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10.07.2009 Rudolf Felser

Kommentar: Es ist nicht alles Chrome, was glänzt

Es gibt wenige Firmen, die mit ein paar Zeilen in einem Blog eine weltweite Medienhysterie auslösen können.

Es gibt wenige Firmen, die mit ein paar Zeilen in einem Blog eine weltweite Medienhysterie auslösen können. Zu diesen Unternehmen gehören unter anderem Microsoft, Apple und natürlich Google – wie der (auch) Suchmaschinen-Betreiber dieser Tage wieder unter Beweis gestellt hat. Doch was steckt wirklich hinter Chrome OS?

Bislang hat Google nicht viel verraten. Im Kern steht in dem ankündigenden Blog-Eintrag von Google nur, dass es sich um einen Linux-Kernel handeln wird, auf den Googles hauseigener (und zum jetzigen Zeitpunkt kaum verbreiteter) Browser Chrome aufgesetzt wird. Außerdem soll das Betriebssystem eine sehr schlanke Oberfläche erhalten und somit schnell zu starten sein. Soweit also nichts anderes als ein weiteres "Schnellstart"-Betriebssysteme (z.B. Splashtop), wie sie heute oft zum Einsatz kommen um Mails zu checken oder schnell mal etwas im Internet nachzuschlagen, ohne das "echte" Betriebssystem – meistens Windows XP – booten zu müssen. Da haben sich die Macher der unzähligen heute erhältlichen Linux-Distibutionen, von Open Suse über Knoppix bis hin zu Ubuntu, deutlich mehr Arbeit angetan – ohne auch nur einen Bruchteil des Medienechos dafür zu erhalten, dass Google jetzt zuteil wird.

Doch gerade dieses Medienecho ist es, dass Google vielleicht zum Erfolg verhelfen und Microsoft am Netbook-Markt einen Dämpfer verpassen könnte. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Vor garnicht langer Zeit hat ein Unternehmen, dessen Kernkompetenzen in ganz anderen Bereichen liegen, angekündigt ein Betriebssystem für Smartphones auf den Markt zu bringen. Wenn es sich um irgendein Unternehmen gehandelt hätte, wäre diese Ankündigung wahrscheinlich eine unter vielen geblieben. Der Markt für Handy-Betriebssysteme war unter Microsoft, Apple, Symbian und RIM aufgeteilt, für neue, ernstzunehmende Konkurrenten eigentlich kein Platz. Doch der "new man in town" war Google, das Betriebssystem hört auf den Namen Android. Schnell waren Hardware- und Software-Partner gefunden, heute haben fast alle Mobilnetz-Betreiber Android-Handys im Angebot. So rasch kann es gehen.

Kann Google diesen Erfolg am PC- und Laptop- bzw. Netbook-Sektor wiederholen? Das lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur schwer voraussagen. Was Netbooks betrifft stehen die Chancen des oft als "Datenkrake" verunglimpften Internet-Spezialisten gut. Bis jetzt gibt es kein Betriebssystem, auf dem Netbooks ihre Stärken wirklich ausspielen können. Desktop-Betriebssysteme sind für den eigentlichen Einsatzzweck der Mini-Notebooks – als mobiles Fenster zum Internet – zu überfrachtet, was sich in den Bootzeiten und der Bedienung bemerkbar macht. Die Linux Distributionen Moblin, die von Intel unterstützt wird, und Ubuntu Netbook Remix sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, haben aber bis zum Ziel noch einiges an Weg zurückzulegen. Wenn Google hier alles (oder zumindest vieles) richtig macht, seine bekannte Marke clever einsetzt, und im Rekordtempo erste überzeugende Ergebnisse vorlegt, kann das Vorhaben gelingen.

Um sich auf Desktops und Notebooks gegen Windows, MacOS oder "vollwertige" Linux-Versionen durchzusetzen, müssen viele weitere Faktoren beachtet werden. Während beispielsweise die Anzahl der im normalen Gebrauch an Netbooks angeschlossenen Peripheriegeräte noch leicht überschaubar ist, sieht es bei "großen" Rechnern schon deutlich komplizierter aus. Was passiert, wenn eine wichtige Hardwarekomponente nicht unterstützt wird? Was ist mit den Applikationen und Dokumenten, an deren Nutzung die User gewöhnt sind? Es sind noch viele Fragen offen auf die Google antworten muss, wenn Chrome OS Windows & Co wirklich gefährlich werden soll. (rnf)

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