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27.02.2011 Paul Venezia*

Neun Eigenschaften eines altgedienten Unix-Administrators

Lesen Sie diesen Artikel, wenn Sie den ungemein seltenen und schwer fassbaren, eingefleischten Unix-Fan verstehen wollen - heute eine echte Rarität.

Achtung Satire: Wir wollen Ihnen in diesem nicht immer ganz ernst gemeinten Artikel ein paar charakteristische Merkmale der Unix-Veteranen vorstellen, damit Sie diese seltene Spezies verstehen.

1. Eigenschaft: Wir verwenden kein „sudo" So ähnlich wie die Feststelltaste ein Geschwindigkeitsregler für die Coolen ist, ist sudo eine Hilfe für die Schüchternen. Wenn wir etwas rooten müssen, nutzen wir das Kommando „su" und keines dieser sinnlosen „sudo" Befehle. Tatsächlich ist das erste, was wir bei allen Unix-artigen Betriebssystemen tun, die sudo bei allen Benutzern erfordern: Wir ändern das Root-Passwort. Anschließend können wir für immer das Bequeme „su" verwenden. Ständig „sudo" zu nutzen ist vergleichbar mit einem Ganzkörperschutzanzug. Es ist sicherer, aber es veranlasst Sie nicht nicht dazu, gründlich über ihre Taten nachzudenken.

2. Eigenschaft: Wir nutzen vi, nicht Emacs und erst recht nicht pico oder nano Nicht emacs sondern vi ist das wahre Programm, mit dem Unix-Veteranen schreiben. Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit den Extras, die bei der Alternative Emacs integriert sind. Emacs hat sogar ein eingebautes Tetris-Spiel, es ist zum Heulen.

Wir müssen widerwillig zugeben, dass vim einige nette Funktionen eingebaut hat. Zum Beispiel bieten „Code Folding" und die Syntax-Hervorhebung einige Vorteile, aber am Ende eines Tages fügt sich die Unix-Arbeit hervorragend in die modalen Bearbeitungskonzepte von vi. Zusätzlich ist vi ein sehr schlankes Programm und kann auf unterschiedliche Arten mitgenommen werden. Deswegen ist dies das einzig Wahre Editierungsprogramm. Vielen Dank an Bill und Bram.

3. Eigenschaft: Wir fuchteln mit regulären Ausdrücken wie andere mit Waffen Für die Uneingeweihten kann sogar der harmloseste reguläre Ausdruck wie das Ergebnis einer widerspenstigen Tastatur aussehen. Für uns ist dies jedoch die reine Poesie. Die Macht, die in der Komplexität eines pcre (Perl-kompatible reguläre Ausdrücke) steckt, kann von keinem anderen Werkzeug erreicht werden. Wenn Sie jeden dritten Buchstaben in einer 100.000-zeiligen Datei ersetzen müssen, es sei denn es folgt darauf die Zahl 4, so können Sie das nur mit pcre bewerkstelligen. Diejenigen, die davor zurückschrecken reguläre Ausdrücke selbst zu lernen, können Ihre Kollegen täglich mit einer neuen Aufgabe belasten. Außerdem gibt es in jedem größeren Unix-Unternehmen ein oder zwei Leute, die sich nur mit regulären Ausdrücken beschäftigen. Diese armen Leute erhalten die ganze Zeit String-Schnipsel mit einer Bitte nach dem richtigen regulären Ausdruck per Mail zugeschickt. In der Regel folgt der Bitte die Aussicht auf ein versprochenes Getränk in einer Bar, das jedoch nie ausgegeben wird.

4. Eigenschaft: Wir vererben die Faulheit Wenn wir eine Aufgabe erhalten, die scheinbar viele händische, wiederholbare Arbeit enthält, so werden wir alteingesessenen Unix-Leute jedes Mal in Erwägung ziehen, einen Code für diese Aufgabe zu schreiben. Dieser sollte dann fortan unsere Arbeit übernehmen. In der Regel benötigt dies weniger Zeit, als die manuelle Arbeit, aber es ist nicht immer der Fall. Dennoch sind wir dazu geneigt, die notwendige Zeit in die Programmierung statt in die konkrete Aufgabe zu stecken, da das Programm später wieder verwendet werden kann. Häufig zahlt sich diese Methode Jahre später wieder aus, wenn wir eine ähnliche Aufgabe zu bewältigen haben. Wir müssen dann nur ein paar hundert Zeilen aus einer Perl-Datei von unserem Home-Verzeichnis heraussuchen und können das Problem in wenigen Minuten lösen. Danach können wir versuchen einen anderen Code zu optimieren, oder eine Runde Angry Birds spielen.

