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05.06.2009 apa/Christof Baumgartner

AT&S: Androsch kritisiert Wirtschaftspolitik

Aufsichtsratchef ortet "Realitätsverweigerung".

Hannes Androsch, Aufsichtsratschef und Miteigentümer des Leiterplattenherstellers AT&S, gibt der Wirtschaftspolitik die Schuld dafür, dass das Unternehmen die Volumsproduktion nach Shanghai verlagert und 300 Mitarbeiter kündigt. Bis heute herrsche bei "vielen wirtschaftspolitischen Akteuren" ein "Zustand der Realitätsverweigerung", sagte er in der "ZiB 2". Es sei "zu spät zu wenig" gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise getan und der Standort in Österreich über Jahre verschlechtert worden.

Er warne seit zwei Jahren vor der konjunkturellen Entwicklung und seit Jahren vor der strukturellen, "das ist seit Jahren von allen Akteuren ignoriert worden", sagte Androsch. Auf Kritik daran, dass das Unternehmen Arbeitsplätze nach Fernost verlagert und Arbeitsplätze in Österreich streicht, ging Androsch nicht wirklich ein. Er meinte nur, dass es sich nicht um eine Verlagerung handle, weil AT&S auch in China und Indien Reduktionen habe - und im übrigen gehe es "nicht um Profitmaximierung, sondern um Verlustminimierung".

KEINE BESTANDSGARANTIE An eine Bestandsgarantie für die Standorte Leoben-Hinterberg und Fehring, wie sie der steirische AK-Präsident Walter Rotschädl verlangte, denkt Androsch nicht im geringsten. "Ja, wenn er mir eine Verlustabdeckungsgarantie gibt", antwortete er sarkastisch. Und: Niemand könne in einer so unsicheren Zeit Garantien geben.

Konkrete Forderungen, was zu ändern wäre, erhob Androsch nicht. Es gebe "hundert Gründe", dass der Standort Österreich schlechter geworden sei - da gehe es um "alle Kosten" von den öffentlichen Dienstleistungen bis zur Energie, aber auch um zu geringe Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Auch die Zukunft sieht Androsch düster: "Wir sind nicht mehr reformierbar und daher nicht modernisierbar."

STRASSER KRITISIERT ANDROSCH Ernst Strasser, Spitzenkandidat der ÖVP bei der bevorstehenden EU-Wahl, kritisiert Androsch und fordert die Einführung von Kurzarbeit beim steirischen Leiterplattenhersteller AT&S. "So viele Betriebe haben bereits Kurzarbeit angemeldet, das muss auch für diesen Betrieb möglich sein", so Strasser in einer Aussendung. Er verwies auf Beispiele wie Liebherr, KTM oder Opel Aspern. "Androsch wird uns immer als wirtschaftlich moralische Instanz aufgetischt. Das ist eine ungeheuerliche Doppelmoral", so Strasser. Er vermutet dass das Argument der Wirtschaftskrise ein "vorgetäuschtes Ablenkungsmanöver" sei, "um die Produktion einfach in ein Billig-Lohnland zu verlegen". Strasser verlangt: "Androsch soll sich mit dem Betriebsrat zusammen setzen und eine Kurzarbeitslösung erarbeiten."

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