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06.07.2009 apa/Rudolf Felser

Datenschützer skeptisch wegen Einkaufsstraßentour

Die virtuelle 360 Grad Einkaufsstraßentour und Geschäftsbesichtigung von Herold macht Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, skeptisch.

Die neue Funktion des elektronischen Telefonbuchanbieters Herold, eine virtuelle 360 Grad Einkaufsstraßentour und Geschäftsbesichtigung, macht Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, skeptisch. "Jede Abbildung, jedes Aufnehmen auch in der Öffentlichkeit ist ein Eingriff in die Privatsphäre", erklärte er im APA-Gespräch. "Es bedarf einen berechtigten Zweck, den sehe ich hier nicht." Seitens Herold erklärte Sprecherin Barbara Hackl, es handle sich nicht um personenbezogene Daten, die man veröffentliche.

"Menschen können hier unfreiwillig zu Dekoration werden. Das ist in keiner Konvention vorgesehen", sagte Zeger im APA-Gespräch. Auch mit den zum Teil verfremdeten Gesichtern der abgebildeten Menschen zeigte sich der ARGE-Obmann nicht zufrieden: Personenbezogene Daten umfassen nämlich alle Angaben über Betroffene, deren Identität bestimmt oder bestimmbar ist. So könnte z. B. eine auf den Fotos abgebildete Frau mit einem Hund aufgrund ihrer Gestalt, des Ortes und des Tieres für Menschen erkennbar sein - wenn auch nur für eine geringe Anzahl.

Auch Aufschriften an Fahrzeugen gemeinsam mit einer Datumsangabe könnten Hinweise auf die Personen liefern. Bei dem Lenker eines gelben Fahrzeugs am Stephansplatz habe man offenbar überhaupt vergessen, ihn unkenntlich zu machen, meinte der Obmann. "Es geht uns darum, dass Menschen sagen können, ob sie fotografiert werden wollen oder nicht." Man hätte auch eine Ankündigung machen können, wann wo fotografiert wird - "es hätte sicher genügend Leute gegeben, die gerne auf den Bildern zu sehen gewesen wären". Auch sollte sichergestellt sein, dass die in den Geschäften abgebildeten Mitarbeiter "nicht sozusagen zwangsweise vorgeführt werden", sagte Zeger.

Seitens Herold erklärte Sprecherin Barbara Hackl, Gesichter und Autokennzeichen würden "mit großer Sorgfalt händisch gelöscht" und das ursprüngliche Bildmaterial nicht gespeichert. Wenn sich jemand erkennt und nicht am Foto sein möchte, würde man denjenigen natürlich entfernen. Explizit um die Erlaubnis zur Aufnahme habe man nicht gefragt: "Wie sollen wir das machen? Wir wissen ja nicht, wer das ist und die Fotos wurden zufällig aufgenommen."

Der Datenschutzrat als beratendes Gremium des Bundeskanzlers kam in einer Sitzung am Freitagnachmittag zu dem Schluss, dass für solche Services wie Herolds virtuelle Einkaufsstraßentour oder auch Google Street View "dringend eine Rechtsgrundlage geschaffen werden" müsse.

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