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02.06.2009 apa/Rudolf Felser

Obamas Wahlkampfleiter: Geheimwaffe Technologie

Zum Auftakt des Digitalcongress 2009 hat David Plouffe, Wahlkampfmanager von Barack Obama, einen Blick hinter die Kulissen des Siegs gewährt.

Zum Auftakt des "Digitalcongress 2009" am Freitag (29. Mai) in der Grazer Messe hat David Plouffe, Wahlkampfmanager von US-Präsident Barack Obama, einen Blick hinter die Kulissen des historischen Siegs von 2008 gewährt: "Unsere Geheimwaffe war die Technologie," betonte Plouffe und machte klar, dass die "Ehe" der Technologie mit der Kreativität der Millionen freiwilligen Helfer eine "Eigendynamik" in den Wahlkampf brachte und schließlich den Erfolg ausmachte.

Die Ausgangslage vor mehr als zweieinhalb Jahre sei nicht die beste gewesen: "Wir waren Außenseiter und mussten gegen Kandidaten antreten, die viel mehr Geld hatten. Wir hatten nichts, nur einen Mann, der wusste was er wollte", schilderte der 41-Jährige vor rund 600 Kongressteilnehmern. Freiwillige mussten her, um die Botschaften von Obama "authentisch" und mit den Worten des "Farmers" von nebenan verbreiteten. "Millionen da draußen waren Gesicht unserer Kampagne."

Neben den üblichen Werbeformen legte Plouffe vor allem sein Augenmerk auf die Möglichkeiten des Internets. Eine eigene Website wurde gestaltet, über die nicht nur Spendengelder lukriert wurden, sondern auch Reden und Botschaften nahezu unmittelbar an die Bevölkerung herangebracht wurden. Das Internet war auch der Weg, über den die Leute - vor allem junge Wähler - mobilisiert werden konnten.

Neu war, dass auf der Website transparent aufgezeigt wurde, wofür die Spendengelder zum Einsatz kamen: "Die Leute waren zuerst baff, dass wir diese Daten herausgaben. Doch dann war die Reaktion Begeisterung, und die Leute schenkten uns Vertrauen," so Plouffe. Durch die Mobilisierung über das Internet organisierten sich die Menschen selbst und gingen von allein von Tür zu Tür, um mit einfachen Worten Überzeugungsarbeit zu leisten, versicherte der Experte: "Anweisungen für so eine Kampagne hätten niemals funktioniert."

Noch heute verwende das Team um Obama die gleiche Taktik wie im Wahlkampf, um die Bevölkerung für ein Thema zu interessieren. Schon jetzt zeige sich, dass die Menschen eine Rede nicht mehr nur im Fernsehen verfolgen wollen, sondern zu einer beliebigen Zeit im Internet. In Zukunft, beim neuen US-Präsidentschaftswahlkampf in drei Jahren, könnte aber laut Plouffe E-Mail schon so etwas wie der "Jurassic Park" unter den digitalen Mitteln sein - aber im vergangenen Wahlkampf habe es ihm und Obama jedenfalls geholfen.

OUTERNET STATT INTERNET In Zukunft werden werden wir immer 'on' sein", verhieß auch der deutsche Trendforscher Nils Müller beim der Veranstaltung der Styria Media International und der Online-Vermarktungsagentur Interactive Agency. Das Internet werde schon bald vom "OuterNet" abgelöst. Innovationen müssten jetzt gemacht werden und nicht erst morgen, hieß es in der anschließenden Diskussion mit Medienfachleuten.

Der iPod sucht nach Spracheingabe Bilder, die er im Internet finden soll und übersetzt von einer Sprache in die andere. Das Mobiltelefon zeigt an, welche Freunde gerade in der Nähe sind, die Applikation "Wikitude" ermöglicht es schon heute, dass von der Handykamera bereitgestellte Geländefotos mit ortsbezogenen Informationen am Bildschirm des Mobiltelefons überlagert werden: Das sind nur einige bereits praktizierbare Möglichkeiten der bisherigen digitalen Entwicklung, schilderte Müller.

Das Internet, ursprünglich für die Nutzung am PC konzipiert, habe schon damit begonnen, die statischen PC-Screens zu verlassen und werde schon bald vom "OuterNet" eingeholt werden, das den Alltag mit der digitalen Information verschmilzt, so der deutsche Trendforscher. Die Technik verbinde sich immer stärker mit dem Menschen: Spiele würden künftig auch schon durch Gedanken gesteuert werden können. "Das OuterNet" integriert sich viel besser in die reale Welt", so der Gründer des Trendforschungsinstituts Trendone.

Wie enorm die Veränderungen des Alltags durch die digitalen Medien in den vergangenen Jahren waren, illustrierte Reinhard Neudorfer, verantwortlich für die digitalen Plattformen der Styria Media International in Slowenien und Kroatien. Online-Plattformen wie Youtube würden mittlerweile TV-Stationen den Rang ablaufen, im Präsidentschaftswahlkampf Barack Obamas hätten die digitalen Medien eine bisher einzigartige Rolle gespielt. "Und wer hätte noch vor drei Jahren gedacht, dass er seine Freundschaften oder Geschäftskontakte über das Internet anbahnen wird?", so Neudorfer.

MISSERFOLGE IN KAUF NEHMEN Bei der anschließenden Diskussion stellte Danny Meadows, Gründer der "Digital Training Academy", die digitalen Innovationen in den Mittelpunkt und versicherte, dass sich diese noch beschleunigen werden: "Innovationen müssen jetzt gemacht werden und nicht erst morgen." Auch Misserfolge dürften in Kauf genommen werden, aber keine "halbherzigen Versuche", so Dietmar Schantin von der Medientechnologie-Organisation IFRA.

Nur auf digitale Medien zu setzen sei laut Klaus Schweighofer, Vorstand von Styria Medien, aber falsch, denn "die Zeitung hat noch ein langes Leben". Den größten Stolperstein für Innovationen im medialen Bereich sah Peter Kropsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der APA - Austria Presse Agentur, im Erfolg: "Je erfolgreicher ein Konzept, desto weniger gern will man sich davon trennen." (apa)

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