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26.05.2009 Rudolf Felser

ELGA: Bedenken und Alternativen

Die elektronische Gesundheitsakte hat bis zu ihrer endgültigen Umsetzung noch einen langen, steinigen Weg vor sich.

Die finanziellen Probleme der Krankenkassen sind noch nicht gelöst und die demografische Entwicklung lässt auch für die kommenden Jahre keine rosigen Zeiten erwarten. "Daher ist das Projekt ELGA (Anm.: die elektronische Gesundheitsakte) schon aus rein finanziellem Blickwinkel sorgfältig zu hinterfragen. Bis heute ist nicht geklärt, was ELGA kosten wird und vor allem wer dafür bezahlt. Ich fürchte, dass wie bei allem rund um die E-Card die Ärzteschaft auch bei ELGA in einem hohen Maß zur Kasse gebeten wird", so der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner in einer Aussendung. Er sei jedoch grundsätzlich ein Anhänger von Modernisierung und Anwendung von EDV sowie Vernetzungen. "Die Gefahr einer Verletzung der Privatsphäre der Patientinnen und Patienten durch die elektronische Gesundheitsakte, ELGA, ist aus jetziger Sicht jedoch extrem groß."

Auch der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer erläuterte einer der Debatte im Rahmen der Tagung der Österreichischen Juristenkommission am Attersee mögliche Vorbehalte, wie die Tageszeitung "die Presse" berichtete. So werde entscheidend sein, wer auf die Daten der Patienten Zugriff hat. Der Patient habe es nicht gern, wenn "alle sehen, dass er Viagra nimmt". Auch bei einer Schönheits-OP oder einer psychiatrischen Behandlung gebe es ein Interesse, dass die Daten nicht sichtbar sind. Insgesamt aber ortet Brustbauer durchwegs Akzeptanz bei den Patienten für weitere Schritte in Richtung E-Health. Die bereits eingesetzte E-Card etwa sei heute nicht mehr wegzudenken.

PERSÖNLICHE BEFUNDDATENBANKEN ELGA ist allerdings nicht gleich ELGA: Reisner kennt mehrere gewerbliche Anbieter von "persönlichen Befunddatenbanken", welche seinen Vorstellungen von elektronischer Befundarchivierung ziemlich nahe kommen. "Daher macht es für mich auch keinen Sinn, ein neues, möglicherweise datenschutzrechtlich problematisches, nur bedingt taugliches und ganz sicherlich sehr teures System zu entwickeln, wenn preiswerte, sinnvolle und erprobte Lösungen bereits am Markt sind."

Bei den bereits vorhandenen Lösungen entscheiden Patienten selbst, welche Daten und Dokumente bei einem Arztbesuch aus dem Fundus dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt werden. "Es entspricht auch genau meiner Philosophie, dass einzig und allein der Patient als Kunden im Gesundheitssystem das Recht haben sollten zu bestimmen, welche Befunde oder Gesundheitsdaten eingesehen werden können", so der Ärztekammerpräsident.

Ein Beispiel für einen etablierten Vertreter dieser "privaten ELGAs" ist die persönliche elektronische Gesundheitsakte LifeSensor des internationalen E-Health-Spezialisten Intercomponentware (ICW). Dabei sieht sich das Unternehmen nicht als Konkurrent von ELGA. "Wir fühlen uns als Wegbereiter der ELGA. Wenn ELGA kommt, wollen wir Bestandteil sein. Wir erfüllen die notwendigen Standards, die gefordert sind", erklärte ICW-Geschäftsführer Bernhard Voita Ende letzten Jahres (siehe dazu auch "ICW forciert elektronische Gesundheitsakte").

Der Vorstand der NÖ Ärztekammer hat in diesem Zusammenhang beschlossen, Anbieter von privaten Befunddatenbanken als Alternative zu ELGA zu unterstützen. "Natürlich geht das an der Einführung des gläsernen Patienten vorbei. Ich bin jedoch überzeugt, dass für eine sinnvolle Steuerung des Gesundheitswesens kein gläserner Patient nötig ist." Eine Nutzung bereits etablierter elektronischer Befunddatenbanken hätte aus Sicht von Reisner die gleiche Effizienz im Sinne der Patienten, ohne jedoch deren Rechte massiv zu beschneiden.

GELDVERNICHTUNG Er hält ELGA für überflüssige Geldvernichtung ohne viel Nutzen für die Allgemeinheit. Notfalldaten könnten einfach auf der E-Card gespeichert werden, dazu braucht man auch kein ELGA. "Das immer knapper werdende Geld im öffentlichen Gesundheitswesen sollte dort investiert werden, wo es gebraucht wird. Nämlich in die Arbeit an Patientinnen und Patienten", so Ärztekammerpräsident Reisner.

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