Angetestet: So tickt das Palm Pre Detail - Computerwelt

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08.07.2009 Manfred Bremmer*

Angetestet: So tickt das Palm Pre

In einem kurzen Praxistest kommt der iPhone-Rivale Palm Pre mit seinem Betriebssystem WebOS gut weg.

Unser Kollege Manfred Bremmer von der deutschen Computerwoche hatte auf einem Pressetermin Zeit für einen kurzen Praxistest des iPhone-Rivalen Palm Pre. Hier seine Eindrücke vom neuen Palm-Smartphone:

Nur wenige Unternehmen haben wie Palm die Möglichkeit, Abstand von früheren Produkten zu gewinnen und noch einmal (fast) von vorne anzufangen. Mit dem Palm Pre und dem neuen Betriebssystem WebOS hat der vor langer Zeit einmal wegweisende PDA-Pionier nun das Zeug, sich mit den Innovationsführern im Smartphone-Markt Apple und Google zu messen.

Obwohl kaum abzustreiten ist, dass Palm vom Rivalen Apple neben früheren Mitarbeitern (einschließlich des iPod-Erfinders und jetzigen Palm-CEO Jon Rubinstein) auch einige Ideen abgestaubt hat, haben die Neuentwicklungen durchaus etwas Eigenständiges. Bei der Hardware sind das insbesondere die ergonomische, fast organische Form oder die Dockingstation (Touchstone), die den Akku via Induktion auflädt. Positiv fällt auf, dass das Palm Pre deutlich kleiner als das Apple iPhone ist. So verfügt es zwar wie das Kult-Handy über einen kapazitiven Touchscreen mit der Auflösung von 480 mal 320 Pixel, verwendet jedoch mit 3,1 Zoll Bildschirmdiagonale ein etwas kleineres Display als sein Rivale (3,5 Zoll). Die Handhabung erleichtert zudem eine herausschiebbare Volltastatur, wenngleich Druckpunkt und Größe der Tasten nicht auf dem neuesten Stand sind. Immerhin sind alle Bestandteile einer Web-Adresse (einschließlich Punkt) in der Tastatur als primäre Tasten angelegt - ein Detail, das man etwa bei Nokias Topmodell N97 vermisst.

ÄHNLICHE SPEZIFIKATIONEN WIE IPHONE 3G Ansonsten sind die Spezifikationen des Palm Pre nahezu identisch mit dem - inzwischen nicht mehr aktuellen - iPhone 3G. Beide bringen etwa 135 Gramm Kampfgewicht auf die Waage, besitzen eine 3-Megapixel-Kamera ohne Videofunktion und unterstützen WLAN und GPS. Die Euro-Version des Palm Pre funkt außerdem mit HSDPA, allerdings nur mit bis zu 3,6 Mbit/s. Ein höherer Datendurchsatz würde sich jedoch vermutlich nur bei der Verwendung als Modem auswirken - theoretisch unterstützt das Palm-Gerät auch Tethering. Definitiv zu klein ausgefallen ist der fest verbaute Flash-Speicher mit acht GB, zumal es keinen Slot für eine zusätzliche MicroSD-Card gibt. Berichten aus den USA zufolge ist auch der Aku mit 1150 mAh Kapazität unterdimensioniert, Details wird erst ein ausführlicherer Praxistest ergeben.

Als eigentlicher Clou des Palm Pre ist das neue Betriebsystem WebOS zu sehen: Es wartet mit einer intuitiven Benutzerführung auf und bietet Entwicklern die Möglichkeit, dank simpler Web-Techniken wie Javascript, HTML und CSS ohne viel Aufhebens Anwendungen zu erstellen. Schade nur, dass das entsprechende SDK voraussichtlich erst im Oktober bereitsteht. Grund dafür, so erklärte Senior Product Manager Timothy Petitt, sei die sorgfältige Abstimmung mit führenden Entwickern. Es dürfte also noch eine geraume Zeit dauern, bis sich der noch ziemlich leere App Catalog füllt.

