Der Laptop ist tot Der Laptop ist tot - Computerwelt

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06.04.2017 Mike Elgan *

Der Laptop ist tot

Sie werden in Ihrem Leben höchstwahrscheinlich keinen Laptop mehr kaufen. Warum? Wir klären auf.

Laptops und Notebooks könnten schon bald zum alten Eisen gehören.

Laptops und Notebooks könnten schon bald zum alten Eisen gehören.

© Ari N - shutterstock.com

Vor ungefähr zehn Jahren ließ der Laptop den Desktop nach Verkaufszahlen hinter sich, um zur dominanten Computing-Plattform zu werden. Nun ist das Smartphone dabei, dem Laptop das anzutun was der zuvor dem Desktop angetan hat. Aber was ist denn nur falsch am Laptop?

Apple hat keine guten Laptop-Ideen mehr
Über die letzte Dekade hat Apple den Laptop-Markt mit cleveren Design-Ideen und technischen Innovationen angeführt. Der Tech-Gigant ist auf die hochauflösenden Retina-Displays umgestiegen und sein Peripherie- und Geräte-Design - allen voran das Aliminium-Gehäuse - wurde massiv kopiert. Daneben schaffte es der Konzern aus Cupertino immer wieder, die Branche mit kleinen Nebensächlichkeiten wie den Magsafe-Anschlüssen oder LED-Spielchen zu begeistern. Apple war im Laptop-Segment nicht nur Innovationsführer, sondern entwickelte seine Produkte stets in Sachen Eleganz und Usability weiter. Das ist inzwischen vorbei.

Nach Jahren voller Design-Innovationen ist das aktuelle Macbook Pro eher dumpf aufgeschlagen als sanft und elegant gelandet. Der aktuelle Apple-Laptop hat ein ernstzunehmendes Power-Problem. Einige nennen das aktuelle Macbook Pro schon das neue Macbook Air zum Macbook-Pro-Preis.

Magsafe musste USB-C weichen. Und dann diese Touchbar. Man mag diese Spielerei für die Finger lieben oder hassen - Fakt ist: Statt Eleganz und Simplizität zu verkörpern, wird Apples Interface Design immer komplexer und seltsamer. Auch die Tastatur am Macbook Pro ist Geschmackssache. Der Tastenhub ist vielen Usern zu kurz, das Touchpad viel zu groß. In diesem Fall hatte Apples Versuch, ein noch eleganteres und minimalistischeres Produkt zu realisieren den gegenteiligen Effekt. Zwar ist das Geräte-Design durch lediglich vier USB-C-Ports in der Tat simpler geworden - dafür müssen die User nun hässliche Adapter für all ihre Geräte kaufen, die kein USB-C unterstützen.

Das Beste, was man über das aktuelle Macbook Pro sagen kann ist, dass es schneller ist als seine Vorgänger und einen besseren Screen zu bieten hat. Das ist aber schlicht Evolution und keine Revolution. Es gibt nichts an diesem Laptop, was für die Konkurrenz "kopierenswert" wäre. Stattdessen werden sich Microsoft, Samsung, Google und Co. darauf konzentrieren, den Kunden etwas Anderes, Neues anzubieten. Das führt letztlich zu der Frage, ob das Macbook Pro seinem Preis eigentlich noch gerecht wird. Die Antwort verschieben wir aber auf das Ende des Artikels - zuvor wollen wir noch einige Entwicklungen betrachten, die die Klasse der Laptops und Notebooks ganz allgemein bedroht.

Flugzeug-Verbot für Laptops und Notebooks
Vor einigen Monaten wurden alle nicht-medizinischen elektronischen Geräte, die die Größe eines Smartphones übersteigen, von der britischen und der US-Regierung aus den Flugzeug-Kabinen verbannt. Dieses Verbot gilt zunächst für Flüge, die von einigen bestimmten Flughäfen im Mittleren Osten und Nordafrika starten.

