Ethikrat soll Regeln für autonome Autos aufstellen Ethikrat soll Regeln für autonome Autos aufstellen - Computerwelt

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24.11.2017 Klaus Lorbeer/pi

Ethikrat soll Regeln für autonome Autos aufstellen

Selbstfahrende Autos entscheiden nach vorgegebenen Grundsätzen. Dabei ist vieles noch nicht geklärt und wirft ethische Fragen auf. Ein Beispiel: Wenn unerwartet ein Fußgänger auf die Straße läuft oder der Vordermann bremst, sollen dann in erster Linie die Insassen oder andere Verkehrsteilnehmer geschützt werden? Ein Ethikrat könnte Abhilfe schaffen.

Entgegengesetzte Ansichten: Die Autobranche ist für einen Ethikrat, die Bevölkerung eher dagegen.

Entgegengesetzte Ansichten: Die Autobranche ist für einen Ethikrat, die Bevölkerung eher dagegen.

© BITKOM

Späße des Beifahrers, die Bedienung von Instrumenten oder Ereignisse am Fahrbahnrand lenken einen menschlichen Fahrer vom Verkehrsgeschehen ab. Ein Fahrassistent lässt sich davon nicht beeindrucken. Doch nach welchen Grundsätzen die Technik handelt, wenn unerwartet ein Fußgänger auf die Straße läuft oder der Vordermann bremst, ist noch nicht abschließend geklärt. 

Laut einer Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom unter Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern von Unternehmen der Automobilindustrie mit 20 oder mehr Mitarbeitern fordert die große Mehrheit in der Automobilbranche (86 Prozent), dass ein Ethikrat oder eine ähnliche, unabhängige Instanz festlegen soll, wie ein selbstfahrendes Auto in Gefahrensituationen agiert.

Dabei geht es etwa um die Frage, ob in erster Linie die Insassen oder andere Verkehrsteilnehmer geschützt werden sollen. Deutschland hat eine besonders starke Autoindustrie, weswegen unser nördlicher Nachbar hier besonders gefordert ist. Bereits im Sommer hat die Ethik-Kommission des deutschen Bundesverkehrsministeriums erste Leitlinien für die Programmierung automatisierter Fahrsysteme veröffentlicht. Den Softwareanbieter, der die Künstliche Intelligenz für das selbstfahrende Auto entwickelt, sehen nur 4 Prozent in der Pflicht, Regeln aufzustellen. Ähnlich halten die Unternehmen es mit dem Gesetzgeber (3 Prozent) und den Automobilherstellern selbst (2 Prozent). "Autonome Autos werden das Fahrerlebnis verändern und unseren Verkehr revolutionieren. Aber das autonome Fahren wirft auch ethische Fragen auf", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Die Diskussion dieser Fragen darf aber nicht zur Innovationsbremse werden. Auch wenn im jeweiligen Einzelfall eine automatische Entscheidung nur sehr schwer vorzugeben ist: Unter dem Strich werden autonome Fahrzeuge die Zahl der Verkehrsunfälle und Unfallopfer massiv reduzieren."

Die Frage, wer die Verhaltensrichtlinien für autonome Fahrzeuge aufstellt, beantworten die Entscheider der Automobilbranche ganz anders als ihre Kunden. So möchte jeder dritte Deutsche (34 Prozent) die Klärung ethischer Fragen um autonome Fahrzeuge Forschungseinrichtungen überlassen. Jeder Vierte sieht die Autohersteller selbst in der Verantwortung (25 Prozent), ähnlich viele wünschen sich eine Entscheidung des Gesetzgebers (24 Prozent). Nur 11 Prozent sprechen sich für einen Ethikrat oder eine ähnliche unabhängige Instanz aus. 

Nicht vergessen darf man bei dieser Diskussion, dass die Technik nur die eine Seite der Medaille ist, die andere und wahrscheinlich politisch wichtigere ist die Frage nach der Verantwortung, also wer ist im Fall eines Unfalls haftbar?

Bitkom-Konferenz in Berlin
Um aktuelle Fragen rund um das autonome Fahren geht es am 27. November auf der "Digital Mobility Conference" des Bitkom. 200 Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen des Mobilitätssektors diskutieren dabei in Berlin unter anderem über den rechtlichen Rahmen der neuen Mobilität sowie intermodale Verkehrsdaten. Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es unter https://digital-mobility.berlin/de.

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