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05.08.2010 Curtis Franklin*

Dem Internet gehen die Adressen aus - das müssen Sie wissen

Das Internet folgt einem strikten Adressvergabe-Plan. Doch bald gehen die Adressen aus. Wir erklären, was Sie beim Übergang zu IPv6 beachten müssen.

Das Internet basiert auf einem alles umspannenden Adressplan. Jedem Computer und jedem Gerät muss eine IP-Adresse zugewiesen werden, damit sie untereinander kommunizieren können. Dem jetzigen Adressplan IPv4, der seit den späten 1970iger Jahren für Ordnung sorgt, gehen jedoch langsam die Adressen aus. Ein neuer "Plan" muss her, der IPv6 genannt wird und ausreichend freie Internetadressen bereit stellt, damit künftig auch Kafeemaschinen und Kühlschränke damit versorgt und in Internet-fähige Geräte verwandelt werden können. Mit IPv6 soll also die nächste Phase des Internetwachstums eingeläutet werden.

Für kleine Unternehmen könnte die Umstellung zu einer verbesserten Datensicherheit und zu mehr Zuverlässigkeit bei Anwendungen und Verbindung führen. Aber warten Sie mit der Umstellung nicht zu lange, denn falls Sie den Umstieg verpassen, dann wird es teuer ein Update durchzuführen. Nehmen Sie also günstige, sich gerade jetzt ergebende Möglichkeiten zum Update wahr.

IPv6 wurde von der Netzwerkindustrie viele Jahre lang als "in Kürze erscheinend" angegeben, aber bis heute gibt es keinen offiziellen weltweiten Einführungstermin. Einige Teile der Welt, vor allem Asien, und ein paar Internet-Dienst-Provider (ISPs) und entsprechende Unternehmen übernehmen hier momentan die Führungsrolle. Jedoch erkennen immer mehr, dass der Tag der zwangsläufigen Umstellung sehr bald eintreffen wird, da die noch freien IP-Adressen immer weniger werden und damit einen großangelegten Wechsel erzwingen.

WAS IST IPV6? Im Jahr 1981 stammten die einzigen Computer mit Internetzugriff entweder vom Militär oder von großen Forschungseinrichtungen. In der 8-Bit-Umgebung schien die 32-Bit Adresse der Internet Protocol Version 4 (IPv4) unendliche Möglichkeiten zu gestatten. Schließlich können beinahe 4 Milliarden mögliche Adressen, 2 hoch 32, für via Netzwerk verbundene Geräte zur Verfügung gestellt werden. Springen wir nun in die Gegenwart, so erkennen wir mit vielen hundert Millionen neuen Internetnutzern, dass das Ende der verfügbaren Adressen bald in Sicht ist. Sobald alle Adressen vergeben sind, so die Theorie, kann sich kein neues Gerät mit dem Internet in Verbindung setzen.

Eine Reihe kreativer, oft aber nicht legaler, Problembehebungen für den beschränkten Adressplatz existieren schon. Einige große Internetanbieter fangen damit an, ihr riesiges Netzwerk hinter einer kleinen Anzahl öffentlicher IP-Adressen zu verstecken. Sie nutzen das Network Address Translation (NAT) Verfahren, so wie es Privatleute und kleine Unternehmen auch machen. Während diese Problemumgehung zwar mehr Platz für Geräte im Internet schafft, ist jedoch so ein NAT eine sehr komplexe Angelegenheit, die dem gesamten Netzwerk-Leistungsvermögen schaden könnte. Andere Anbieter, vor allem diejenigen in Entwicklungsländern, haben einen "Schwarzmarkt" für IP-Adress-Versteigerungen etabliert, um Unternehmen und andere Internetanbieter zu versorgen.

IP-Adressen im IPv4-Format bestehen aus einem Zahlenquartett, wie beispielsweise 70.42.185.10. Eine URL wie www.pcwelt.de wird erst über einen Domain Name System (DNS) Server in eine IP-Adresse umgewandelt, die ein Rechner dann ansteuern kann. Eine einzelne URL kann zu mehreren IP-Adressen gehören und mehrere URLs können auf eine IP-Adresse zuweisen.

Im Jahr 1998 hat die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers - das Internet-Unternehmen, das sich um die Bereitstellung der Namen und Adressen kümmert) ein neues Internetprotokoll IPv6 angekündigt. IP-Adressen im IPv6-Format sind 128-Bit groß und in Hexadezimal-Gruppen unterteilt, was 340 mal 10 hoch 36 (360 mit 36 Nullen dahinter) Kombinationsmöglichkeiten ergibt. Diese Adress-Ausweitung ist notwendig, damit das Internet weiter wachsen kann.

IPV6 VORTEILE Ein großer Vorteil des IPv6-Protokolls ist eine eingebaute Sicherheitsstufe. IPv4 wurde in einem Internetzeitalter der "Unschuld" mit nur einer sehr beschränkten Nutzerzahl entwickelt. IPv6 ist für eine größere und zynischere Gemeinschaft ausgelegt, sodass es eine Prozedur zum Verifizieren der Adressen und Identitäten integriert hat. So ist es deutlich einfacher einer Verbindung zwischen Routern zu vertrauen. Es sollte beispielsweise für Kriminelle schwieriger werden eine "Address-Spoofing"-Attacke durchzuführen. Dabei werden Webseiten oder E-Mail-Adressen so modifiziert, dass sie von einer Quelle zu kommen scheinen, der man normalerweise vertrauen würde - sie stammen aber tatsächlich von einer ganz anderen Adresse, die dem Angreifer gehört.

Router und Firewalls der IPv6-Ära bieten einen größeren Schutz gegen anonyme Attacken mit Hilfe einfacher und verlässlicher geschützter Verbindungen für Unternehmensrechner. So können Finanzgeschäfte oder der Austausch sensibler Daten zwischen Servern und dem Back-Office deutlich effizienter abgewickelt werden.

Außerdem bietet IPv6 bessere Sicherheits- und Leistungseigenschaften für Unternehmens-Anwendungen, die beispielsweise automatisch Bestellungen abwickeln, Rechnungen ausstellen und Kontakt zum Zulieferer aufnehmen.

Die bessere Kontrolle über IPv6 darüber, wie Informationen zwischen Computern ausgetaucht werden, könnte kleinen Unternehmen und deren ISPs dabei helfen ein Netzwerk einzurichten, das genauso verlässlich arbeitet wie es momentan große Konzerne und Internetdienstleister schon genießen.

Zusätzlich sind die Feineinstellungen für Medien- und leistungshungrige Webanwendungen deutlich einfacher einzurichten. Es werden auch schnellere Transaktionen über Virtual Private Networks (VPN) ermöglicht. IPv6 wird auch zu einer spürbaren Verbesserung bei VoIP oder anderen Kommunikations-Diensten führen, da es die Quality of Service (QoS) verbessert. Die QoS wiederum ermöglicht es bestimmten störungsanfälligen Daten eine höhere Priorität zuzuweisen, wenn das Netzwerk gerade schon beansprucht wird. Eine VoIP-Konversation oder ein Video-Cast, der gerade über Ihr Netzwerk geführt wird, würde also automatisch eine höhere Daten-Austausch-Priorität erhalten.

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