UBIT Wien: "Gratis-Tablets sind für den digitalen Wandel nicht genug" UBIT Wien: "Gratis-Tablets sind für den digitalen Wandel nicht genug" - Computerwelt

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20.07.2017 Klaus Lorbeer/pi

UBIT Wien: "Gratis-Tablets sind für den digitalen Wandel nicht genug"

Nach der OECD-Kritik am Digitalisierungsstand in Österreich wird auch der Ruf nach kostenloser Hardware für Schulkinder wieder lauter. Die Fachgruppe UBIT Wien meldet sich hier kritisch zu Wort.

Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien: "Die Digitalisierung wartet nicht auf uns, bis wir endlich soweit sind. Wir müssen uns jetzt anpassen, damit wir die Chancen nutzen."

Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien: "Die Digitalisierung wartet nicht auf uns, bis wir endlich soweit sind. Wir müssen uns jetzt anpassen, damit wir die Chancen nutzen."

© Foto Weinwurm

Laut dem aktuellen Länderbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schneiden die Österreicher bei den IT-Kenntnissen nur durchschnittlich ab. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, soll die Digitalisierung der Schulbildung vorangetrieben und Schulkinder mit kostenlosen Laptops und Tablets versorgt werden. Laut der Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) brauche es aber effektivere Maßnahmen und vor allem gut ausgebildete IT-Fachkräfte, nicht nur Hardware und digitale Grundkenntnisse. Dazu Fachgruppen-Obmann Martin Puaschitz: "Gratis-Tablets sind ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch eindeutig zu wenig, um Österreich im digitalen Bereich nachweislich voranzubringen."

Am Montag wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der Österreich-Länderbericht präsentiert. Neben den positiven Aussagen über den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes sieht die OECD jedoch klaren Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung. Vor allem das allgemein schwache IT-Bildungslevel der Bevölkerung wird darin bemängelt. Die Gegenmaßnahmen sollten bereits im Schulalter ansetzen und unter anderem beinhalten, den Kindern digitales Knowhow zu vermitteln. Von Regierungsseite wurde dazu erneut die Forderung nach gratis Laptops und Tablets für alle Schulkinder aufgegriffen. Für die Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) würde die kostenlose Hardware aber nicht das Problem lösen. "Gratis-Tablets sind ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch eindeutig zu wenig, um Österreich im digitalen Bereich nachweislich voranzubringen," erklärt Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien und ergänzt: "Ein auf die Entwicklung angepasster Lehrplan und digital affines Lehrpersonal sind die eigentlichen Dinge, die wir brauchen, nicht bloß digitale Lehrmittel." Dazu muss neben Informatik auch auf die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften und Technik ein stärkerer Fokus gelegt werden. Die Regierung hat mit der "Digital Roadmap" bereits einige Ansätze vorgelegt, die in diese Richtung gehen und eine Verbesserung der Ausbildung für Pädagogen und Pädagoginnen vorsehen. Laut Puaschitz müssen diese nun aber auch zeitnah umgesetzt werden. Auch die OECD schlägt als Maßnahme konkrete Zeitpläne und messbare Zielvorgaben dieser Roadmap vor, um die Umsetzung voranzutreiben und Qualität zu garantieren.

Spezialisten sollen digitales Knowhow pushen
Darüber hinaus braucht es nach Angaben der Fachgruppe vor allem Spezialisten, um den digitalen Wandel in Österreich zu pushen und den Anschluss nicht zu verlieren, anstatt nur allgemeine digitale Grundkenntnisse. "Vor allem für Wien hat der Software- und IT-Bereich bereits eine große wirtschaftliche Bedeutung. So erzielt die Branche aktuell einen Spitzenwert von rund 2,7 Prozent der gesamten Wiener Wertschöpfung", weiß Puaschitz. "Digitales Knowhow auf höchstem Level wird also immer wichtiger, doch schon jetzt ist IT-Expertise Mangelware." Laut Umfragen fehlen aktuell 3.000 IT-Fachkräfte allein in Österreich, Tendenz steigend. Laut der EU-Kommission wird es bis 2020 europaweit sogar eine Lücke von rund einer Million Arbeitskräfte in der IT-Branche geben.

Fachkräftemangel: UBIT Wien fordert mehr Informatik-Studienplätz 
Daher plädiert die Fachgruppe dafür, neben der digitalisierten Schule auch Maßnahmen zu setzen, um diesem Bedarf rasch und konsequent entgegenzuwirken. Ein dringendes Anliegen der Branche wäre hier die Erhöhung der Studienplätze im Informatik-Bereich, anstatt diese wie bei der TU Wien und Universität Wien zu kürzen. Aber nicht nur Akademiker sind gefragt, auch Lehrlinge werden in diesem Bereich gesucht. Durch die Ausbildung on-the-job bietet die Lehre sowohl für Unternehmen als auch für den Auszubildenden oftmals sogar mehr Vorteile als ein Studium, so die Fachgruppe. Zudem können diese viel früher mit ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. 

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