Social Collaboration in Europa: Interesse groß, Umsetzung am Anfang Social Collaboration in Europa: Interesse groß, Umsetzung am Anfang - Computerwelt

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22.05.2013 Rudolf Felser

Social Collaboration in Europa: Interesse groß, Umsetzung am Anfang

Laut einer Studie des Analyse- und Beratungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) ist das Interesse an Social Collaboration in Unternehmen in Europa sehr groß. Vielfach wurden auch schon Projekte initiiert, aber die Umsetzung steht häufig noch am Anfang. PAC fordert dabei eine intensive Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen.

Europäische Unternehmen werden "sozialer".

Europäische Unternehmen werden "sozialer".

© Fotolia

Social Collaboration ist längst kein Nischenthema mehr. In knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen werden bereits erste Social Collaboration-Initiativen gestartet. Allerdings berichten nur 11 Prozent der Fachbereichsverantwortlichen von vollständig abgeschlossenen Projekten. In jedem dritten Unternehmen stecken die Initiativen dagegen noch in der Test- und Planungsphase.
 
Auch öffentliche Social Networking-Dienste haben sich im Geschäftsalltag etabliert. Sie werden aber bislang häufig nur geduldet und nicht aktiv gefördert oder in die Social Collaboration-Umsetzung integriert. Zudem sind Verbote immer noch an der Tagesordnung. In 31 Prozent der Unternehmen ist beispielsweise die Nutzung von Microblogging-Diensten wie Twitter untersagt.
 
Die Implementierung einzelner Social Networking-Anwendungen reicht für die erfolgreiche Umsetzung von Social Collaboration nicht aus. "Diese Erkenntnis reift mittlerweile auch bei den Verantwortlichen", erläutert der Lead-Analyst der Studie, Andreas Stiehler und ergänzt: "In den meisten Fällen fehlt die für eine effektive Vernetzung notwendige Selbstbestimmung und Flexibilität der Mitarbeiter. Auch gibt es meist noch keine Regelwerke für die Vernetzung." Schließlich vermissen zwei Drittel der Befragten eine aktive Mitwirkung des Managements. Die größte Barriere für die Realisierung von Social Collaboration-Konzepten sind aus Sicht der Fachbereichsleiter jedoch Bedenken hinsichtlich Datensicherheit sowie die Angst vor einem Abfluss von Unternehmenswissen.
 
"Angesichts der Komplexität von Social Collaboration steigt auch der Bedarf an externen Dienstleistungen – und zwar nicht nur für die technische Planung und Integration, sondern über alle Projektphasen hinweg", so Stiehler weiter. So stuft jeder fünfte Befragte die externe Unterstützung bei der Definition einer Social Collaboration-Strategie als sehr bedeutend ein.
 
SCHULTERSCHLUSS VON BUSINESS UND IT
Social Collaboration-Initiativen werden heute nicht als klassisches IT-Projekt initiiert, koordiniert und finanziert. Mehr als drei Viertel der Social Collaboration-Projekte wurden von den Fachbereichen oder vom Top-Management angestoßen.
 
Dennoch funktioniert Social Collaboration nicht losgelöst von der IT. Für mehr als 80 Prozent der Befragten ist ein dediziertes Sicherheitskonzept ein absolutes Must-have und mehr als 60 Prozent bestehen auf Möglichkeiten zur Datenanalyse. Auch die Integration mit anderen IT-Anwendungen wird, so die Studie, immer wichtiger. PAC fordert eine intensive Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT: "Das Zusammenspiel von Business und IT ist der Schlüssel zum Erfolg. Der CIO muss deshalb nicht zum Chief Social Officer konvertieren, sollte aber bei der Planung mit am Tisch sitzen", so Stiehler.
 
FACHBEREICHE HINKEN HINTERHER
Österreichische Unternehmen wurden zwar nicht befragt, PAC geht aber davon aus, dass die Situation in Österreich relativ vergleichbar zum deutschen Markt ist. "Da es sich hierbei ja auch um eine kulturelle Fragestellung handelt und der Reifegrad der Arbeitskulturen beider Länder durchaus vergleichbar ist, gehen wir davon aus, dass die Studienergebnisse für Deutschland auch mehr oder weniger für Österreich gelten", so Philipp Schalla, Senior Consultant bei PAC, auf Anfrage von Computerwelt.at.

So sind effizientere Prozesse und eine bessere Unterstützung der Vernetzung typische Einstiegsthemen für Social Collaboration in Deutschland. Die Fachbereiche sehen hohen oder sehr hohen Handlungsbedarf bei Themen wie "Identifikation von Experten und Wissen" (66 Prozent), "gemeinsame Dokumentenbearbeitung" (61 Prozent) oder "Förderung der interdisziplinären Vernetzung" (57 Prozent).
 
Dennoch hinkt Deutschland bei der Umsetzung hinterher: Nur 21 Prozent der Fachbereiche haben Social Collaboration-Projekte zumindest teilweise umgesetzt. Zum Vergleich: in Großbritannien sind es 38 und in Frankreich 27 Prozent. Als größte Bremse für Social Collaboration in Deutschland identifiziert die Studie ausgeprägte Sicherheitsbedenken und überdurchschnittlich hohe Anforderungen an die Realisierung. "Dieser Hang zur Perfektion ist bei Teilthemen sicher nachvollziehbar. Aber er ist auch gefährlich. Denn Social Collaboration muss sich entwickeln und lässt sich nicht perfekt planen. Wer zunächst abwartet und auf Verbote setzt, bis das Umfeld perfekt ist, der riskiert, im Wettbewerb zurückzufallen", erläutert Nicole Dufft, Senior Vice President bei PAC Deutschland.
 
Auch bei konkreten Umsetzungsfragen zeigt sich Deutschland eher als Nachzügler. In knapp 90 Prozent der Unternehmen fehlt die aktive Mitwirkung des Managements. Jedes zweite Social Collaboration-Projekt in Deutschland wird ad hoc nach aktuellem Bedarf umgesetzt und nicht langfristig strategisch geplant. Anstatt integrierter Lösungen werden zudem häufig verschiedene Einzelanwendungen genutzt.
 
PAC fordert deshalb deutsche Unternehmen auf, sich stärker zu öffnen und das Thema proaktiv zu begleiten. "Proaktivität heißt aber nicht, gedankenlos Tür und Tor zu öffnen. Vielmehr müssen Social Collaboration-Initiativen strategisch geplant, die Nutzung entsprechender Anwendungen durch die Mitarbeiter gezielt gefördert, Regeln definiert und die soziale Vernetzung technisch und organisatorisch in die Abläufe integriert werden", empfiehlt Dufft. Dabei nimmt PAC insbesondere die Führungskräfte in die Pflicht: "Es reicht nicht aus, neue Initiativen oder Pilotprojekte ins Leben zu rufen. Führungskräfte müssen selbst aktiv die neuen Möglichkeiten nutzen und Social Collaboration (vor)leben. Großbritannien zeigt, dass dies möglich ist und funktioniert", betont Dufft abschließend.

Für die Studie wurden mehr als 250 Fachbereichsverantwortliche aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt. Die Studie wurde unterstützt von Atos, Beck et al. Services, T-Systems International und der SQLI Group. Sie steht als kostenloser PDF-Download bereit. (pi/rnf)

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