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16.01.2011 Daniel Behrens*

Wake on LAN - PCs übers Internet einschalten und darauf zugreifen

Sie sind unterwegs oder im Büro und benötigen dringend eine Datei, die auf dem heimischen PC liegt. Der ist natürlich ausgeschaltet - schließlich sind Sie kein Stromverschwender. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren PC aus der Ferne einschalten - per Wake on LAN (WoL).

Wake on LAN (WoL) ist ein Standard, der PCs einschaltet, wenn das Netzwerkmodul beziehungsweise die Netzwerkkarte einen spezielles Aufwach-Befehl empfängt (Magic Packet). Große Firmen nutzen dies, um nachts tausende von Büro-PCs automatisch hochzufahren und Updates einzuspielen. Aber auch als Privatanwender können Sie von der Technik profitieren. Voraussetzung ist, dass der Netzwerkadapter WOL unterstützt und dass der PC per Kabel am Netzwerk hängt und nicht per WLAN. Auch die Hauptplatine muss mitspielen, indem sie auch im ausgeschalteten Zustand die Netzwerkkarte Strom versorgt und auf deren Aufwachsignal reagiert. Bei den meisten aktuellen PCs ist das aber der Fall. In der Regel müssen Sie nur im BIOS und im Windows-Netzwerktreiber die Konfiguration anpassen. Dazu kommen wir jetzt.

NETZWERKKARTE KONFIGURIEREN Die Konfiguration der Netzwerkkarte nehmen Sie über den Windows-Gerätemanager vor. Rufen Sie ihn über die Systemsteuerung auf und öffnen Sie den Zweig „Netzwerkadapter“. Klicken Sie nun den Eintrag Ihrer Netzwerkkarte doppelt an und wechseln Sie auf die Registerkarte „Erweitert“. Suchen Sie hier nach einem Eintrag, der „Wake Up Capabilities“ oder ähnlich heißt (je nach Treiber unterschiedlich) und setzen Sie ihn auf „Magic Packet“. Manchmal gibt es auch einen zweiten „Wake up“-Eintrag, den Sie von „Disable“ auf „Enable“ stellen müssen. Möchten Sie, dass Ihr PC nicht nur aus dem ausgeschalteten Zustand, sondern auch aus dem Standby-Modus und dem Ruhezustand aufwecken können, wechseln Sie zur Registerkarte „Energieverwaltung“ und aktivieren Sie „Gerät kann den Computer aus dem Standbymodus aktivieren“ und „Nur Verwaltungsstationen können Standbycomputer aktivieren“. Unter Windows 7 heißen die Optionen „Gerät kann den Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“ und „Nur Magic Packet kann Computer aus dem Ruhezustand aktivieren“.

Da dem PC im ausgeschalteten Zustand keine Netzwerk-/IP-Adresse zugewiesen ist, funktioniert WOL über die Hardware-Kennung, die jedes Netzwerkgerät besitzt. Diese nennt sich MAC-Adresse. Um sie herauszufinden, öffnen Sie unter Windows die Eingabeaufforderung / Kommandozeile und geben „ipconfig /all“ ein. Scrollen Sie zu dem Abschnitt, bei dem im Feld „Beschreibung“ die Bezeichnung Ihrer Netzwerkkarte steht. Direkt darunter steht die hexadezimale MAC-Adresse. Windows nennt sie „Physikalische Adresse“. Diese sollten Sie sich notieren.

BIOS FÜR WAKE ON LAN KONFIGURIEREN Nun starten Sie den PC neu und rufen das BIOS-Setup auf. Die dafür nötige Taste wird normalerweise sofort beim Einschalten links unten im Monitor ganz kurz angezeigt. Meist handelt es sich um „F2“, „F10“ oder „Entf“. Die nötige Einstellung beschreiben wir anhand eines AMI-BIOS: Wechseln Sie im BIOS-Setup in den Bereich „Power -> APM Configuration“ und setzen Sie die Option „Power On By PCIE Device“ (On-Board-Netzwerkchip oder PCI-Express-Netzwerkkarte) oder „Power On By PCI Device“ (PCI-Netzwerkkarte) auf „Enabled“.

