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24.04.2009 Michaela Holy

Der Wiener Töchtertag 2009

Am 8. Wiener Töchtertag haben sich etwa 3.200 Mädchen 166 Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Technik und Naturwissenschaften angesehen.

Die Idee für den Girls' Day, auch Töchtertag genannt, stammt aus den USA. An diesem Tag besuchen Schülerinnen ihre Eltern und Bekannten am Arbeitsplatz und bekommen so einen Einblick in deren Berufsleben. In speziellen Workshops haben die Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren Berufsbilder kennengelernt die mehr Chancen bieten, als die so genannten "klassischen Frauenberufe" wie Friseurin oder Einzelhandelskauffrau.

"Insgesamt haben in den letzten acht Jahren über 17.000 Wiener Mädchen am Töchtertag Berufe in zukunftsorientierten Branchen kennen gelernt. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte", freut sich die Initiatorin, Wiens Frauenstadträtin Sandra Frauenberger. 2002 ging der erste Töchtertag mit nur einem Betrieb und 200 Mädchen über die Bühne. Seither findet der Töchtertag jedes Jahr am 4. Donnerstag im April statt. Und jedes Jahr machen mehr Betriebe und Mädchen mit. Heuer waren ein Viertel der 166 Betriebe zum ersten Mal beim Töchtertag dabei. Unter den Neuzugängen fanden sich Unternehmen wie die Internationale Atom Energie Behörde, Radio FM4 oder die Wiener Philharmoniker.

"Technische und handwerkliche Berufe haben Zukunft und bieten Mädchen und Frauen die Chance auf eine Berufstätigkeit mit guten Verdienstmöglichkeiten. Der Töchtertag ist eine ausgezeichnete Gelegenheit für Mädchen, sich selbst ein Bild über verschiedene Berufsbilder zu machen", so Frauenberger.

Dass noch viel Bewusstseinsarbeit notwendig ist, zeigen die Zahlen: Auch 2008 waren immer noch 51,47 Prozent der weiblichen Lehrlinge in den "klassischen" weiblichen Lehrberufen Einzelhandels-, Bürokauffrau und Friseurin beschäftigt. Stellt man zum Beispiel das Einstiegsgehalt einer Friseurin von 1.100 Euro dem einer Automechanikerin von 1.610 Euro gegenüber, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache zugunsten technischer Berufe.

DIE TEILNEHMER Einige Besucherinnen hatten die Möglichkeit, sich über die Leistungen des IT-Dienstleisters des Bundes, des BRZ, zu informieren. Dabei stand nicht nur die IT selbst im Mittelpunkt, sondern auch der Arbeitgeber BRZ, der seinen Mitarbeitern vielseitige Möglichkeiten bietet, die Karriere individuell zu planen und zu gestalten, um mit ihrer Arbeit im Gleichgewicht zu bleiben. In Workshops hatten die Besucherinnen die Möglichkeit, in die Arbeitsweise eines Rechenzentrums zu schnuppern. „Für uns ist es wichtig, gerade Mädchen die Chance zu bieten, bestehende Rollenklischees aufzubrechen und in einem zukunftsorientierten Bereich wie der IT-Branche Fuß zu fassen,“ betont Geschäftsführerin Christine Sumper-Billinger. Das BRZ bietet Lehrlingen neben der Ausbildung zum IT-Techniker seit 2007 auch die Möglichkeit, eine Lehre im kaufmännischen Bereich zu absolvieren. Weiterbildungsprogramme stehen auch den langjährigen BRZ-Mitarbeitern zur Verfügung – insbesondere ein eigens auf Frauen abgestimmtes Mentorship-Programm hat zum Ziel, die Anzahl der weiblichen Führungskräfte im Unternehmen zu erhöhen und damit auch die Motivation zu fördern.

In diesem Jahr nahmen über 200 Mädchen an den 20 Workshops in den Siemens-Standorten Floridsdorf, Simmering und Erdberg teil. Seit 2002 haben über 13.000 Mädchen den Wiener Töchtertag genutzt, um sich über Alternativen zu klassischen Frauenberufen zu informieren. Siemens Österreich war bereits 2002 als einziges Unternehmen Exklusiv-Partner des ersten Töchtertages und unterstützte diese Aktion heuer zum achten Mal. "Eine sich verändernde Weltwirtschaft bedeutet auch sich ändernde Anforderungen an junge Potenziale und somit eine große Chance für die Technikerinnen von morgen. Mädchen und junge Frauen verfügen meist über Geschick, Kreativität und hohe Eigeninitiative, die ideale Voraussetzungen für technische Berufe sind", so Brigitte Ederer, Vorstandsvorsitzende Siemens Österreich. Heuer standen die Berufsbilder Metallbearbeitungstechnikerin, Konstrukteurin, Elektronikerin, Schlosserin, Werkzeugmacherin, Mechanikerin und Mechatronikerin, Testerin, Monteurin, KFZ-Mechanikerin, Betriebsgastronomiemanagerin, Elektroenergie- und IT-Technikerin, Verpackungstechnikerin, Projektmanagerin und Industriekauffrau im Mittelpunkt des Töchtertags bei Siemens in Wien. Zusätzlich konnten Workshops zu den Themen Mobiltelefonie, Arbeitssicherheit, Energie, Gebäude- und Installationstechnik besucht werden sowie ein Bewerbungstraining, die Werksführung "Praxisnahes Erleben der Produktionen" oder einen Personality Check absolviert werden. In der Lehrwerkstätte bestand für die Mädchen die Möglichkeit sich mit gleichaltrigen Auszubildenden auszutauschen und unter deren Anleitung Werkstücke zu fertigen.

Auch bei Ditech konnten sich interessierte Mädchen als Technikerinnen versuchen. Alexandra Izdebska, Mitgründerin und Geschäftsführerin bei Ditech, steht selbst für eine erfolgreiche Karriere in der IT-Branche. Selbst Mutter einer Tochter, liegt ihr der Töchtertag daher besonders am Herzen. "Wir möchten den jungen Damen einen möglichst breiten Einblick in unser Unternehmen geben. Die Mädchen durften sogar selbst einen funktionsfähigen PC zusammenbauen", so Izdebska. Bei einer Führung durch die Ditech-Zentrale lernten die Mädchen die verschiedenen Geschäftsbereiche des Unternehmens kennen, von der Beratung bis hin zur Konfiguration eines PC. Damit will Ditech klassische Klischees abbauen und die Vielfalt eines IT-Berufs aufzeigen. "Es war echt spannend auszuprobieren, wie ein Computer zusammengebaut wird. Ich kann mir schon vorstellen Technikerin zu werden", erzählt eine junge Teilnehmerin. "Es ist uns sehr wichtig, noch mehr weibliche Mitarbeiter in unsere Teams zu holen, da sich Frauen und Männer in der IT optimal ergänzen", erklärt Alexandra Izdebska.

Am "Girls’ Day im Bundesdienst" hat sich heuer erstmals auch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) beteiligt. "Der Girls’ Day ist eine wichtige Chance, den jungen Mädchen Einblicke in für sie möglicherweise noch unbekannte und untypische Berufe zu geben und gleichzeitig die Scheu davor zu nehmen. Er bietet außerdem die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre mit jenen zu sprechen, die in diesen Berufen tätig sind", so Wissenschaftsminister Johannes Hahn. "Diese Erfahrung lässt sich in keinem Berufsinformationsblatt nachlesen", so Hahn.

 

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