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20.07.2009 Jürgen Hill*

Wie ein Computerfehler fast die Mondlandung verhinderte

Vor 40 Jahren landeten mit Apollo 11 die ersten Menschen auf dem Mond. Dabei hing das epochale Ereignis an einem seidenen Faden.

Am 20. Juli um 20.17:58 Coordinated Universal Time (UTC) schrieb er Geschichte. Mit "Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!", funkte Apollo-11-Kommandant Neil Armstrong die erlösenden Worte von der geglückten Mondlandung zur Erde - die NASA hat den originalen Funkverkehr online gestellt. Damit löste Apollo 11 das am 25. Mai 1961 von Präsident John F. Kennedy gegebene Versprechen ein, noch bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu bringen und so die Schlappe gegenüber den Sowjets auszuwetzen.

Diese hatten im April 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins Weltall geschossen und damit den Wettlauf um die Eroberung des Alls gestartet.

Angesichts der erfolgreichen Mondlandung und der faszinierenden Bilder von Armstrongs ersten Schritten auf dem Mond am 21. Juli um 2.56 UTC (in den USA war noch der 20. Juli) geriet schnell in Vergessenheit, dass das Projekt nur Sekunden vor der Landung an einem seidenen Faden hing. Der Computer des Lunar Module (LM), wie die Mondfähre im Fachjargon korrekt bezeichnet wird, spuckte beim Anflug auf den Mond mehrere Fehlermeldungen aus. Mit den wiederholten Fehlern "1201" und "1202" sorgte der Apollo Guidance Computer (AGC) fast für einen Abbruch der Landung. Dass die Mondlandung dennoch stattfand, ist dem damals 24-jährigen Computerwissenschaftler Jack Garman zu verdanken. Er gab dem zuständigen Guidance Officer die Entwarnung "That´s ok", man könne weiter dem Computer vertrauen, solange die Fehlermeldung nicht ständig komme. Auf Anraten von Houston setzte Armstrong dann die Landung manuell fort.

Die Ursache des Problems, das fast zum Abbruch der Mondlandung führte, war relativ einfach und ist heute fast jedem Windows-Benutzer bekannt.

Der Apollo Guidance Computer war schlicht überlastet, und das entsprechende Programm reagierte nicht, oder um es neudeutsch zu formulieren, der Computer hatte ein "overflow problem". Die Ursache hierfür war relativ schnell ausgemacht: Obwohl eigentlich unnötig, waren die Astronauten bei der Landung darauf trainiert, sowohl das Lande- als auch das Rendezvous-Radar (das eigentlich zur Ankoppelung des LM an das Command/Service Module (CSM), die eigentliche Apollo-11-Kapsel, diente) zu benutzen. Mit der Verarbeitung der Daten von zwei Radarsystemen war der Computer nun überfordert.

Aus heutiger Sicht, in einer Zeit, in der Handys mit 1-Gigahertz-Prozessor gebaut werden, Grafikkarten mit 1 GB RAM ausgestattet sind und PCs Zwei- wenn nicht gar Vier-Kern-CPUs besitzen, mag dies verwundern. Doch der Apollo Guidance Computer hatte gerade einmal 72 KB ROM sowie 4 KB RAM und eine Taktfrequenz von rund einem Megahertz. Das Eingabe- und Ausgabemodul DSKY (von Display und Keyboard abgeleitet) erinnerte mehr an einen wissenschaftlichen Taschenrechner als an ein User Interface für einen Computer.

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