PROGRAMM ZUM EINSCHALTEN Nun benötigen Sie noch ein WoL-Programm beziehungsweise eine App, um den PC von einem anderen Computer oder einem Smartphone aus aufzuwecken. Hiervon gibt es eine ganze Reihe, zum größten Teil kostenlos. Besonders einfach zu bedienen ist SoftPerfect Network Scanner für Windows. Dabei handelt es sich um ein Tool zur Netzwerkanalyse, das zusätzliche eine WOL-Funktion besitzt. Diese rufen Sie über das Glühbirnen-Symbol oder über „Options, Wake-on-LAN Manager“ auf. Ins Feld unten tragen Sie die MAC-Adresse des zu startenden PCs ein. Dann klicken Sie auf „Wake“. Daraufhin sendet das Programm ein Magic Packet: Ein Broadcast-Datenpaket, das an alle PCs im lokalen Netz gerichtet ist und 16-mal die MAC-Adresse des zu weckenden PCs enthält.

WAKE ON LAN ÜBERS LOKALE NETZ TESTEN Das Gerät, das Sie zum Wecken benutzen, sollte zum Testen erst einmal im gleichen lokalen Netz hängen, wie der PC, den Sie aufwecken möchten. Wenn Sie ein Smartphone zum Wecken benutzen, aktivieren Sie dafür die WLAN-Funktion - vorausgesetzt der Router, an dem der aufzuweckende PC per Kabel angeschlossen ist, bietet ein Funknetz.

Wenn das Aufwecken nicht funktioniert, klicken Sie im Network Scanner auf „Advanced“ und ändern Sie den „UDP Port“ von „30000“ auf „9“. Falls das auch nicht fruchtet, ändern Sie im gleichen Dialog die Netzwerkmaske im Feld „IP address“ von 255.255.255.255 auf 0.0.0.0. Als letzte Möglichkeit kommt noch in Betracht, dass sich Ihr PC nur aus dem Standby- oder Ruhezustand wecken lässt. Probieren Sie auch dies aus.

EINSCHALTEN ÜBERS INTERNET - ETWAS KNIFFLIG Das Aufwecken übers Internet ist etwas komplizierter als übers lokale Netz. Denn zum einen leiten Internet-Provider keine Broadcast-Pakete weiter, zum anderen hängt Ihr PC zuhause entweder an einem DSL-Modem, dass offline ist, wenn der PC ausgeschaltet ist. Oder er hängt an einem Router, der eingehende Daten blockiert, die er nicht selbst angefordert hat.

Der Router ist zwar Teil des Problems, aber auch gleichzeitig die Lösung: Denn er ist immer eingeschaltet und lässt sich so einstellen, dass er auch permanent mit dem Internet verbunden ist. Einzige Einschränkung: Die meisten Provider nehmen nach 24 Stunden eine Zwangstrennung vor. Bei der automatischen Wiedereinwahl bekommt der Router eine andere IP-Adresse zugewiesen. Die meisten Router haben aber eine Funktion, die die neue IP-Adresse an den Dienst Dyndns.com meldet, wenn Sie dort ein (kostenloses) Benutzerkonto angelegt haben. Dann ist Ihr Router dauerhaft über die Domain IhrDomainname.dyndns.org erreichbar. Nun müssen Sie nur noch Ihren Router dazu bringen, WoL-Pakete an den PC im internen Netz weiterzuleiten.

WOL - KOMFORTABEL MIT BESTIMMTEN FRITZBOXEN Besonders einfach ist das Aufwecken von PCs mit der Fritzbox 7270, 7390 und ähnlichen Modellen mit der neuesten Firmware. Hier richten Sie zunächst über „Internet -> Freigaben“ auf der Registerkarte „Fernwartung“ den Fernzugriff auf die Box ein. Hierfür vergeben Sie einen Benutzernamen und ein möglichst komplexes Passwort.

Auf der Registerkarte „Dynamic DNS“ tragen Sie die Benutzerdaten für Ihr DynDNS-Konto ein. Gehen Sie sicher, dass unter „Internet -> Zugangsdaten“ die dauerhafte Online-Verbindung aktiviert ist und keine automatische Trennung bei Inaktivität erfolgt. Über die Adresse https://IhrDomainname.dyndns.org können Sie nun übers Internet auf die Konfiguration der Fritzbox zugreifen. Achten Sie unbedingt auf das „s“ hinter „http“, sonst kommt keine Verbindung zustande.

Über den Menüpunkt „Heimnetz -> Netzwerk“ sehen Sie eine Liste aller PCs in Ihrem Heimnetz, mit denen die Fritzbox schon einmal Bekanntschaft gemacht hat. Klicken Sie bei dem PC, den Sie aufwecken wollen, auf das „Bearbeiten“-Icon (Stift mit Notizblock) und auf der folgenden Seite auf „Computer starten“.

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