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18.05.2009 Rudolf Felser

Heimische Software-Branche und die Wirtschaftskrise

Die IT-, Software- und Beratungs-Branche muss immer mehr feststellen, dass die Wirtschaftskrise auch die Industrie erreicht hat.

Die heimischen Informationstechnologie-, Software- und Beratungsunternehmen müssten heute immer mehr feststellen, dass die Wirtschaftskrise nach den Banken nun auch die Industrie erreicht hat, so der VÖSI, Interessensvertretung der österreichischen Softwareproduzenten und Dienstleister. Deswegen hat der VÖSI nicht nur einen Forderungskatalog an die Österreichische Bundesregierung gestellt, sondern außerdem im Rahmen seines Jahrespressegesprächs mit namhaften Experten die aktuelle Situation der Österreichischen Software-Branche beleuchtet.

Am Podium waren neben den VÖSI-Vertretern Peter Kotauczek, als Präsident, und Manfred Prinz, als Vizepräsident, auch Arthur Winter, Sektionschef Sektion V - IT-Sektion, Bundesministerium für Finanzen und Präsident der ADV, und Robert Bodenstein, Obmann-Stv. Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Wien.

Übereinstimmend herrschte die Meinung, dass die Krise auch in der IT-Branche angekommen ist, dass sie jeden betrifft, aber in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Robert Bodenstein überzeugte mit beeindruckenden Zahlen und Statistiken, dass Österreich ein "heimliches Softwareland" ist. Neben der Software gäbe es in Österreich kaum ein anderes "Intelligenzprodukt", das dank der hier verfügbaren Expertenkenntnisse mit einer so hohen und im Land verbleibenden Wertschöpfung produziert wird. Die heimische IKT-Branche sei heute nicht nur nach Mitarbeiterzahl und Wertschöpfung die größte österreichische Branche, sondern alleine auch für 25 Prozent des Wirtschaftswachstums und 30-40 Prozent des Produktivitätszuwachses des BIP verantwortlich. In Wien werde z.B. 14,8 Prozent der Bruttowertschöpfung durch Informationstechnologie erzielt, während der Tourismus nur 2,3 Prozent beitrage. Wenn man hingegen die politische und gesellschaftliche Bedeutung und die Lobbyingkraft vergleiche, merke man das "extreme Missverhältnis" zwischen beiden Sektoren.

KOSTENDRUCK UND KEINE KREDITE Kotauczek bemängelte die immer noch starke Benachteiligung der SW-Industrie durch die heimische Kreditwirtschaft. Dadurch, dass Software in der Bilanzerstellung oft nicht aktiviert und bewertet werden dürfe, fehle vielen Unternehmen die vordergründige geschäftliche Basis, die die Banken als notwendig für Kreditvergabe erachten. Er geht davon aus, dass die Liquiditätsprobleme der IT-Branche weiter zunehmen werden.

Manfred Prinz hob den starken Kostendruck hervor, dem die heimische IT-Branche derzeit ausgesetzt sei. Einerseits verlangten die Kunden einen immer rascheren Return On Investment von ihren Lieferanten, und andererseits müsse bei den internen Kosten sehr stark gespart werden, um konkurrenzfähig und sogar überlebensfähig zu bleiben. Er appellierte in diesem Zusammenhang an die Arbeitnehmerseite, in die kommenden Lohnverhandlungen mit moderaten Forderungen zu gehen, um die Tendenz zu Near- und Off-Shoring Bestrebungen auf Arbeitgeberseite nicht weiter zu verstärken.

STAAT IN DER PFLICHT Arthur Winter nahm den Staat in die Pflicht und forderte, dass es trotz sinkender Budgets notwendig sei, die geplanten IT-Projekte der öffentlichen Hand rasch und zielorientiert durchzuführen. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass Verwaltungshandeln auch im öffentlichen Bereich ohne IT-Einsatz heutzutage nicht mehr möglich seien. Der Staat sollte viel mehr als bis jetzt eine Art Initialzünder sein, der innovative IT-Projekte fördert und den fließenden Übergang in die Privatwirtschaft ermöglicht. Beispiele in diesem Zusammenhang sind die elektronische Rechnung und E-Health Projekte.

Dazu bedürfe es aber – und darüber waren sich die Herren am Podium mit den Zuhörern einig – einer politische Gallionsfigur, die IT-Themen in Österreich treiben kann, vergleichbar mit einem Al Gore in den USA. Der langjährigen Forderung des VÖSI und vieler anderer Interessensvertretungen nach einem Regierungsbeauftragten für IT ist bis heute keine Regierung jemals näher getreten. "Und bei näherer Betrachtung der aktuellen Regierungspläne wird sich an der Situation auch bis auf weiteres nicht viel ändern, und eine der innovativsten heimischen Wirtschaftszweige wird weiterhin ein politisches und gesellschaftliches Schattendasein fristen", so der VÖSI in seiner Aussendung. (pi/rnf)

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