INNOVATIVES BEDIENKONZEPT Beim Bedienkonzept von WebOS hat sich Palm an der Nutzung eines Kartenspiels angelehnt: Jede Applikation wird quasi als neue Spielkarte auf das Display gelegt und kann anschließend verkleinert oder von anderen Anwendungen überdeckt werden. Per Druck auf den zentralen Knopf auf der Unterseite lässt sich einsehen, welche Anwendungen geöffnet sind. Eine Fingerbewegung nach oben schließt eine nicht mehr benötigte Applikation. Wischt man vom äußeren rechten Ende aus horizontal über den Screens, kann man durch die aktiven Anwendungen "scrollen". Auch der schnelle Zugriff auf wichtige Applikationen ist originell gelöst: Unterhalb des eigentlichen Displays befindet sich ein weiterer berührungsempfindlicher Bereich: Bewegt man von hieraus in der Mitte den Finger vertikal nach oben, erscheint das bei offenen Applikationen versteckte Quick-Launch-"Band" mit bevorzugten Anwendungen. Noch im sichtbaren unteren Bereich des Screen liegt außerdem ein Notification Panel, das den Nutzer über Ereignisse von im Hintergrund laufenden Anwendungen - etwa eine eingehende SMS oder E-Mail - informiert.

Schön ist auch die bereits von aktuellen HTC-Geräten bekannte und weiterentwickelte Verschmelzung von unterschiedlichen Kontaktinformationen. So kann sich der Nutzer etwa sämtliche Kommunikation zu einem Bekannten gebündelt anzeigen lassen, unabhängig davon, ob es sich dabei um E-Mails, SMS, Instant Messaging oder neue Facebook-Einträge handelt. In die gleiche Richtung stößt die universelle Suche. Bei der Eingabe eines Begriffs zeigt das Pre passende Ergebnisse aus allen Bereichen, etwa Kontakte, E-Mail etc. an. Wird das Wort nicht gefunden, bietet das Gerät an, die Suche im Web, also bei Google, Google Maps, Twitter oder Facebook weiterzuführen.

Außerdem erlaubt das Palm Pre die Führung mehrerer Kalender, entsprechende Einträge lassen sich gesammelt oder separat anzeigen oder in andere Kalender übertragen. Als Gerät für "busy people" gedacht, unterstützt das Pre dank der Integration von Exchange/ActiveSync bereits die Synchronisation von E-Mails (wenn auch nicht ganz problemlos) und andere Features. Palm selbst hat zudem eine Remote-Wipe-Funktion integriert. Mittelfristig will der Hersteller weitere Funktionen einbauen, um das Smartphone tauglich für den Enterprise-Einsatz zu machen. Unter anderem geht Palm-Manager Petitt wegen der engen Zusammenarbeit mit Dataviz davon aus, dass bald eine Office-Suite für WebOS verfügbar sein wird.

Bis dahin kann das Palm Pre dank vielfältiger Multimediafunktionen sein Potenzial als Consumer-Gerät ausspielen. Besonders bei der Internet-Nutzung kommt das Smartphone dem Apple iPhone gefährlich nahe. Der Webkey-Browser ist wie sein Erzrivale Multitouch-fähig und ermöglicht durch Auseinanderziehen zweier Finger ein stufenloses Aufzoomen der angezeigten Website. Beim doppelten Tupfen zoomt das Gerät auf Spaltengröße. Dank des automatisch rotierenden Bildschirms eignet sich das Palm Pre daneben auch zum Ansehen von Videos oder als MP3-Player, während die 3-Megapixel-Kamera mit Blitz und Autofokus wirklich nur für Schnappschüsse taugt. Um nichts zu vergessen: Telefonieren kann das Gerät auch noch.

* Manfred Bremmer ist Redakteur der deutschen Computerwoche.

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