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01.07.2009 Roland Kissling

Mobilfunker melken ihre Breitbandkunden

Das Risiko von Datenlimit-Überschreitungen und horrenden Nachzahlungen steigt, die Zahl der Streitfälle explodiert.

Die Österreicher lieben mobiles Breitband. Laut einer unabhängigen Marktanalyse von Kreutzer & Partner und einer aktuellen Studie der RTR ist Österreich bei der Verbreitung von mobilem Breitband mit rund 30 Prozent Anteil europaweit klar in Front. Laut RTR nutzt die überwiegende Mehrheit (91,1 Prozent) der befragten Personen mobiles Breitband über eine Datenkarte oder ein USB-Modem. 6,3 Prozent steigen mit dem Handy als Modem ins Internet ein, und lediglich 2,5 Prozent der Befragten nutzen mobiles Breitband direkt am Handy. Doch damit einhergehend kann sich eine teure Kostenfalle auftun. Durch Konsumenten-feindliche Preismodelle steigt das Risiko von enormen Nachzahlungen.

800 EURO ZUSÄTZLICH Besonders im Urlaub und bei Überschreitungen von Datenkontingenten wird das mobile Surfen teuer: Laut einem aktuellen Test der Arbeiterkammer (AK) bei sechs Anbietern über die Roamingkosten für Italien, Griechenland, Spanien, Kroatien und der Türkei kann die Roaminggebühr beispielsweise für den Versand eines Fotos mit einem Megabyte im Extremfall bis zu knapp 21 Euro ausmachen. Surfen und Mailen kostet laut AK durchschnittlich zehn Cent pro MB (Datenmehrtransfer), im Ausland durchschnittlich 7,79 Euro. Der Verbrauch von 200 MB kann im ungünstigsten Fall die Geldbörse mit rund 4.000 Euro belasten.

IPHONE-USER SURFEN MEHR Der Hype rund um iPhone, Blackberry und Google Android heizt das Problem zusätzlich an, denn mit den intuitiv benutzbaren Smartphones der neuesten Generation wird laut Studien deutlich mehr gesurft als mit älteren Modellen. Laut iSuppli werden gewöhnliche Handys im Durchschnitt nur zu 2,4 Prozent der gesamten Nutzungszeit für den Internet-Zugriff eingesetzt, beim iPhone hingegen liegt dieser Wert bei 12,2 Prozent. Auch beim Musikhören und Betrachten von Videos liegt der Fall mit 2,5 zu 11,9 Prozent ähnlich. Wer zu viel Youtube schaut, Software und Musik herunterlädt, oder gar im Ausland Datendienste nutzt, wird gnadenlos abgestraft. Nachzahlungen von bis zu vierstelligen Eurobeträgen sind längst kein Einzelfall mehr. Besonders erschwerend kommt hinzu, dass viele Geräte sich standardmäßig im Urlaub oder in Grenznähe automatisch in das nächstbeste Netz einwählen und der Nutzer erst mit der nächsten Telefonrechnung merkt, wie viel ein MB jenseits der Grenze kostet.

ABGECASHT Der Grund für die hohe Verbreitung von mobilem Breitband liegt laut Studienleiter Andreas Kreutzer von Kreutzer & Partner im unterschiedlichen Preisniveau. »In keinem anderen Land außer Österreich ist das mobile Breitband so viel günstiger als das fixe Breitband«, so der Marktforscher. Im Schnitt zahle der Bürger 15 Euro pro Monat für mobiles, aber 23 Euro für fixes Breitband. In den meisten europäischen Ländern würden mobile Karten nur als Zusatz verstanden, in Österreich wären sie aber aufgrund des Preises ein echter Ersatz für fixes Breitband. Der Verdacht liegt nahe, dass sich die Telekom-Anbieter entgangene Umsätze bei der Grundgebühr durch Extrempreise im Ausland und bei Nutzung über das Limit hinaus zurückverdienen wollen. Dies wird zwar offiziell geleugnet – Tatsache bleibt aber, dass der Datentarifdschungel nach wie vor jede Menge Fallgruben für Konsumenten enthält. Das nährt auch den Verdacht, das viele Netzbetreiber versuchen, ihre Kunden bewusst über die wahren Kosten und Tarife im Unklaren zu lassen.

Umgerechnet auf die Anzahl der Kunden sticht in der unrühmlichen Statistik der RTR-Schlichtungsstelle besonders T-Mobile/Telering mit 1.244 Fällen hervor. Die Mobilkom folgt mit 630 Fällen, allerdings bei weit größerer Kundenbasis. Hutchison/Drei hat 453 Fälle, Orange 450.

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