Internetsperren oder Netzfreiheit? Detail - Computerwelt

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03.06.2009 Christof Baumgartner, apa

Internetsperren oder Netzfreiheit?

Rund 500 Personen sind im Vorjahr in Österreich wegen Betrachtens von kinderpornografischen Bildern im Internet angezeigt worden.

Rund 500 Personen sind im Vorjahr in Österreich wegen Betrachtens von kinderpornografischen Bildern im Internet angezeigt worden – diese Zahl hat sich im Vergleich zum Jahr 2006 in etwa verdoppelt. Harald Gremel vom Bundeskriminalamt führt das aber nicht darauf zurück, dass die Zahl der Konsumenten zunehme, sondern weil erfolgreicher dagegen ermittelt wurde. Ein weiteres wirksames Hilfsmittel im Kampf gegen Kinderpornografie wäre für Gremel das Sperren von Seiten im Netz. Doch da scheiden sich die Geister. Im Rahmen einer Veranstaltung des Verbands der österreichischen Internetprovider (ISPA), wurde das Thema diskutiert. Andreas Krisch, Obmann des Verein für Internet-Benutzer Österreichs (VIBE!AT), stellte der Funktionsweise von Netzsperren aber kein gutes Zeugnis aus. So sei etwa das Umleiten einer Adresse mit illegalem Inhalt auf eine Polizeiseite eine sehr einfache Maßnahme, »aber auch einfach zum Umgehen«. Daher sei dies für die Verbrechensbekämpfung nutzlos. Auch die Sperre einer IP-Adresse sei binnen weniger Sekunden umgehbar. Ohne Geheimhaltung wären Sperrlisten sinnlos, gleichzeitig ermögliche diese aber auch Zensur. Wichtig wäre laut Krisch zu überlegen, »wie können wir sinnvolle Mechanismen finden, dass nur gesperrt wird, was gesperrt werden soll«. Außerdem würden Sperrlisten das Problem der Kinderpornografie nicht lösen, sondern es nur verstecken, weil die Inhalte nicht bekämpft würden. Er kommt zu dem Schluss, dass Netzsperren die Pornografie sogar eher fördern würden, weil sie nicht vom Netz genommen werden.

Auch Wolfgang Schwabl, Head Of Information Security bei der Telekom Austria Gruppe spricht sich gegen Sperren aus. Im Internet gehe es darum, Bits von A nach B zu bewegen, ähnlich wie bei Briefen im Postverkehr. »Sperren sind Panzer, die ins Grundrecht eingreifen. Die Inhalte gehören entfernt, Sperren sind ein ungeeignetes Mittel dafür.« Auch er ist überzeugt, dass Sperren ohnehin leicht umgangen werden können. Gremel hält entgegen, dass acht von zehn Kriminellen nicht wüssten, wie man eine Internetsperre umgehen könnte. Es gehe ja nicht darum, legale Seiten zu sperren, sondern kriminelle Organisationen zu bekämpfen. Natürlich verspreche man sich durch Web-Filtering nicht, das Problem vollständig zu lösen, es sei aber ein zusätzliches Mittel – neben der Identifizierung von Tätern, Opfern und der Verhinderung der Produktion – um den kommerziellen Vertrieb durch kriminelle Organisationen zu unterbinden.

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