5. Eigenschaft: Wir bevorzugen die elegante Lösung Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen, werden wir mehr Zeit damit verbringen eine Lösung zu entwickeln als es für das tatsächliche Problem notwendig wäre. Somit vermeiden wir zukünftige Komplikationen, statt mit einem Pflaster das derzeitige Symptom zu bekämpfen. Dies hängt damit zusammen, dass wir es verabscheuen ein Problem wieder anzugehen, welches wir für uns bereits als „gelöst" deklariert haben. Wir sind der Meinung, dass wir zukünftige Probleme vermeiden können, indem wir ein paar Schritte im Voraus denken. Außerdem müssen wir auf diese Art und Weise auf dem Weg zum Ziel weniger machen. Und in der Regel haben wir Recht.

6. Eigenschaft: In der Regel hängen die Probleme davon ab, wer danach fragt Um einen gewissen Level von Unix-Erleuchtung zu erhalten müssen Sie sehr selbstbewusst sein und sich auf Ihr Wissen verlassen. Das bedeutet jedoch auch, dass wir davon überzeugt sind, dass es das Problem so lange nicht gibt, bis wir es mit eigenen Augen gesehen haben. Wenn Sie einem Unix-Veteranen-Administrator erzählen, dass eine Datei „verschwunden" ist, so ernten Sie Spott. Sie müssen Ihm beweisen, dass es wirklich passiert ist, und er wird sich des Problems annehmen. Er wird so lange an dem Problem arbeiten, bis er eine vernünftige Erklärung gefunden hat. Viele Leute denken, dass ist ein Anzeichen für Überheblichkeit oder Arroganz. Das stimmt gewiss, aber wir haben es uns verdient.

7. Eigenschaft: Wir haben mehr mit Leichenbeschauern als mit Ärzten gemein Wenn wir es mit einem großen Problem zu tun bekommen, verbringen wir sehr viel mehr Zeit mit der Autopsie, als mit der eigentlichen Problemlösung. Es sei denn unsere Arbeitsbelastung lässt uns gar keine Zeit zur Untersuchung, werden wir alles daran setzen den wahren Grund für das Problem herauszufinden. Es ist überhaupt nichts Magisches an der Arbeit eines eingefleischten Unix-Administrators. Für ihn muss jede Situation an einem logischen Punkt ansetzen und über nachvollziehbare Pfade verfolgbar sein. Anders ausgedrückt, es gibt für alles eine Ursache und wir lassen keinen Stein auf dem anderen, bis wir die Ursache gefunden haben.

8. Eigenschaft: Wir wissen mehr über Windows, als wir zugeben würden Obwohl wir in der Regel kein Windows auf unseren eigenen Computer installiert haben und so tun, als würden wir uns nicht um Windows-Server kümmern, so sind wir dennoch in der Lage Windowsprobleme zu finden und zu beheben. Das liegt daran, dass wir uns immer wieder damit auseinandersetzen mussten, wenn diese Windowsprobleme drohten, zu uns überzuschwappen. Wie auch immer, wir mögen es nicht, diese Tatsache zuzugeben. Das liegt ganz einfach daran, dass sich Windows nicht so einer tiefgreifenden Logik wie Unix unterworfen hat und das stört uns. Begründung: Siehe Eigenschaft Nummer 5 und 6.

9. Eigenschaft: Neustart ist fast nie eine Lösung Unix-Maschinen brauchen keine Neustarts. Es sei denn, es gäbe überhaupt keine andere Möglichkeit und diese gestehen wir erst nach einigen Stunden Beschäftigung mit diesem Problem ein. Erst wenn wir keinen Ausweg mehr sehen, lassen wir das System rebooten. Wir sind der Meinung, dass es keinen guten Grund für einen Neustart gibt, außer der Kernel oder die Hardware wurde geändert. Denn ein Reboot ist nur eine kurzzeitig erfolgreiche Herangehensweise ein Problem zu lösen. Wenn ein Problem einmal aufgetaucht ist, und von einem Neustart „gelöst" wurde, dann wird dieser Fehler wieder auftauchen. Wir lösen das Problem lieber, als es auf die lange Bank zu schieben und demnächst wieder beheben zu müssen.

* Der Artikel stammt von der deutschen PC-Welt.

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