Die Ursache für das Verbot von Laptops und Notebooks könnte in zwei Vorfällen begründet sein. In einem Fall riss ein explodierendes Notebook ein Loch in ein Flugzeug, das von Somalia nach Djibouti unterwegs war. In einem anderen verletzte eine Laptop-Bombe sechs Menschen an einem Flughafen in Somalia. Zeitgleich machten auch Gerüchte aus mutmaßlich geheimdienstlicher Quelle die Runde, dass die Terrorgruppe Al-Qaida maßgebliche Fortschritte bei dem Bau von Laptop-Bomben gemacht habe. Laut einem Mitglied des US-Kongresses könnte die Verbotsliste bald um weitere Länder ergänzt werden.

Aus diesem Verbot lassen sich mehrere Schlüsse ziehen: Erstens könnte sich der Bann für Laptops und Notebooks zu einem weltweiten Phänomen entwickeln. Die Nutzung eines Laptops könnte so in den nächsten Jahren auf sämtlichen Linienflügen zum Ding der Unmöglichkeit werden.

Zweitens wird sich das Verbot zweifellos auf die Absatzzahlen der mobilen PCs auswirken. Schließlich werden viele Reisende nicht das Risiko von Diebstahl oder Verlust eingehen wollen, wenn sie ihre teuren Laptops mit dem Reisegepäck einchecken müssen. Schon die allgemeine Unsicherheit, ob Laptops nun in die Kabine mitgenommen werden dürfen oder nicht, reicht aus, um das Verhalten der Konsumenten zu beeinflussen. Und zu den besten Kunden der Laptop-Industrie dürften die "frequent traveller" gehören.

Und drittens wird dieses Verbot dafür sorgen, dass die Hersteller alternative Devices entwickeln, so dass die Kunden ohne Laptop oder Notebook reisen können. Welche Alternativen fragen Sie?

Docking Station statt Laptop?
Mit der Präsentation seiner neuen Smartphone-Flaggschiffe Galaxy S8 und S8+ konnte Samsung vor kurzem beeindrucken. Dabei erntete ein Peripherie-Gerät namens "Dex" besonderes Interesse. Hierbei handelt es sich um eine Docking Station für das Samsung Smartphone. Diese bietet auch die Möglichkeit, eine Tatstatur, eine Maus und einen externen Monitor anzuschließen - wodurch das Galaxy S8 wie ein Desktop-PC genutzt werden kann. Das Dock unterstützt darüber hinaus auch 4K-Auflösung und bietet einen Ethernet-Anschluss. Microsoft bietet für seine marginal verbreiteten Windows Phones schon seit längerem ein ähnliches Konzept namens "Continuum" an.

Gerade für Business-User eine tolle Vorstellung: Im Office und Home Office wartet nur noch die Docking Station - alles was man braucht ist das Smartphone. Und trotzdem genießt man den Komfort eines Desktops. Und auf Reisen wird das Smartphone einfach kurzerhand mit dem TV im Hotelzimmer gekoppelt. Vor einigen Jahren waren die Telefone noch nicht reif, um als PC-Ersatz zu taugen - das hat sich inzwischen geändert. Zum Preis einer Docking-Station (circa 150 Dollar) kommen zwar noch die Ausgaben für Monitor, Maus und Tastatur, doch selbst dann liegt der Gesamtpreis weit unter dem eines ordentlichen Notebooks.

Sogar Apple liebäugelt offensichtlich mit einem Einstieg in den Docking-Station-Markt: Ein kürzlich aufgetauchtes Patent zeigt einen Hybrid-Laptop, der von einem iPhone angetrieben wird. Zusätzlich soll das iPhone an diesem Device auch als Trackpad zum Einsatz kommen. Die Ziele lauten also: Laptop-Erfahrung ohne Laptop-Preis. Und: Ein Device für alle Aufgaben. Beim Hersteller Andromium kann man bereits das sogenannte "Superbook" vorbestellen. Das ist im Grunde eine Laptop-Hülle, die als "Prozessor" ein Android-Smartphone nutzt. Wenn Samsung und Apple "offiziell" in diese Richtung stoßen, können Sie darauf wetten, dass auch die Konkurrenz nachzieht.

