Lernbüro am TGM geht in die Fortsetzung Lernbüro am TGM geht in die Fortsetzung - Computerwelt

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28.08.2017 Klaus Lorbeer/pi

Lernbüro am TGM geht in die Fortsetzung

Das TGM, Wiens größte HTL, erprobte ein Jahr lang das Lernen ohne Frontalunterricht und mit für Schüler freier Stundenplanwahl. Die Schüler gehen nicht in die Klasse, sondern ins „Lernbüro“ und erarbeiten sich das Wissen selbst. Ergebnis: Die freie Methode erzielte gute Noten, sie wird erweitert. Die WU Wien untersucht den Schulversuch in einer Studie.

In einem Lernbüro des TGM erarbeiten sich die Schüler das Wissen selbstständig, die Lehrerin trägt nicht mehr Stoff vor, sondern hilft mit und beantwortet individuelle Fragen.

In einem Lernbüro des TGM erarbeiten sich die Schüler das Wissen selbstständig, die Lehrerin trägt nicht mehr Stoff vor, sondern hilft mit und beantwortet individuelle Fragen.

© TGM/Hetzmannseder

Die Schüler schätzen das Lernbüro sehr“, schildert Karl Reischer, Direktor des TGM. „Sie empfinden es zwar als anstrengender, aber auch als interessanter, es macht mehr Spaß.“ Im ersten Jahr hatten die Schüler die Möglichkeit, sich aus dem Schulversuch abzumelden und auf einen konventionellen Stundenplan umzusteigen. Kein einziger wollte wechseln.
Das TGM ist die erste technische Schule, die ein richtiges Lernbüro betreibt. Das weckte Aufmerksamkeit. 23 Schulen aus ganz Österreich schickten Vertreter zum TGM, um die neue Unterrichtsform zu beobachten. Sogar aus Griechenland reiste eine Delegation an. Die Wirtschaftsuniversität Wien, Abteilung für Bildungswissenschaft, führt eine laufende Untersuchung des Modells über mehrere Jahre durch.

Lehrer wird zum Coach
Die Grundidee lautet, dass die Schüler sich ihr Wissen selbst aneignen. Einen starren Stundenplan gibt es nicht mehr, jeder entscheidet selbst, welchen Stoff er gerade lernen möchte. Wer in Mathematik weiterkommen will, geht ins „Mathematik-Lernbüro“. Dort stehen den Schülern PC-Arbeitsplätze und ein Mathematiklehrer zur Verfügung. Eine Sitzgruppe lädt ein, zu lesen und sich mit anderen auszutauschen. Den Stoff erarbeitet man eigenständig am Computer, wenn Fragen auftauchen, hilft der Lehrer. Damit ändert sich die Rolle des Lehrers ganz wesentlich, er wird zu einem Coach, der Fragen beantwortet. 
Schularbeiten finden genauso statt wie bisher. Die Lernarbeit bis dahin muss sich jeder selbst einteilen. So üben die Jugendlichen, sich zu organisieren.
„Die Methode soll jungen Menschen beibringen, selbst an ihrer Entwicklung zu arbeiten“, beschreibt Reischer. „Es geht um Motivation, Eigenverantwortung, weniger Frust und besseres Lernen.“

Harte Zahlen in Mathematik
Ob ein so freies Lernen an einer technischen Schule tatsächlich funktioniert, war anfangs keinesfalls sicher; das sollte die Praxis zeigen. Im Herbst 2016 startete das TGM den Schulversuch mit Anfängern im Ausbildungszweig Informatik (9. Schulstufe). Zwei Klassen begannen mit dem Lernbüro, parallel dazu besuchten zwei weitere Klassen einen herkömmlichen Unterricht. 
Das ermöglichte einen direkten Vergleich. Im ersten Semester mussten sich die Schüler – und die Lehrer (!) –noch an den neuen Stil gewöhnen. Im zweiten Semester spielten sich die Abläufe langsam ein. Ausgerechnet in Mathematik, einem harten Fach, überholte das Lernbüro den Frontalunterricht sogar. Im Durchschnitt waren die Jahresendnoten in beiden Formen ähnlich. Im Lernbüro fielen allerdings weniger Wiederholungsprüfungen an.
Es könnte noch besser werden. Gottfried Koppensteiner, Abteilungsvorstand für Informatik und Initiator des Schulversuchs, hegt große Erwartungen. „Ab Herbst 2017 haben wir zwei Jahrgänge im Lernbüro. Beide Jahrgänge besuchen das Lernbüro gleichzeitig, übergreifend über die Schulstufen. Die Älteren lernen zusammen mit den Jüngeren, das bewirkt noch mehr Dynamik.“ Zugleich passt das TGM die Methode laufend an die Erfahrungen an. Das soll sich auch in den Noten niederschlagen, so Koppensteiner: "„Mir schwebt vor, dass im zweiten Jahrgang keiner mehr durchfällt.“"

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