Im Test: Nokia 3310 Im Test: Nokia 3310 - Computerwelt

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02.06.2017 Boris Boden*

Im Test: Nokia 3310

Der Rückkehrer unter der Lupe. Wie fällt das Verdikt für die Neuauflage des Kult-Handys aus?

Das Kult-Handy ist zurück.

Das Kult-Handy ist zurück.

© Nokia

Früher war alles besser – diesen Lieblingsspruch aller Nostalgiker hört man vor allem von Smartphone-Verweigerern immer wieder. Sie vermissen die Handys aus der guten alten Zeit, als es noch keinen Webzugang oder Apps gab – und erachten diese noch immer als völlig ausreichend für ihre Kommunikationsbedürfnisse.

All jenen, die am liebsten ihre alten Feature Phones für immer weiterverwenden würden, kann jetzt mit der Wiedergeburt des Nokia 3310, das vor 17 Jahren ein absoluter Bestseller war, etwas Neues geboten werden. Der finnische Hersteller HMD Global schaffte damit bereits einen öffentlichkeitswirksamen Erfolg auf dem Mobile World Congress im Frühjahr.

Dass das alte Nokia 3310 optisch eigentlich ein wenig attraktiver Klotz war, vergisst so mancher Nostalgiker gerne. Die Designer haben es deshalb gewagt, der Neuauflage ein runderes Gehäuse zu verpassen, das es in vier Farben gibt. Unser dunkelblaues Testmuster sieht deutlich unauffälliger aus als etwa die Versionen in glänzendem Orange oder Gelb. Beim Gewicht hat das Telefon eine echte Diät durchlaufen, denn der Neuling wiegt gerade einmal 80 Gramm, während das alte Modell stolze 133 Gramm auf die Waage brachte.

Das neue 3310 liegt gut in der Hand, auch die Verarbeitung ist solide. Geladen wird inzwischen über einen Micro-USB-Anschluss, der an der Oberseite des Handys für Ladestationen ungeeignet angebracht ist. Der 3,5-Millimeter-Headset-Stecker sitzt dagegen unten – umgekehrt wäre es praktischer. Das mitgelieferte Stereo-Headset klingt ganz ordentlich, das Kabel dient dem integrierten Radio als Antenne. Zudem kann das Handy als MP3-Player genutzt werden.

Ein Update hat das Display erhalten, das nicht nur um einen Drittel grösser geworden ist, sondern nun auch farbig erstrahlt. Die magere Auflösung von 240 × 320 Bildpunkten lässt einzelne Pixel deutlich erkennen, doch zum Telefonieren und Texten ist die Anzeige eigentlich völlig ausreichend. Zur Bedienung gibt es hier keinen Touchscreen, sondern nur die Zifferntastatur und die Tasten unter dem Display. Während die Ziffern gross genug sind, ist vor allem der Ring um die Menütaste recht klein geraten und muss vom Anwender gut getroffen werden.

Dass früher nicht alles besser war, zeigt das Schreiben einer SMS durch wiederholtes Drücken der Ziffern, bis der gewünschte Buchstabe erscheint. Die T9-Software ist da nur eine kleine Hilfe. So ist es zumindest kein grosses Manko, dass angesichts solcher Tippschwierigkeiten Messaging-Dienste wie WhatsApp gar nicht erst genutzt werden können: Zum einen, weil das Series-30-Betriebssystem von Nokia nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Installation von Apps bietet, zum anderen, weil Datenverbindungen nur mit GPRS-Tempo möglich sind, also praktisch kein erträglicher Webzugang möglich ist. Kartendienste sind somit auch nicht nutzbar, aber einen GPS-Empfänger gibt es ja ohnehin nicht. Dass auch kein WLAN möglich ist, wundert eigentlich auch nicht mehr.

Einfache Bedienung
Einst war Nokia für die einfache intuitive Bedienung seiner Feature Phones berühmt. Wer das schätzte, wird das 3310 lieben, denn es hat eine ähnlich klare Menüstruktur. Die heutige Generation Smartphone wird sich allerdings nicht nur über die ungewöhnliche Texteingabe wundern, sondern auch mit den Softkeys und dem Hauptmenü eher wenig anfangen können.

Eine eher überflüssige Retro-Erfahrung ist dagegen der minimale interne Speicher von 16 Megabyte – das ist kein Tippfehler –, in den gerade einmal ein Dutzend Fotos oder eine halbe Minute Video passen. Doch immerhin hat das neue 3310 im Gegensatz zu seinem Urahnen einen MicroSD-Slot bekommen, der maximal 32 Gigabyte grosse Karten fasst, was dann für sehr viele Bilder reicht.

Allerdings wird wohl niemand wirklich öfter mit der einzig vorhandenen Kamera auf der Rückseite fotografieren wollen, denn deren Qualität ist sehr bescheiden. Vor allem auf dem Handy-Display erscheint alles unscharf und blass. Auf einem PC sehen die Bilder aber etwas besser aus, sodass man die Kamera zumindest für Notfälle nutzen kann. Die Leuchte neben der Linse hilft übrigens nicht dabei, allzu viel Licht ins Spiel ins Spiel zu bringen – sie ist aber zumindest als Taschenlampenersatz sinnvoll.

Am Ende gibt es aber auch noch eine sehr positive Eigenschaft des Nicht-Smartphones zu erwähnen – und das ist der Akku: Mit 1200 mAh ist er zwar nur halb so gross wie bei aktuellen Smartphones, doch angesichts des geringen Strombedarfs der Hardware reicht die Leistung für mehrere Wochen Stand-by-Zeit aus. Ausserdem kann er mit einem Handgriff ausgetauscht werden.

Fazit
Die Neuauflage des Nokia 3310 ist mehr als eine nette Reise in die Vergangenheit. Wer mal eben ein Zweit-Handy sucht oder bewusst auf ein Smartphone verzichten will, wird hier fündig. Es gibt zwar andere Feature Phones – etwa von Doro oder Emporia –, die zu ähnlichen Preisen mehr können, aber das Image und das Design machen das Nokia 3310 zu etwas Besonderem.

Die meisten Menschen werden aber wohl nicht auf Messaging-Dienste sowie mobilen Internetzugang verzichten wollen und deshalb eben ein Smartphone kaufen. HMD Global muss nach diesem ersten Aufschlag der wiederbelebten Marke Nokia nun beweisen, dass es auch dieses Thema beherrscht.

*Der Autor Boris Boden ist Redakteur von PCTIPP.

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