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11.05.2009 Rudolf Felser

Gewerkschaft und UBIT im Clinch

Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier übt Kritik an den Arbeitsbedingungen in der IKT-Branche, die UBIT kontert.

IKT-Betriebsräte haben wiederholt massive Klagen über die mangelnden Kontrollen der Arbeitszeiten in der Branche vorgebracht. Eine Erweiterung der Kontrollen durch das Arbeitsinspektorat sei daher notwendig, so die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Sie fordert eine rasche Aussprache mit den zuständigen Stellen, um eine "essentielle Verbesserung der Situation" herzustellen.

Bestätigt werde dies auch durch eine von der AK-Wien, der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) und der GPA-djp in Auftrag gegebene Studie über die Arbeitsbedingungen im IKT-Bereich. Die Betriebsräte und die GPA-djp seien nicht mehr länger bereit, "diesen Zuständen tatenlos zuzusehen", steht in einer Aussendung der GBA-djp zu lesen. Bisherige Eingaben von groben Verfehlungen hätten bislang nicht die gewünschten Erfolge gebracht.

Erschwerend käme hinzu, dass wiederholt Beschäftigte über so genannte "doppelte" Arbeitszeitaufzeichnungen berichten würden, also Beschäftigte nach dem "Ausloggen" einfach weiterarbeiten. Insbesondere in der IT-Branche, für die der Fachverband Informationstechnologie und Unternehmensberatung (UBIT) zuständig ist, würden sich in letzter Zeit die Probleme häufen.

"Neben der arbeitsmedizinischen Seite sind permanente Arbeitszeitüberschreitungen als betriebsorganisatorischer Regelfall auch vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise aus arbeitsmarktpolitischen Überlegungen nicht länger tragbar. Wir fordern daher einen IKT-Arbeitszeitgipfel, auf dem gemeinsam mit Sozialministerium, dem Arbeitsinspektorat und den zuständigen Vertretern in der Wirtschaftskammer Lösungen zur Überwindung dieses untragbaren Zustandes gefunden werden", sagt der stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Proyer.

SEYRUCK KONTERT "Die Gewerkschaft der Privatangestellten muss endlich ihre billigen Profilierungsversuche - etwa mit unhaltbaren Vorwürfen, Behauptungen, ja sogar Unterstellungen in Sachen Arbeitszeiten - einstellen und wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren", hält sich Wilfried Seyruck, Obmann-Stellvertreter des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) und Obmann der UBIT-Fachgruppe Oberösterreich, nicht mit Kritik an seinem Gegenüber zurück. "Sonst wird es nämlich teuer - und zwar für die in Österreich im IT-Bereich beschäftigten Menschen", so der Chefverhandler der Arbeitgeberseite bei den Kollektivvertragsverhandlungen zwischen dem Fachverband UBIT und GPA-DJP.

Er kritisiert scharf, dass es von Seiten der Arbeitnehmer-Interessenvertretung bisher keinerlei schriftliche Stellungnahme zu einem Angebot der Arbeitgeber gäbe: "Unser Angebot sieht eine Erhöhung der Mindestgrundgehälter um 3,2 Prozent, in höheren Verwendungsgruppen sogar um vier Prozent vor. Das ist weit mehr als die derzeitige Inflationsrate", so Seyruck.

Dieses Angebot liege dem Verhandlungs-Vis-a-vis bereits seit mehreren Wochen schriftlich vor. "Durch augenscheinliches Negieren enthalten den Beschäftigten ausgerechnet die Interessenvertreter der Arbeitnehmer eine Gehaltserhöhung vor. Das geht konkret zu Lasten der Menschen, die weniger Geld in der Tasche haben, und es bedeutet, dass eine dringend notwendige Stärkung der Kaufkraft ebenfalls ausbleibt", betont er. Seyruck appelliert seinerseits an die GPA, zu verantwortungsvollem Agieren zurückzukehren: "Das gemeinsame Ziehen an einem Strang ist gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit wie der jetzigen mehr denn je gefragt und notwendig."

GPA ANTWORTET "Wenn der Chefverhandler der Arbeitgeber in der IT-Branche Wilfried Seyruck in einer Aussendung behauptet, der Fachverband wäre den Forderungen der Beschäftigten bei den KV-Verhandlungen bereits weitgehend nachgekommen, so verschweigt er offenbar bewusst, dass es im Kern der Auseinandersetzung um die Etablierung einer tatsächlichen IST-Erhöhung im IT-Kollektivvertrag geht und nicht nur um Mindestgrundgehaltserhöhungen die auf Grund der hohen Überzahlungen im IT Bereich nur einige wenige Beschäftige treffen", erklärt Proyer auf Anfrage vom Computerwelt.at.

Seit Monaten würden die Betriebsräte und die GPA-djp Druck für die Etablierung einer IST-Erhöhung für die etwa 35.000 Beschäftigen in der IT-Branche machen. "Erhöhungen der IST-Gehälter sind in vergleichbaren Branchen üblich und es ist überhaupt nicht einzusehen, warum sich die Verhandler der IT Arbeitgeber standhaft weiterhin dagegen zur Wehr setzen", so Proyer. "Zudem wurde die Initiative der GPA-djp, die Arbeitszeitprobleme im IT-Bereich gemeinsam mit den zuständigen Behörden zu beleuchten und auch im IT Bereich vertretbare Arbeitszeiten sicher zu stellen vom Arbeits- und Sozialministerium positiv aufgenommen", so Proyer weiter.

Neben der laufenden Aktion (eine Art "Dauer-Demo") vor der WKÖ in der Wiedner Hauptstraße täglich zwischen 9 Uhr und 16:30 Uhr, wollen sich die Beschäftigten und ihre Betriebsräte der IT-Branche auch an der Gewerkschaftskundgebung am kommenden Mittwoch, den 13. Mai 2009 beteiligen, um ihrer Forderungen nach einem Kollektivvertragsabschluss Nachdruck zu verleihen, kündigte Proyer an. (rnf) (rnf)

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