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25.02.2009 Alex Wolschann/idg

Die Flops der IT-Geschichte

Zehn IT-Trends, die am besten nie Einzug gehalten hätten.

Manche Ereignisse und Entwicklungen möchte man schnell vergessen. Wir streuen Salz in die Wunden der Microsofts, Apples, IBM, Palms und Netscapes dieser Welt. Stellen Sie sich vor, wie anders die IT-Welt heute aussähe, wenn Gary Kildall im Jahr 1980 das Angebot der IBM akzeptiert hätte, das von ihm entwickelte Betriebssystem für ein streng geheimes Projekt lizenzieren zu dürfen. CP/M wäre zur Standardausstattung jedes IBM-PC geworden und Big Blues zweite Wahl Bill Gates hätte mit seinem MS-DOS nie große Berühmtheit erlangt. Es waren immer nur Nuancen, die einer technischen Entwicklung die Richtung gaben – manchmal Zufälle und verpasste Chancen, allzu häufig aber auch verheerende Entscheidungen in den Chefetagen großer Unternehmen. Tops und Flops lagen in einer bewegten IT-Geschichte immer nah beieinander. Hier sind die Top 10 der größten Katastrophen.

10. INTEL ITANIUM Chiphersteller Intel hatte schon immer mit Nachahmern zu kämpfen. Also versuchte man sich mit Itanium an einem 64-Bit-Chip für Server, der eine gänzlich andere Architektur aufwies als die x86-Klassiker. Eine Fehlplanung: Die Anwender lieben x86-Prozessoren, weil sie seit jeher leistungsfähig und bezahlbar sind. Itanium war keins von beiden.

9. MAC-KLONE In den späten 90ern kamen verschiedene Macintosh-Nachbauten auf den Markt, für die ein von Missmanagement gebeutelter Apple-Konzern 1995 aus Geldnot heraus seinen Segen gegeben hatte. An vorderster Herstellerfront mit dabei: Motorola und Umax. Zwei Jahre dauerte der Wettbewerb, bis Steve Jobs zurückkehrte, die Lizenzen wieder einstampfte und das Unternehmen zurück auf Kurs brachte.

8. ELEKTRONISCHE WÄHRUNG Als das E-Commerce zu brummen begann, sprach man viel über alternative Bezahlverfahren, Partner- und Bonusprogramme. Elektronisches Micropayment sollte das ganz große Ding im Web werden – jeder Online-Shop bot eigene Verfahren an, sogar Content-Anbieter wollten für ihre Inhalte kassieren. Das funktionierte nicht – die Surfer akzeptierten nur vertraute Bezahlverfahren (Lastschrift, Rechnung, Kreditkarte) und für die meisten Inhalte waren sie gar nicht bereit, etwas auf den Tisch zu legen. Bis auf Paypal, das irgendwann von Ebay übernommen wurde, hat sich noch kein alternativer Payment-Anbieter am Markt behaupten können.

7. 64-BIT-DESKTOP Die großen Steigerungsraten in der Prozessorgeschwindigkeit waren ausgereizt, als der Bit-Vergleich die Gerüchteküche zu bestimmen begann. Apple und IBM starteten das Wettrennen um das 64-Bit-System im Jahr 2002, Intel folgte schnell. Heute, sieben Jahre später, mangelt es immer noch an funktionaler 64-Bit-Software. Und so richtig verstanden, warum ein Heimanwender einen Rechner braucht, der bis zu 16 Exabyte Arbeitsspeicher verarbeiten kann, hat noch immer niemand.

6. CARLY FIORINA Carly Fiorina war von 1999 bis 2005 CEO bei Hewlett-Packard (HP) – es waren sieben Jahre zuviel. Während ihrer Herrschaft vergraulte HP so viele Kunden wie nie zuvor und nie danach. Fiorina verantwortete die Ausgliederung der anerkannten Entwicklungsabteilung für medizinisches Zubehör, lagerte die Taschenrechner-Abteilung aus, sorgte für eine gelungene Compaq-Übernahme und kündigte schließlich noch 7.000 Mitarbeiter. Letztlich erzielte das Unternehmen mehr Gewinne mit der Printersparte als mit dem Verkauf von Hardware. Fiorina wollte HP ein konsumentenfreundlicheres Image verpassen, stürzte damit den Börsenwert ins Bodenlose und kassierte bei ihrem Weggang noch 21 Millionen Dollar Prämie.