Klapp-Smartphone beerbt Notebook?
Dabei ist die Idee von den Docking Stations beileibe nicht neu. Neu ist allerdings, dass sich das Konzept nach einigen erfolglosen Versuchen nun dem Tech-Mainstream nähert. Ebenso wie eine weitere, alte Idee: das Klapphandy.

Im Jahr 1997 perfektionierte ein Unternehmen namens Psion den PDA. Das schaffte man damals in erster Linie mit einem überraschend großen und guten Keyboard. Blöderweise wurde die Innovation aber von der Mobiltelefon-Revolution verschluckt - so wie das komplette PDA-Segment. Der Designer des Psion Series 5, Martin Riddiford, lässt seine PDA-Vision derzeit wieder aufleben - und zwar als kombiniertes Android-Linux-Smartphone unter dem Namen "Gemini PDA". Das kann in geschlossenem Zustand als Telefon verwendet werden und wird bei Bedarf auch zu einem Android-Smartphone-PC mit Tastatur - oder eben einem Linux-Laptop, der in die Hosentasche passt. Das Konzept findet inzwischen auch in der Gaming-Szene Anklang. Sowohl von Apple, als auch von Microsoft sind bereits ähnliche Konzepte in Form von Patentanträgen an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Chancen stehen also gut, dass mobile User die eine mechanische Tastatur wollen, dafür in Zukunft keinen Laptop mehr kaufen müssen.

Tödliche Trends für den Laptop
Neben all diesen Entwicklungen gi$bt es drei weitere, wesentliche Trends, die den Vorhang für Laptops und Notebooks endgültig fallen lassen:

  • 1. Junge Menschen ziehen bereits jetzt das Smartphone dem Laptop vor. Ganz ohne Docking Stations oder faltbare und klappbare Smartphones. ComScore berichtet, dass die Nutzung von Laptops und Desktops unter den Jungen rückläufig ist. Ganze 20 Prozent der Millenials nutzen demnach ausschließlich ihr Smartphone. Von daher legt bereits die demografische Entwicklung nahe, dass es mit dem Laptop zu Ende geht.
  • 2. Die IT-Industrie setzt derzeit alles daran, von Intel- auf ARM-Chips umzusatteln. Erstere haben über Jahrzehnte unsere Desktops und Laptops angetrieben, zweitgenannte kommen in unseren Smartphones zum Einsatz. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, werden unsere Geräte nicht mehr auf Windows und OS X laufen, sondern auf iOS und Android. An diesem Punkt werden die Smartphones zu Docking-Lösungen - nur teurer.
  • 3. Smartphones werden immer besser und leistungsfähiger. Samsungs Galaxy S8 ist ein fantastisches Produkt. Und das kommende iPhone dürfte phänomenal werden - zumindest wenn es nach den Erwartungen der Tech-Fans geht. Die Kameratechnik in den Top-Smartphones kann es inzwischen sogar mit Profi-Kameras aufnehmen, die Leistung wird der eines Desktop-PCs immer ähnlicher. Die Apps werden immer besser, die Geräte immer teurer. Inzwischen sind die Konsumenten bereit, zwischen 700 und 1000 Euro in ein neues Smartphone zu investieren. Die kommenden Flaggschiffe dürften diesen Rahmen noch sprengen. In Zukunft heißt es dann: entweder Smartphone oder Laptop. Wo wir wieder bei Punkt Eins wären.


Um es auf den Punkt zu bringen: Laptops und Notebooks sind zu langweilig und zu teuer. Die Hersteller schmeißen mit neuen Designs und Ideen um sich, die das Handy zum PC-Ersatz werden lassen. Junge Leute favorisieren das Smartphone, die Unternehmen wollen mobile Betriebssysteme verwenden. Und die Konsumenten geben mehr für ihre Telefone aus. Und damit immer weniger für einen Laptop. Dessen Dominanz ist somit wohl endgültig gebrochen. Rest in peace.


* Mike Elgan schreibt für unsere US-Schwesterpublikation Computerworld.com.

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