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08.06.2009 Thomas Cloer*

China will PCs nur noch mit Zensur-Software verkaufen

PCs sollen ab Juli nur noch mit Zensur-Software verkauft werden dürfen, die den Zugriff auf bestimmte Webseiten verhindert.

Im "Reich der Mitte" sollen PCs ab dem 1. Juli dieses Jahres nur noch mit Zensur-Software verkauft werden dürfen, die den Zugriff auf bestimmte Webseiten verhindert. Dies berichtet das "Wall Street Journal" heute in seiner Online-Ausgabe. Die chinesische Regierung habe die großen PC-Hersteller weltweit bereits entsprechend informiert, heißt es weiter, die neue Anforderung ist aber noch nicht weiter öffentlich angekündigt worden.

Offiziell dient die Maßnahme dem Bericht zufolge dem Schutz der chinesischen Jugend vor "schädlichen" Inhalten. Geblockt werde solle dabei vornehmlich Pornographie, heißt es seitens der Entwicklerfirma, die Verbindungen zum chinesischen Sicherheitsministerium und Militär hat. Vom Ministerium für Industrie und Informationstechnik konnte das "WSJ" noch keine Stellungnahme erhalten.

China hat eine lange Geschichte, was die Blockade von Internet-Inhalten angeht. Das Land stellt nun PC-Hersteller vor die Wahl, entweder in einem bereits großen und noch stark wachsenden Markt eine Auflage der Regierung zu missachten oder sich selbst zum Ziel von Vorwürfen zu machen, man leiste der Zensur Vorschub.

Die geforderte Software muss indes nicht zwingend auf dem PC vorinstalliert sein, offenbar reicht es, sie auf CD beizulegen und die Installation dem Käufer zu überlassen. Experten, die das chinesische Zensur-Programm schon testen konnten, kommen zu dem Schluss, dass die Software persönliche Informationen übertragen, Fehlfunktionen an PCs hervorrufen und Rechner für Hacker leichter angreifbar machen könnte. Außerdem könnten die Endnutzer nicht einfach erkennen, welche Inhalte genau blockiert würden.

Hewlett-Packard (HP), der US-Hersteller mit dem größten Marktanteil in China, gibt offenbar bereits klein bei. Man "arbeite mit den Regierungsbehörden und evaluiere das bestmögliche Vorgehen", erklärte eine Sprecherin des Konzerns. "Dabei werden wir uns natürlich darauf fokussieren, die beste Kundenerfahrung zu liefern und gleichzeitig den nötigen regulatorischen Auflagen zu entsprechen."

Etwas weniger moderate Töne schlägt dagegen Susan Stevenson, Sprecherin der US-amerikanischen Botschaft in Beijing an. "Wir würden jeden Versuch, den freien Fluss von Informationen zu beschränken, mit großer Sorge und als inkompatibel mit Chinas Bestrebungen betrachten, eine moderne und informationsbasierende Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen", so Stevenson.

Die Software - ihr chinesicher Name bedeutet in etwa "Grüner Damm - Jugendbegleitung" - verbindet PCs mit einer regelmäßig gepflegten Datenbank gesperrter Adressen und blockiert den Zugang zu diesen. Entwickelt hat sie die Firma Jinhui Computer System Engineering Co. mit Unterstützung der Beijing Dazheng Human Language Technology Academy Co. Laut Jinhui-Gründer Bryan Zhang arbeitet der "Grüne Damm" ähnlich wie andere Parental-Control-Software.

Zhang erklärte, seine Firma pflege die Sperrliste für die Software, und diese sei beschränkt auf pornographische Inhalte. Prinzipiell könne man damit auch andere Inhalte sperren oder persönliche Daten des Benutzers sammeln, dazu habe Jinhui aber keinerlei Veranlassung. Außerdem lasse sich das Programm auch abschalten oder deinstallieren, so der Entwickler.*

* Thomas Cloer ist Redakteur der deutschen Computerwoche.

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