Gastkommentar: Testen im Blindflug Detail - Computerwelt

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15.07.2009 Wolfgang Platz*

Gastkommentar: Testen im Blindflug

Der Anteil an Funktionalität, der über die GUI getestet werden kann, wird kleiner.

In seiner Erzählung Der kleine Prinz prägte Antoine de Saint-Exupéry einen der bekanntesten Sätze der Weltliteratur: »Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Die Funktionalität moderner IT-Systeme wächst beständig und bindet in steigendem Ausmaß Daten ein, die von außen an die Systeme geliefert werden. Moderne Systeme sind zunehmend hochgradig vernetzt – das gilt innerhalb der Unternehmen als auch übergreifend. In Folge wird in den einzelnen Systemen der Anteil an Funktionalität, der über die GUI getestet werden kann, kleiner. Immer größere Teile sind »für das Auge unsichtbar« – und für zahlreiche Systeme gilt Saint-Exupérys Satz bereits heute.

Für den klassischen manuellen Test ist dieser Trend ein Problem, muss er doch nach Testfällen suchen, die über die GUI beherrschbar sind. Um die Verarbeitungen aber vollinhaltlich über die GUI nachvollziehen zu können, muss der Test auf mehrere Systeme ausgedehnt werden. Die Teststrecken werden länger. Das wirft eine Reihe von Problemen auf. Die fachliche Komplexität des Gesamtprozesses wird nur von wenigen Mitarbeitern abgedeckt. Diese bilden einen Ressourcenengpass. Zudem können Fehler, die am Verarbeitungsende auftreten, ihren Ursprung in mehreren Vorsystemen haben, und sind daher schwierig zu analysieren und zu korrigieren. Die Chance, dass Testfälle durchlaufen, sinkt mit der Komplexität der Testumgebungen. Wenn die verbundenen Systeme bei einem anderen Unternehmen stehen, wird die Testdurchführung technisch und organisatorisch aufwendig oder – und das ist der häufigste Fall – sogar unmöglich.

Aufwendige Tests mit hohen Kosten, geringer Treffsicherheit und geringer Testabdeckung sind die praktische Folge. Eine Entkoppelung der Teststrecken löst die Probleme schlagartig und vollständig, erfordert aber zwangsläufig, dass die Kommunikationspartner an den Schnittstellen simuliert werden müssen. Diese technische Aufgabe war bisher der Entwicklung vorbehalten und fand keinen Eingang in fachliche Tests.

Neue Entwicklungen am Werkzeugmarkt erlauben, das Verhalten der angrenzenden Systeme fachlich zu beschreiben, und übersetzen diese Beschreibung in Befehle an den Schnittstellen. Dadurch kann der Test des entkoppelten Systems vollständig als fachliche Aufgabe verstanden werden. Aus den bisherigen, rein manuellen Testfällen werden zunächst teilautomatisierte Testfälle, die – eine strukturierte Erfassung vorausgesetzt – im Nachgang in vollautomatisierte Testfälle umgewandelt werden können.

*Wolfgang Platz ist Geschäftsführer von Tricentis Technology & Consulting.

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