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10.07.2009 Rudolf Felser/apa

Riesenpotenzial für Chrome OS

Das von Google jüngst angekündigte Betriebssystem Chrome OS wird nach Meinung von Eric Schmidt auf Millionen von Computern genutzt werden.

Das von Google jüngst angekündigte Betriebssystem Chrome OS wird nach Meinung von Google-Chef Eric Schmidt auf Millionen von Computern genutzt werden und hat das Zeug, Microsofts Windows Marktanteile abzunehmen. "Wir haben keine Zahlen, aber wir wissen, es werden Millionen (Computer) sein", sagte Schmidt in einem Interview mit Bloomberg TV. Er erwarte aber, dass Microsoft mit einer veränderten Strategie auf die neue Konkurrenz antworten werde.

Der weltgrößte Suchmaschinen-Anbieter hatte Anfang der Woche das eigene Betriebssystem Chrome OS angekündigt, mit dem das Unternehmen direkt in das Kerngeschäft von Microsoft vordringt. Erste, mit Chrome OS ausgestattete Computer sollen nach Angaben von Google in der zweiten Jahreshälfte 2010 auf den Markt kommen. Er selbst habe sich lange Zeit gegen die Entwicklung ausgesprochen, sagte Schmidt auf einer Konferenz in Sun Valley im US-Bundesstaat Idaho. Abgeschreckt habe ihn damals der "Browser-Krieg", bei dem Microsoft Ende der 90er Jahre den einstigen Marktführer Netscape in einer beispiellosen Kampagne vom Markt gefegt hatte. Am Ende sei er allerdings überzeugt worden.

Seit der Gründung des Unternehmens hätten die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Pläne für ein Betriebssystem verfolgt. Trotz der Einwände von Schmidt hätten die beiden einige Entwickler aus der Mozilla Foundation eingestellt, die auch an der Entwicklung von Firefox beteiligt waren. Eine erste frühe Version des Browsers Chrome habe ihn schließlich überzeugt. "Sie war so gut, dass sie mich dazu gebracht haben, meine Meinung zu ändern."

Chrome OS sei allerdings mehr ein "Anti-Betriebssystem", das weniger einem herkömmlichen Betriebssystem als einem Browser ähnelt, betonte Google-Mitgründer Larry Page in Sun Valley. Die Computer und Netbooks müssten mit der Software nicht mehr lange hochfahren, sondern könnten nach dem Anschalten augenblicklich genutzt werden. Die Daten auf dem PC sollen über Chrome OS anders als üblich im Internet statt auf der Festplatte gespeichert werden. Ziel sei es, dass das Betriebssystem in gewisser Weise verschwinde. "Wenn Sie ein Telefon nutzen, denken Sie auch nicht an das Betriebssystem."

QUELL-CODE WIRD OFFENGELEGT Anders als Microsofts Windows-Betriebssystem, das einen Marktanteil weltweit von rund 90 Prozent hält, basiert Chrome OS auf dem freien Betriebssystem Linux. Der Quell-Code soll später im spätern Jahresverlauf für die Entwicklergemeinde veröffentlicht werden. Chrome OS soll zunächst auf Mini-Laptops - sogenannten Netbooks - eingesetzt werden. Mit den Geräteherstellern Hewlett-Packard, Asus, Acer, Lenovo und Toshiba werden bereits Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt. Auch die Chiphersteller Freescale und Qualcomm hat Google mit ins Boot geholt. Während allerdings Google relativ definitv davon spricht, dass diese Hersteller Geräte mit Chrome OS auf den Markt bringen werden, sind die Unternehmen selbst eher vorsichtig. Beinahe unisono antworteten sie auf Anfragen verschiedener Medien, sie seien erst in einer Evaluierungsphase und noch nicht sicher, ob sie das Betriebssystem wirklich einsetzen werden. Verständlich, bei der bislang dürftigen Informationslage. Auf der anderen Seite hat Intel Berichten zufolge mitgeteilt, schon länger mit Google an Chrome OS zu feilen – ohne auf Googles offizieller "Unterstützer-Liste" aufzutauchen.

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