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14.05.2009 apa

Halbleiterindustrie als Frühindikator

Die von der globalen Wirtschaftskrise besonders gebeutelte Halbleiterindustrie könnte das Schlimmste bereits überstanden haben.

Die von der globalen Wirtschaftskrise besonders gebeutelte Halbleiterindustrie könnte das Schlimmste bereits überstanden haben. Und noch besser: Als Frühindikator für die allgemeine Konjunkturentwicklung könnte die Erholung der Branche auch einen Aufschwung der Wirtschaft insgesamt einläuten, hofft die Infineon-Chefin in Österreich, Monika Kircher-Kohl. Infineon verzeichne je nach Division zum Teil mit zweistelligen Raten steigende Auftragseingänge, berichtete Kircher-Kohl im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Die Erfahrung zeige, dass die Halbleiter-Branche auf Konjunkturschwankungen immer besonders frühzeitig und stark reagiere, sowohl nach oben als auch nach unten, erklärte die Infineon-Chefin. So sei der Halbleitermarkt im vierten Quartal 2008 weltweit um 24 Prozent eingebrochen und im ersten Quartal 2009 sogar um 30 Prozent. In Europa sei der Einbruch noch dramatischer ausgefallen, mit einem Rückgang von 28 bzw. 35 Prozent.

Damit dürfte der Tiefstpunkt aber bereits überschritten sein, seit zwei Monaten verbuche man wieder steigende Auftragseingänge. Am Infineon-Standort Villach, der zu mehr als 50 Prozent für die Autoindustrie produziere, sei die Auslastung von 35 Prozent zu Jahresbeginn inzwischen auf über 60 Prozent gestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklung werde man "noch einige Monate auf Sparkurs bleiben, um den Investoren zu zeigen, dass wir das Cash-Management beherrschen".

Dass die Erholung der Halbleiterindustrie genauso rasch erfolgen wird wie der Einbruch, glaubt Kircher-Kohl nicht. "Erst in zwei bis drei Jahren werden wir in Summe wieder die Zahlen erreichen, die wir als gesamter Markt hatten." Man dürfe sich auch keinen falschen Hoffnungen hingeben, was die Beschäftigung angehe, sagte Kircher-Kohl. "Wenn wir wieder auf Volllast oder sogar auf Überlast gehen, werden wir auf keinen Fall wieder die selbe Mannschaftsstärke brauchen." Durch die ständig steigende Produktivität könne man mit der selben Mitarbeiterzahl immer mehr produzieren.

KEIN WEITERER STELLENABBAU Ein weiterer Stellenabbau bei Infineon Österreich sei "aus heutiger Sicht nicht notwendig", betonte die Vorstandschefin. Die Instrumente, die man bisher genützt habe, seien wahrscheinlich ausreichend.

Es sei sehr wichtig, dass man - nach den Erfahrungen der Halbleiterkrise im Jahr 2001 - im vergangenen Jahr sehr rasch gehandelt habe. Im Mai und Juni 2008 habe man die ersten Einbrüche gesehen und bereits im Juli die ersten Sparmaßnahmen gesetzt. 350 Mitarbeiter aus dem Stammpersonal wurden abgebaut - und es sei richtig gewesen, diese Kündigungen schon damals vorzunehmen, weil der Arbeitsmarkt in Kärnten die betroffenen Mitarbeiter zu dem Zeitpunkt noch habe aufnehmen können, erklärte Kircher-Kohl. Darüber hinaus habe man unter anderem Urlaubsguthaben aufgebraucht, was durch die Auflösung der entsprechenden Rückstellungen zehn Mio. Euro gebracht habe.

Weil das nicht ausgereicht habe, befänden sich seit April rund 1.300 der 2.300 eigenen Mitarbeiter für sechs Monate in Kurzarbeit. Darüber hinaus habe man etwa 300 Zeitarbeiter abgebaut. Für das Instrument der Kurzarbeit habe man sich entschieden, obwohl es unflexibel und auch sonst kein gutes Instrument sei, "aber wir wollten ein positives Signal an die Mitarbeiter setzen und ihnen zeigen, dass wir sie behalten wollen".

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