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04.06.2009 Rudolf Felser

Kommentar: Das DVB-H-Schwein zum Fliegen bringen

Knapp ein Jahr nach dem Startschuss für DVB-H, dem mobilen Fernsehen via Handy, sind die Nutzerzahlen weiterhin vernachlässigbar.

Knapp ein Jahr nach dem Startschuss für DVB-H, dem mobilen Fernsehen via Handy, sind die Nutzerzahlen weiterhin vernachlässigbar. Wer kann es den Netzbertreibern da verdenken, dass sie sich, was ihre DVB-H-Kunden betrifft, in vornehmes Schweigen hüllen? Kostenpflichtiges Fernsehen für unterwegs auf kleinen Bildschirmen – der Vergleich mit einem Schwein, dem das Fliegen beigebracht werden soll, drängt sich geradezu auf.

Einer der Knackpunkte, den die Anbieter und der Plattform-Betreiber Media Broadcast immer wieder erwähnen, ist die sehr überschaubare Menge an Endgeräten. Drei Modelle sind laut dem Österreich-Geschäftsführer von Media Broadcast, Henrik Rinnart, auf dem Markt. Mehr attraktive und massenmarktfähige Geräte werden gefordert – nicht erst seit gestern. Warum liefern die Hersteller keine? Nun, vielleicht haben sie Zweifel am Erfolgspotenzial des Handyfernsehens.

In Deutschland beispielsweise ist der Versuch, DVB-H kommerziell einzuführen, im Vorjahr gescheitert. Das Konsortium Mobile 3.0 musste Ende Oktober 2008 die Sendelizenzen an die Landesmedienanstalten zurückgeben, weil es nicht gelungen war, Vertriebspartner für das kostenpflichtige Handy-TV zu finden. Vielleicht die bessere Entscheidung? Auf alle Fälle ein klares Signal an die Hersteller: Vorsicht, riskanter Markt!

Denn am Ende steht und fällt das Angebot mit der Akzeptanz der Nutzer. Und die haben offenbar keine Lust, für mobiles Fernsehen zu bezahlen – zumindest nicht in der Form, wie es heute angeboten wird. Immerhin wird DVB-T, für das es auch kompakte Empfangsgeräte gibt, kostenlos übertragen. Die technik-affine, junge Zielgruppe, die sich von DVB-H angesprochen fühlen soll, hat dem passiven Medienkonsum sowieso schon fast gänzlich abgeschworen. Wenn Fernseh- bzw. Videoinhalte konsumiert werden, dann heute oft über das Internet – gerne auch mobil mit dem Laptop. Oder gemütlich daheim auf der Couch vor dem großen, vorzugsweise hochauflösenden, Fernsehschirm, an dem auch die Spielkonsole hängt.

Das alles muss nicht unbedingt bedeuten, dass DVB-H nicht irgendwann durchstarten wird. Schließlich kann man auch Schweinen das Fliegen beibringen. Man muss ihnen dazu nur große Flügel basteln – oder sie auf ein Katapult setzen. (rnf)

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