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02.06.2009 Rudolf Felser

IT-Prognosen sind häufig falsch

Prognosen stellen sich häufig als falsch heraus oder sind schon bald wieder überholt. Bei den Auguren der IT- und Telkobranche ist das nicht anders.

Wer erinnert sich noch an das große Potenzial, das WAP und UMTS vorhergesagt wurde, an den durch die Bürgerkarte erwarteten Boom von E-Government oder den Hype um Second Life? Was wurde aus dem Siegeszug von Paid Content oder der digitalen Konvergenz, die TV, Internet, Computer und Handy verschmelzen lässt?

Prognosen stellen sich - wie man aktuell auch an der laufenden "Adaption" der Konjunktureinschätzung durch Wirtschaftsexperten sehen kann - häufig als falsch heraus oder sind schon bald wieder überholt. Bei den Auguren der IT- und Telekombranche ist das nicht anders. Wo die Branchenkenner ins Schwarze trafen und in welchen Bereichen der Blick in die Glaskugel eher getrübt war, haben Experten bei der hundertsten Veranstaltung der APA-E-Business-Community (EBC) beleuchtet.

"Wir haben gute Prognosen gemacht, sind aber auch oft furchtbar danebengelegen", erklärte Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich. Wobei so manches gehypte Thema - wenn auch verspätet - so doch noch am Markt angekommen sei. Als Beispiel nannte er etwa das unter dem Begriff "Mietsoftware" bekanntere Application Service Providing (ASP), das nun als Cloud Computing deutlich erfolgreicher sei. Die "digitale Konvergenz" gebe es ebenfalls zum Teil schon in Form des Media Centers, "das läuft aber noch etwas holprig".

INTERNET: "HINTERHOF VON GOOGLE" Eine Fehleinschätzung der Branche sei auch gewesen, dass das Internet als Garten gesehen werden könnte, den die User vor allem durch Web-Portale betreten. "Heute ist das Internet ein Hinterhof von Google", so Lutz. Und das, obwohl es laut Schätzungen 500 Mal mehr Online-Inhalte gebe als von der Suchmaschine indiziert. Als nicht so großen Erfolg sieht der Microsoft-Manager anscheinend auch den Kauf von Youtube durch Google: "Was wurde bisher damit verdient?", fragte er.

Ob diese Kritik wohl auch etwas mit der chronischen Erfolglosigkeit anderen Anbieter, darunter Microsoft selbst, zu tun hat? Microsoft versucht dieser Tage ja mit seiner neuen Suchmaschine Bing wieder an Google ranzukommen (siehe dazu auch "Microsoft Bing: The sound of found").

Dass bei vielen gehypten Entwicklungen das Geschäftsmodell vollkommen unklar sei, bestätigte Rainer Friedl, CTO des Consulters Diamond Dogs: "Das sieht man auch bei Flickr oder Myspace." Außerdem sei der richtige Zeitpunkt entscheidend. Lion.cc (Anm.: Libro Online, heimischer internet-Pionier mit mäßigem Erfolg) habe beispielsweise bereits vor zehn Jahren Konzerte live im Internet übertragen, allerdings wurde ein Erfolg durch die mangelhafte Breitbandverbreitung verhindert. "Es hat viele Video-Plattformen gegeben. Bei Youtube sind der richtige Zeitpunkt, ausreichend Venture-Kapital und Glück zusammengekommen", so Friedl.

KEINE KILLER-APPLIKATION Dadurch sei die Branche wachgerüttelt worden, ergänzte Thomas Stern, Geschäftsführer des auf neue Medien spezialisierten Unternehmens Braintrust: "Allerdings profitieren davon jetzt andere und nicht Youtube." Generell sei die Suche nach einer "Killer-Applikation" oft gescheitert, viele UMTS-Dienste hätten einfach nicht funktioniert. "Die einzige 'Killer-Applikation' ist das Internet selbst und nicht eine einzelne Anwendung", so Stern. Denn letztendlich stünde die Nutzung und nicht die technische Machbarkeit im Vordergrund.

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