5. DRM Obwohl selbst die zahlende Kundschaft nachweislich schon immer dagegen war, investiert die Musikindustrie seit vielen Jahren in immer neue Maßnahmen gegen Raubkopien. Seit sich die Berieselung für die Ohren mehr und mehr ins Netz verlagert und die gut sortierten Geschäfte leerer werden, kommen neben dem obligatorischen Wehklagen der Industrie in schöner Regelmäßigkeit neue Technologien zu Digital Rights Management auf, die nicht funktionieren. Die zahlenden Kunden ärgern sich über Abspielfehler und Probleme mit den Dateien, die nicht zahlenden Kunden lachen hämisch und hebeln den Kopierschutz innerhalb von Sekunden aus. Außer Apple ist es noch keinem Musikanbieter im Web gelungen, ein funktionierendes DRM-Modell unter die Leute zu bringen. Vielleicht sollte es die Branche aufgeben und das Geld lieber in bessere Musik und bessere Vermarktung stecken.

4. DAS PAPIERLOSE BÜRO Ein Büro ohne herumfliegende Notizzettel, Folien, Faxe und Ausdrucke – eine wunderbare Vorstellung zum Schutz der Umwelt, der Geldbörse und der Putzkolonne. Leider gehören neben den technischen Möglichkeiten auch noch Menschen dazu, die diese Möglichkeit kennen, theoretisch nutzen können und dann auch wirklich in den täglichen Gebrauch übernehmen. Die Folge: Seit die Idee vom papierlosen Büro existiert, ist das Papieraufkommen in den Büros weiter gestiegen.

3. IPOD-IMITATIONEN Apple war lange Zeit nur etwas für Querdenker. Als der iPod im Jahr 2001 auf den Markt kam, wurde er deshalb zunächst unterschätzt und dann viel zu spät doch noch dutzendfach nachgebaut. Aber egal, ob sie Microsoft Zune oder Trekstor i.Beat blaxx (nie erschienen) hießen – Apples Neider scheiterten auf der ganzen Linie.

2. WINDOWS VISTA Mehrere Vertröstungen später kam Microsofts groß angekündigter XP-Nachfolger in abgespeckter Version 2007 dann doch noch. Die geringe Zahl der Verbesserungen in Vista gegenüber XP rechtfertigten ein Upgrade für viele Anwender jedoch nicht. Selbst das Service Pack 1 konnte das Ruder nicht herumreißen, zumal der weitaus attraktivere Nachfolger Windows 7 fast vom Vista-Start weg schon über allen Köpfen schwebte. Auf den nächsten großen Windows-Knall werden wir wohl noch ein knappes Jahr warten müssen.

1. IT-SICHERHEIT Ohne Computer geht nichts. Sie verwalten unsere geschäftlichen Dokumente, unsere Kalender, Kontakte und Freunde, Fotoalben, Gehaltsabrechnungen, Steuererklärungen und Spiele – kurzum: unser Leben. Das Konzept hinter Viren und Würmern, Spam und Trojanern ist fast so alt wie der PC selbst – man mag aber meinen, die Gefahrenabwehr sei irgendwo in den 80ern stehen geblieben. Jeder Zero-Day-Angriff schafft es auf die Titelseiten, jeder Wurmwinzling kapert zumindest mehrere Zehntausend Rechner – der Schaden geht in die Millionen. Social Engineering, Datenabflüsse und Phishing-Attacken wohin man schaut: Eine sichere IT scheint es nicht geben zu können. Der naive Glaube an Sicherheit ist der größte Flop der IT-Geschichte – aber wohl auch der einzige, mit dem wir dauerhaft leben müssen.

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