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24.06.2009 Berthold Thoma*

Gastkommentar: Glasfaserdiskussion – "Kombiniertes Modell realistisch"

Die aktuelle Debatte über den Glasfaserausbau wird in Österreich sehr lebendig geführt.

Die aktuelle Debatte über den Glasfaserausbau wird in Österreich sehr lebendig geführt. Viele Fragen, die diskutiert werden, stellen sich zurzeit nirgendwo anders auf der Welt, denn das heimische mobile Breitbandangebot, eine Alternative zum Breitbandzugang über Glasfasertechnologie, ist das kostengünstigste und am besten ausgebaute Europas. Natürlich ist eine ausgezeichnete Breitbandinfrastruktur wichtig für den Wirtschaftsstandort, hier ist Österreich aber ohnehin sehr gut aufgestellt. Statistiken, wonach Österreich bei der Breitbandpenetration hinter Ländern wie der Schweiz liegt, zielen in erster Linie auf den Privatkundenbereich und ignorieren zudem eine entscheidende Tatsache: Die Verfügbarkeit von Breitband-Internet, egal ob per Mobilfunk oder Festnetz, ist heute in Österreich viel größer, als die Nutzung.

Dass die technischen Ressourcen vorhanden sind, von der Bevölkerung aber nicht flächendeckend angenommen werden, lässt eher auf andere Probleme schließen. Die wichtigsten Faktoren, die über eine Breitbandnutzung im Privatbereich entscheiden, sind Wohlstand, Bildung und technische Fähigkeiten. Eine Erschließung der Haushalte mit opulenten Glasfaserzugangsnetzen wird dieses Problem kaum lösen, im Gegenteil es eher verschärfen, denn Internetzugänge werden zwar schneller, aber zwangsläufig wesentlich teurer und unflexibler. Da höherer Geschwindigkeit – über eine ausreichend empfundene Geschwindigkeit hinaus – kein signifikanter Mehrwert zugeordnet wird, für die Bevölkerung also eher unattraktiver.

KOSTENGÜNSTIG UND UNKOMPLIZIERT Gerade diese Hemmschwellen können mit mobilem Breitbandinternet einfach abgebaut werden, denn dieses ist einfach herzustellen, für den Verbraucher sehr kostengünstig und überall verfügbar – 3 hat aktuell eine Bevölkerungsabdeckung von 94 Prozent mit mobilem Breitbandinternet. Zudem könnten auch die übrigen entlegenen, strukturschwachen Gebiete Österreichs deutlich schneller und kosteneffizienter mit mobilem Internet erschlossen werden, als dies mit Glasfasertechnologie möglich ist. Deren Ausbau ist alleine durch die Grabungsarbeiten teuer und langwierig – vor allem bei Haushalten in entlegenen Regionen.

Auch bei der Geschwindigkeit hat das mobile Breitband weiterhin eine rasante Entwicklung vor sich. Noch heuer wird etwa das 3Meganetz auf 21 Megabit pro Sekunde (Mbps) aufgerüstet, danach auf 28 bzw. bis zu 42 Mbps. Mit dem Ausbau der ab 2010 verfügbaren nächsten Technologiestufe LTE werden Datenraten über 100 Mbps möglich.

Die ortsunabhängige Nutzung von mobilem Breitband maximiert den volkswirtschaftlichen Nutzen, da sie den Bedürfnissen der Bevölkerung nach mehr Mobilität entgegen kommt. Dieser Trend spiegelt sich auch deutlich am Computermarkt wieder, an dem der Anteil von Notebooks und aktuell Netbooks deutlich steigt. Schon vergangenes Jahr wurden mehr Laptops als Desktop-PCs verkauft. Die Frage, die sich hier stellt ist: „Warum soll ich ein mobiles Endgerät per Glasfaserbreitband an die Leine nehmen, wenn ich mit einem Datenstick österreichweit breitbandig surfen kann? Es käme auch niemand auf den Gedanken ein Elektroauto mit einem Stromkabel zu betreiben.“

DIGITALE DIVIDENDE ALS SCHLÜSSEL Technisch und wirtschaftlich am realistischsten ist aktuell wohl ein kombiniertes Modell aus Glasfaser und Mobilfunk. Wie – oft als Metapher gebraucht – im Straßenverkehr würden sich Glasfaser als Datenautobahn und Mobilfunk als Zubringerstraße perfekt ergänzen, um ein schnelles, zuverlässiges und kostengünstiges Breitbandnetz für ganz Österreich zu bilden. Vor allem der ländliche Raum würde von diesem kombinierten Modell besonders profitieren: Gerade in strukturschwachen Regionen kann so der Zugang zum Breitbandnetz viel schneller und zu deutlich niedrigeren Kosten erschlossen werden.

Hier ist aber auch die Politik gefordert, denn ein wichtiger Schlüssel für ein solches Modell sind die, Digitale Dividende genannten, UHF-Frequenzen der Rundfunkanstalten. Die Mobilfunker benötigen diese durch Digitalisierung des Fernsehens freigewordenen Frequenzbereiche um – dank ihrer besseren Ausbreitungseigenschaften als herkömmliche UMTS-Frequenzen – den ländlichen Raum effizient breitbandig erschließen zu können. Durch eine schnelle Entscheidung von politischer Seite könnte man den Ausbau des Breitbandnetzes schnell vorantreiben und die digitale Kluft zwischen Stadt und Land in kürzester Zeit schließen. Österreich kann durch Nutzung seiner einzigartigen Rahmenbedingungen weltweit bahnbrechendes für seine Bevölkerung bewegen, lasst es uns tun und nicht verhindern!

* Berthold Thoma ist CEO von Hutchison 3G Austria (Drei).

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