der Interaktion zwischen Menschen ermöglichen sollen. Das wurde einmal mehr auf der Entwicklerkonferenz F8, die am 18. und 19. April im kalifornischen San Jose stattfand, deutlich, wo der Internet-Riese unter anderem zusätzliche Features für virtuelle Welten, Augmented Reality und künstliche Intelligenz vorstellte.

Und die Visionen reichen noch ein ganzes Stück weiter, wie Regina Dugan, Vice President für den Entwicklungsbereich von Facebook, berichtete. Ihren Angaben zufolge arbeitet ein über 60 Köpfe zählendes Forscherteam daran, Gedanken direkt aus dem Gehirn in getippte Wörter in einem Computer umzusetzen. "Das hört sich unmöglich an, aber es ist näher an der Realität, als man glaubt", sagte Dugan, die zuvor bei Google und der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gearbeitet hatte.

Neuronale Aktivitäten in Wörter übersetzen
Innerhalb der kommenden zwei Jahre will Facebook Systeme präsentieren, mit deren Hilfe 100 Wörter pro Minute durch die Messung neuronaler Aktivitäten des Gehirns in Sprache beziehungsweise geschriebene Wörter dekodieren. Mit dieser Technik sollen Menschen in die Lage versetzt werden, ihre Gedanken deutlich schneller mitzuteilen, als wenn sie diese erst in einen Computer eintippen müssten.

Die Idee, direkt das menschliche Gehirn anzuzapfen, um sich mitteilen zu können, ist nicht neu - gerade wenn es darum geht, Menschen mit Behinderungen im Kontakt und der Kommunikation mit ihrer Umwelt zu unterstützen. Wissenschaftler an der Stanford-Universität haben beispielsweise einer gelähmten Frau Elektroden in das Gehirn implantiert, mit deren Hilfe sie rund acht Worte pro Minute in einen Computer schreiben könne. Derart invasive Techniken wie Implantate seien allerdings für einen Massenmarkt nicht geeignet, betonte Facebook-Managerin Dugan. Man arbeite vielmehr an Sensoren für die Oberfläche des Kopfes, um neuronale Aktivitäten zu dekodieren.

Gedanken lesen
Die Technik sei nicht dazu gedacht, die geheimsten Gedanken von Menschen auszulesen, versucht Facebook möglichen Datenschutzbedenken von vornherein die Luft aus den Segeln zu nehmen. Die Menschen könnten selbst entscheiden, welche gedanken sie mitteilen möchten. Ein weiteres Feature der neuen Technik könnte auch sein, sich in anderen Sprachen ausdrücken zu können, sagte Dugan. Gedanken an bestimmte Gegenstände ließen sich direkt mit dem entsprechenden Fremdwort in anderen Sprachen umsetzen.

Das menschliche Gehirn produziere jede Sekunde einen Datenstrom, der der Menge von vier HD-Videofilmen entspreche, schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Blogpost. Sprache als Transportmittel, um Informationen an seine Umwelt weiterzugeben, könne allerdings nur einen winzigen Bruchteil davon mitteilen. Aus Sicht Dugans handelt es sich bei Sprache um einen äußerst "verlustbehafteten Kompressions-Algorithmus".

Mensch an Roboter
Nicht nur Facebook forscht daran, wie sich das menschliche Gehirn mit IT-Systemen koppeln lässt. Beispielsweise arbeitet das Massachussetts Institute for Technology (MIT) daran, wie sich Roboter per Gedanken steuern lassen. In dem seit rund zwei Jahren laufenden Projekt gehe es vor allem darum, die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern zu vereinfachen, erläuterte Frank Guenther, Professor für Neurowissenschaften. Roboter sollen künftig in der Lage sein, Signale eines menschlichen Gehirns zu erkennen und darauf zu reagieren, beispielsweise wenn es darum geht Fehler zu korrigieren. Über eine Elektrodenkappe auf dem Kopf misst das System die neuronalen Aktivitäten des Gehirns. Ein selbstlernender Machine-Learning-Algorithmus erkennt die charakteristische Gehirnaktivität, wenn der Mensch zum Beispiel einen Fehler beobachtet - zum Beispiel wenn ein Produkt in einem Lager falsch einsortiert ist - und initiiert eine Korrektur durch den Roboter.

Auch Tesla-Chef Elon Musk denkt darüber nach, wie sich das menschliche Gehirn mit Computern koppeln lässt. Der Milliardär hatte sich kürzlich an dem Unternehmen Neuralink beteiligt, das dafür geeignete Elektroden entwickeln will. Musk hält eigenen Angaben zufolge künstliches Nervengewebe für die Verbindung zu Computern für eine wichtige Zukunftstechnologie. Der Manager sprach von einer direkten Schnittstelle zur Hirnrinde, ohne jedoch näher zu erklären, wie das funktionieren könnte. Musk gilt als vehementer Kritiker von Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Wiederholt hat er davor gewarnt, dass der Mensch die Kontrolle über die von ihm selbst geschaffenen Maschinen verlieren könnte. Eine direkte Verbindung zwischen Mensch und Computer könnte aus seiner Sicht dabei helfen, die Maschinen unter Kontrolle zu behalten.

*Martin Bayer ist stellvertretender Chefredakteur bei der COMPUTERWOCHE.

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